Fiatgeld Ohne Rücksicht auf Verluste

31.01.2020, 17:07  |  23338   |   |   

Geld aus dem Nichts zu schaffen hat für die Mächtigen viele Vorteile. Am Ende zahlen die Bürger die Zeche. Gastbeitrag von Dr. Thorsten Polleit.

Vorsicht: Fiatgeld
Ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, japanischer Yen, britisches Pfund oder Schweizer Franken: Sie alle sind ungedecktes Geld. Man kann es auch „Fiatgeld“ nennen. Vor allem drei Eigenschaften zeichnet dieses aus: (1) Fiatgeld ist staatlich monopolisiert; die staatlichen Zentralbanken haben das Produktionsmonopol inne. (2) Fiatgeld wird durch Kreditvergabe geschaffen, der keine echte Ersparnis gegenübersteht. (3) Fiatgeld ist entmaterialisiert, hat die Form von bunt bedruckten Papierzetteln und Einträgen auf Computerfestplatten (Bits und Bytes).

Das Fiatgeld ist nicht etwa auf natürlichem Wege entstanden. Es ist vielmehr in unnatürlicher Weise in die Welt gesetzt worden, aufgrund des absoluten Herrschaftsanspruchs der Staaten. Ganz entscheidend war dafür, dass die US-Administration im Jahr 1971 die Goldeinlösbarkeit des US-Dollar – damals wie heute die Weltleitwährung – aufgehoben hat. Durch diesen unilateralen Handstreich wurde der Greenback und mit ihm alle übrigen Währungen der Welt zu ungedecktem Geld. Ein weltweites Fiatgeldsystem wurde so aus der Taufe gehoben, das jedoch unter schweren ökonomischen und ethischen Defiziten leidet.

Wie Boom und Bust entstehen
Wenn Zentralbanken in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken Kredite vergeben und dadurch die Geldmenge „aus dem Nichts“ ausweiten, ist eine Krise quasi vorprogrammiert. Das künstlich erhöhte Kreditangebot senkt nämlich den Marktzins ab – und zwar unter das Zinsniveau, das sich einstellen würde, wenn es keine artifizielle Ausweitung gäbe. Das Sparen nimmt ab, der Konsum steigt, und zusätzlich werden auch noch neue Investitionen in Gang gesetzt. All dies führt anfänglich zu einem Konjunkturaufschwung (einem „Boom“). Im Anschluss zeigt sich jedoch, dass er auf Sand gebaut ist.

Nachdem der Einschuss von neuem Kredit und Geld in die Volkswirtschaft seine Wirkung entfaltet hat, verpufft die Reichtumsillusion: Unternehmen bemerken, dass sich die erhoffte Nachfrageerhöhung nach ihren Produkten nicht als dauerhaft erweist, dass sich Investitionen nicht wie anfänglich erwartet rechnen. Die Investitionstätigkeit wird daraufhin zurückgefahren, und die im Boom geschaffenen Arbeitsplätze gehen wieder verloren; der Aufschwung kippt in einen Konjunkturabschwung (einen „Bust“) um. Nun wird es heikel.

Der Boom ist das Problem, nicht der Bust
Angesichts steigender Zahlungsausfallrisiken treten die Geschäftsbanken auf die Kreditbremse, und der Zustrom von neuem Kredit und zusätzlichem Geld beginnt, zu versiegen. Schon das Verlangsamen der Kredit- und Geldmengenausweitung sowie der dadurch bewirkten Preisinflationierung reicht aus, um die Konjunktur einbrechen und die Finanzmarktspekulation platzen zu lassen. Produktions- und Beschäftigungsverluste, Kreditausfälle, schrumpfende Kredit- und Geldmengen verbinden sich zu einer selbstverstärkenden Abwärtsspirale. Aus dem anfänglichen Inflationsregime wird ein Deflationsregime. Zweifelsohne wirtschaftlich wie politischsozial ein bitteres Szenario – das umso schmerzlicher ausfällt, je länger die Kredit- und Geldmengenausweitung, verbunden mit einem Heruntermanipulieren des Marktzinses, zuvor angedauert hat. Gleichwohl ist der Bust nichts anderes als die ökonomisch erforderliche Bereinigung des Überkonsums und der Fehlinvestitionen, die der Boom verursacht hat. Man kann auch sagen: Der Boom ist das Problem, der Bust ist die Heilung. Doch gegen den Bust erwächst Widerstand.

„Kollektive Korruption“ und ihre Folgen
Arbeitnehmer, Unternehmer, Gewerkschaften, Beamte, Sparer und Politiker – sie alle rufen nach „Krisenbekämpfung“, wenn der Boom in einen Bust umzuschlagen droht. Man fordert die Zentralbank auf, die Zinsen noch weiter zu senken und noch mehr Kredit und Geld bereitzustellen, um die Konjunktur „anzukurbeln“. Alle fürchten sich nämlich vor den Verlusten, die ihnen in der einen oder anderen Form entstehen, sollte das Fiatgeldsystem kollabieren – und genau das würde ein Bust, wenn man ihn zulässt, ja auch bewirken. Das Fiatgeld hat alle von sich abhängig gemacht, verursacht eine „kollektive Korruption“: Man verbündet sich mit dem Fiatgeldsystem, wird zu seinem stillen oder auch offen ausgesprochenen Komplizen.

