Experte exklusiv im Interview: Regierung bremst E-Mobilität aus: „Das ist politische Regulierung, wie sie in ein Lehrbuch für Worst-Case-Szenarien passt“

30.01.2020, 12:06  |  30619   |  11   |   

wallstreet:online sprach mit Kurt Sigl, Präsident des Bundesverband eMobilität (BEM). Der BEM vertritt die Interessen wichtiger Player aus der E-Mobilitätsbranche wie z. B. Tesla, Nio, Streetscooter und Renault.

wallstreet:online: Kann aus Ihrer Sicht der Umweltbonus den E-Auto-Absatz in Deutschland steigern?

Kurt Sigl: Wir sehen im Moment blockierte Fördermechanismen und damit blockierten Absatz. Obwohl die Bundesregierung im November 2019 den Umweltbonus von bis zu 6.000 Euro Zuschuss für den Kauf eines Elektroautos versprochen hat, stehen Wirtschaft, Händler und Kunden derzeit im Regen. Offenbar sind die bürokratischen Wege noch nicht entsprechend vorbereitet, so dass Kunden den Kauf eines eAutos gegenwärtig hinauszögern. Damit bleiben die Autos auf dem Hof, der Hersteller kann seinen CO2-Wert nicht verbessern und es droht eine hohe Strafzahlung an die EU. Das ist politische Regulierung, wie sie in ein Lehrbuch für Worst-Case-Szenarien passt.

wallstreet:online: Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit der Ausbau der Elektromobilität in Deutschland gelingen kann?

Kurt Sigl: Neben der Freigabe für den Umweltbonus auf eAutos muss immer noch an vorderster Stelle das Wohn- und Eigentumsrecht reformiert werden. Solange die Ladesäule Zuhause und am Arbeitsplatz nicht komplikationslos eingebaut werden kann, solange bockt das ganze System. Hier sollte in den Bundesministerien Bewegung noch vor Ostern aufkommen, damit die Bauindustrie entsprechende Wünsche im Sommer umsetzen kann. Dann kann der Hochlauf der eMobilität in diesem Jahr parallel mit den CO2-Grenzwerten erfolgen und die Unternehmen bekommen wenigstens eine Chance, ihre Geldbußen zu reduzieren.

An zweiter Stelle sollte ein Zieldatum für die Zulassung des letzten Verbrenners definiert werden. Wer keine Ziele setzt, wird sie auch nicht erreichen. Wir empfehlen das Jahr 2030.

Und an dritter Stelle sehen wir in diesem Jahr den deutlichen Ausbau Erneuerbarer Energien. Dazu gehört für uns auch das Ende der Diesel-Subventionen in Höhe von 7,5 Milliarden Euro; Geld – das wunderbar in die Ertüchtigung der Daseinsfürsorge fließen kann – Datennetze, Versorgerqualität, behördliche Weiterbildung und für die Bürger eine Informationskampagne, damit Sachlichkeit in diese Mobilitätswende einkehrt und die wirtschaftlich Handelnden Rückendeckung verspüren.

Natürlich kann das nicht mit der Förder-Gießkanne geschehen - zum Gelingen der e-Mobilität ist es notwendig, das Vorhaben als Groß-Projekt einzustufen und eine kompetente Projekt-Organisation nach dem Vorbild von internationalen Großprojekten einzusetzen. Anders können Zeit- und Kosten-Risiken nicht minimiert werden.

wallstreet:online: Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Kapitalmarkt beim Ausbau der Elektromobilität?

Kurt Sigl: Der Kapitalmarkt spielt eine interessante Rolle. Strategiewechsel wie etwa der von Volkswagen werden schneller im internationalen Vergleich bewertet. Das schafft Einordnung und in dem Fall Zuversicht. Sorge bereiten mir eher die verschiedenen Signale aus der Politik, etwa auf mehrere Module gleichzeitig zu setzen, wie die Diskussion um Wasserstoff oder Syn-Fuel zeigen. Das schwächt die Mutigen und beweist, dass die Politik keine klare Handlungslinie hat.

wallstreet:online: Wäre aus Ihrer Sicht eine Erhöhung der CO2-Steuer sinnvoll, um die Elektromobilität zu fördern?

Kurt Sigl: Definitiv ja, hier schließe ich mich VW-Chef Diess an. Eine erhöhte CO2-Umlage würde mehr Tempo in handlungsnahes Umweltbewusstsein bringen. Nutzer von e-mobilen Lösungen wären klar im Vorteil.

wallstreet:online: Das Regierungsziel von einer Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 wurde klar verfehlt. Was waren aus Ihrer Sicht die Hauptursachen dafür?

Kurt Sigl: Die Gründe für die Verfehlung liegen in einem Mix von Ursachen. Dazu gehört das Silodenken in der Politik, die Blockadehaltung bei der deutschen Autoindustrie, sicherlich durch das Fehlen politischer Vision, die übrigens bis heute anhält, und - last but not least – ein gewisser Klüngel auf lobbyistischer und behördlicher Seite, Neuanfängen grundsätzlich geringschätzend gegenüber zu stehen.

wallstreet:online: Was macht Norwegen bei der Förderung der E-Mobilität besser als der deutsche Staat?

Kurt Sigl: Norwegen hat eine andere Aufstellung als Deutschland in diese Frage. Zunächst sind sie keine Autonation und müssen die Herstellung nicht umbauen. Sie lenken allein die Nutzung und das durch einen norwegischen Staatsfond, der sich aus der Ölindustrie speist. Kein Ansatz für Deutschland ;)

wallstreet:online: Warum fordern Sie, dass die eine Milliarde Euro Strafzahlung von VW für kostenlosen Ladestrom verwendet wird?