Verständlicherweise will niemand für die Schäden, den das Fiatgeldsystem angerichtet hat, haften; zudem wissen vermutlich viele Menschen nicht genau, ob sie nun zu den Nettoprofiteuren oder -verlieren des Fiatgeldsystems zählen. Erstere – Regierungen, Banken- und Finanzindustrie sowie „Big Business“, das „Establishment“ eben – wissen das für ihre Zwecke zu nutzen. Unter ihrer intellektuellen Führung wird ein öffentlicher Zielkonsens herbeifabuliert, das Fiatgeldsystem müsse am Leben gehalten werden – und zwar mit allen Mitteln; diesem Ziel müsse letztlich alles andere untergeordnet werden.

Wohin das führt, liegt auf der Hand: Die freien Marktkräfte, die die Ungleichgewichte und Schäden des Fiatgeldsystems korrigieren könnten, werden nach und nach ausgeschaltet – durch immer mehr Verordnungen, Ge- und Verbote, Gesetze sowie Steuern, die der Staat dem Wirtschaften auferlegt: Banken und Investoren werden zusehends reguliert und stranguliert, ihr Handeln auf den Erhalt des Fiatgeldsystems getrimmt; insbesondere die Zinsen werden heruntermanipuliert, um die Schuldenpyramide, die sich im Fiatgeldsystem unweigerlich aufbaut, vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Der Boom wird, solange es eben geht, in Gang gehalten, und die Schäden, die das Fiatgeldsystem verursacht, wachsen dabei immer weiter an. Die Kosten, die mit einer Abkehr vom Fiatgeldsystem verbunden sind, klettern entsprechend immer weiter in die Höhe. Ob man will oder nicht – wenn man es zu Ende denkt, kommt man zum Schluss: Das Fiatgeldsystem zerstört die freie Marktwirtschaft bzw. das Wenige, was heute noch von ihr übrig ist. Man kann natürlich hoffen, dass sich von irgendwoher noch eine glückliche Fügung einstellt, die das Problem entschärft. Die ökonomische Theorie kann hier leider nicht als Stimmungsaufheller dienen.

Kurzlebenslauf von Dr. Thorsten Polleit
Seit April 2012 ist Dr. Thorsten Polleit Chefvolkswirt der Degussa, Europas größten Edelmetallhandelshauses. Davor war er 15 Jahre im internationalen Investment Banking tätig. Seit 2014 ist Dr. Polleit Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Darüber hinaus ist er Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland und Fellow am Ludwig von Mises Institute, Auburn, Alabama, USA. 2012 erhielt Dr. Polleit den O.P. Alford III Prize in Political Economy. Zudem ist er Mitgründer eines 2012 aufgelegten Alternative Investment Fund (AIM). Seine zuletzt veröentlichten Bücher sind „Ludwig von Mises für jedermann. Der kompromisslose Liberale“ (2018, Frankfurter Allgemeine Buch) und „Vom intelligenten Investieren. Zeitlose Prinzipien für erfolgreiche Investments“ (2018, FinanzBuch Verlag). Im Januar 2020 erscheint „Mit Geld zur Weltherrschaft. Warum unser Geld uns in einen dystopischen Weltstaat führt – und wie wir mit besserem Geld eine bessere Welt schaffen können“ (FinanzBuch Verlag).

Dieser Gastbeitrag ist am 21.12.2019 in der Beilage zur Smart Investor-Ausgabe 01/20 erschienen.

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9 Kommentare

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Kommentare

Das aktuelle System führt zu einer florierende Wirtschaft niedriger Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation...

Probleme treten bei der fortgesetzten Naturzerstörung auf....die ermöglicht wird ,weil die Produktionskosten den Naturverbrauch nicht widerspiegeln.

Das Problem wird selten bis nie von den Geldsystemkritikern adressiert.

Anders gesagt: Die akademische Diskussion krankt daran - das sie sich noch im 20. Jahrhundert befindet und zwar knapp nach der Abschaffung des Goldstandards 1972...

Die allermeisten Probleme sind langfristig leicht lösbar - auch Crashs sind da irrelevant -die eigentliche Probleme sind ÜberRüstung und Naturzerstörung -egal ob D eine eigenen Währung hat oder ob die Bundesbank die Zinssätze bestimmt, Vollgeld eingeführt wird usw. usf.

Nur ein Beispiel noch -

Am Rentensystem wollen die Kritiker prinzipiell auch nichts ändern - dabei ist doch egal, ob meine Rente 50% oder 80% meiner letzten Einkommen beträgt - wenn das artensterben zu deutlich höheren Lebensmittelpreisen führt oder von Mai bis Oktober die Temperatur in Zentraleuropa.
kaum unter 35 Grad tagsüber fällt...


Keine Probleme suchen - die wie ein Nagel aussehen -weil das Lieblingswerkzeug ein Hammer ist!
Na, dann glaubt doch an den Schwachsinn. Wenn es Euch gut tut, dann ist ja in Ordnung.

Hat nur mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun.
Zitat von hevo0001: Langsam ist aber genug, der nun auch noch. Unglaublich wie viele von den Populisten hier eine Bühne kriegen.

Keine Ahnung vom Geldsystem und keine Ahnung von der Funktion einer Volkswirtschaft.

Betriebswirte sollten bei ihrem Thema bleiben.


HEVO0001
nur Phrasen dreschen ("Populisten....") und am liebsten Andersdenkenden die Meinung verbieten ("eine Bühne kriegen...")

Aber selber an den Weihnachtsmann glauben...

"das Geld verschwindet auch wieder mit der Kredittilgung" :laugh:

Zum Beitrag Fiatgeld kann man nur sagen: richtig, so ist es.
hevo0001, du glaubst wahrscheinlich sogar an das was du erzählst. Bist du so naiv? Die Mär vom ewigen Wachstum und Wohlstand für alle... und nachzulesen auf der Website der deutschen Bundesbank, dann muss es ja stimmen. Du weißt doch sicher auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.
Wir müssen jetzt mehr aufpassen,was uns als gesellschaftlich "relevant" versucht wird,zu verkaufen,das Geld,es mag fertig haben,da geht es um Macht-Erhalt!
Das Geld,in Deutschland,das trauen sie sich nicht zu entwerten,die Parteien,der Euro-Treiber,sie pfeiffen langsam ab,in die Bedeutungslosigkeit,die Bonzen,sie wollen sich abseilen,ganz geschickt!
Der Rettungsrun,in die Aufsichtsräte,er ist eröffnet worden,so kann man leicht wieder den nächsten Baum befallen,weil der alte umgekippt ist und wenn es erst da drinn komplett irre aussieht,weil genug in dem Nest sitzen,von denen,rennen auch die letzten Nutz-Menschen Hände über dem kopf zusammenschlagend davon und unmittelbar,bevor der neue Baum wieder krachend auf dem Boden aufschlägt,läßt sich leicht ein "Retter" in Szene setzen,um dann wieder einen Polit-Versuch zu machen,mit der erschwindelten Reputation!
Der Grund ist,das alte Bäumchen wechsel Dich Spiel,das zieht nicht mehr,es wird Wettbewerb brauchen,sowas gräbt den fern-gesteuerten ganz schnell das Wasser ab und sowas hat nach 5 inszenierten Finanzkrisen das Land endlich auch mal verdient!
Auch cool,wäre zb mal die Gründung,einer Partei,mit jüdischem Schwerpunkt,erstens wären mehr als 5% locker zu machen,zb von Protest-Wählern,und das übliche konzept,diese als Nazis zu verschreien,wäre wirklich rein von Natur aus entschärft!^^
Grundsätzlich,haben die Finanziell wenigstens genug "Hirn" um nicht sämtliche Bäume um zu holzen,auch die kommender Generationen und Ethik und Moral,sollten wohl vorhanden sein,die,die hier sind,würden sonst einen Fehler machen,den sie den deutschen stets vorwerfen,wer kann denn hier allen Ernstes noch behaupten,er hätte es nicht gewußt?
Es bringt nichts mehr,an abgetarkelten Konzepten fest zu halten,zZ geht es nur noch um Machterhalt,Geld kann man damit generieren,so viel man will!
Gesellschaft,findet man auch hier und Gestalten,die versagt haben,müssen halt auch mal Platz frei machen,Sarazin,könnte sicher auch noch etwas bewegen,sofern er seinen Auftrag endlich erkennt!
Macht es nicht nur am Geld fest,besteht auf einen Rest Moral,gedruckt,wird überall auf der Welt,man könnte fast verabreden,wer sich zuerst,wie ein fauler Sack Kartoffeln aufn Boden fallen läßt und das Bonzen-Baby hat damit eh zuerst immer die Taschen voll,das kommt stets anders,als man denkt!
Geld,ohne Macht,hat gar keine Beine,mit den üblichen Order-Betrügereien,ist unsere knete,nach dem kurzen Zauberspruch "Wischi waschi und dein Geld ist in Griechenland" ruck zuck das Geld anderer Leute und wenn die staatlich geförderte Frauenförderung nicht spurt,dann isse ruck zuck wieder Friseuse,bis ihre Hände aufplatzen,von den Dauerwellen,oder man droht ihr,die kinder weg zu nehmen,hat ja schon 5x so gut geklappt,mit der vorher vereinbarten System-Relevanz!
Die Welt soll doch nicht sagen,wir hätten solche Leute auch noch verdient?
Was war also zuerst da,das Ei,oder das Huhn?
Erst,war die Macht da,dann kam das Geld,dann kam das Versagen und dann gingen "wir" gestärkt daraus hervor,dann müssen alle den Gürtel enger schnallen,und so kam wieder das Geld zu "uns",na,da hamwer ja fast die All-Macht erreicht,wozu dann Witwe krause fragen,was sie denn sonst noch verdient?
Zeit,für die Ohnmacht,schönes Wochenende allen!

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