Kurt Sigl: Strafzahlungen sollten unserer Meinung nach umgelegt werden in den Bereich nachhaltiger Mobilität, was etwa die Batteriezellen-Entwicklung und Batterieproduktion einschließt. So kann aus der Bestrafung noch ein Ansatz für bessere Zeiten erfolgen – in Wirtschaft und Umwelt.

wallstreet:online: Herr Sigl, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ferdinand Hammer, stellvertretender Chefredakteur bei wallstreet:online.



Broker-Tipp*

Über Smartbroker, ein Partnerunternehmen der wallstreet:online AG, können Anleger für vier Euro pro Order Wertpapiere erwerben: Aktien, Anleihen, 18.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag, ETFs, Zertifikate und Optionsscheine. Beim Smartbroker fallen keine Depotgebühren an. Der Anmeldeprozess für ein Smartbroker-Depot dauert nur fünf Minuten.

Service: Produktauswahl Fonds zum Thema E-Mobilität/Zukunftstechnologien*
Wir haben für Sie, unsere Leser aus der Anlegerklasse Selbstentscheider, eine Produktauswahl zum Thema E-Mobilität/Zukunftstechnologien zusammengestellt. Auf den Seiten unserer Partner von FondsDISCOUNT.de finden Sie dazu jeweils detaillierte Produktbesprechungen und Zeichnungsmöglichkeiten.

Fonds zum Thema E-Mobilität:

Structured Solutions SICAV - Next Generation Resources Fund

BlackRock Global Funds - Future Of Transport Fund A2 USD

Fonds zum Thema Zukunftstechnologien:

AGIF - Allianz Global Artificial Intelligence - AT

* Wir möchten unsere Leser ehrlich informieren und aufklären sowie zu mehr finanzieller Freiheit beitragen: Wenn Sie über unseren Smartbroker handeln, auf die Produkt-Links klicken und sich vielleicht für ein Produkt zum Thema entscheiden, wird uns das vergütet.

Bei den Links zu einzelnen Kapitalmarkt-Produkten liegt es auf der Hand, dass wir dabei auf Produktseiten unseres Partners FondsDISCOUNT.de verlinken - nicht ohne handfesten Grund: FondsDISCOUNT.de  -zur „Bank des Jahres“ gekürt - bietet über 22.826 Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag an. Hinzu kommen ETFs, Direktinvestments und Robo-Advisor-Lösungen – alle zu preisgünstigen Konditionen. Einfach viele Auswahlmöglichkeiten für Selbstentscheider.



 

Seite 1 von 2
Tesla Aktie jetzt über den Testsieger (Finanztest 11/2020) handeln, ab 0 € auf Smartbroker.de



Diesen Artikel teilen

11 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Avatar
02.02.20 11:27:51
es ist einfach ein Problem mit dem Denken der Politiker und mit der Wahrheit wenn ich der Greta zuhöre verstehe ich es nicht mehr reist in der Welt spazieren mit was mit dem Pferd lebt die nicht wie wir.Sie erscheint bei vielen Versammlungen,wer bezahlt das alles ,wer steht hinter ihr alles Merkwürdig.
Avatar
31.01.20 09:03:24
Herr Sigl ist ein von der Elektro Mobil gekaufter und bezahlter Sprecher mit kurzem Blick für die nächsten 10 Jahre.
Er lehnt die Entwicklung der Wasserstoff Technologie unbegründet ab.
Für Ihn gilt: Nach mir die Sinnflut!!!
Was will uns seine Meinung neues erklären.
Avatar
31.01.20 08:15:26
Zitat von chaosgegner: Was sind schon Diesel-Subventionen in Höhe von 7,5 Milliarden Euro gegen 40 Milliarden Subventionen für Migranten?


Mit "Subvention" bezeichnet man Orwell-Deutsch den gegenueber Normalbenzin verringerten Steuersatz.
Avatar
31.01.20 08:09:55
Bin gespannt was VW mit den E Autos macht die Sie Produziert haben aber nicht verkaufen in Österreich will keiner mehr ein E Auto haben warten alle auf Wasserstoff Fahrzeuge
Avatar
30.01.20 22:32:26
Was sind schon Diesel-Subventionen in Höhe von 7,5 Milliarden Euro gegen 40 Milliarden Subventionen für Migranten?

Disclaimer

Experte exklusiv im Interview: Regierung bremst E-Mobilität aus: „Das ist politische Regulierung, wie sie in ein Lehrbuch für Worst-Case-Szenarien passt“ wallstreet:online sprach mit Kurt Sigl, Präsident des Bundesverband eMobilität (BEM). Der BEM vertritt die Interessen wichtiger Player aus der E-Mobilitätsbranche wie z. B. Tesla, Nio, Streetscooter und Renault. wallstreet:online: Kann aus Ihrer …

Jetzt Fonds ohne Ausgabeaufschlag handeln und dauerhaft Depotgebühren bei comdirect sparen!

  • über 13.000 Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag
  • kostenlose Depotführung
  • über 450 Fonds für Sparpläne ohne Ausgabeaufschlag
  • Sonderkonditionen für Transaktionen

Sie haben bereits ein Depot bei comdirect?

Kein Problem. Ein einfacher kostenloser Vermittlerwechsel genügt und Sie können auch von den günstigen Konditionen profitieren.

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel