Lebensversicherung löst Rechtsschutzversicherung ab Beschwerden bei der Rechtsschutzversicherung gehen zurück

Gastautor: Gregor Zmuda
06.02.2020, 11:50  |  239   |   |   

Der Versicherungsombudsmann hat seinen Tätigkeitsbericht für 2019 vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die Gesamtzahl der Versicherungsbeschwerden im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. Nahm die Rechtsschutzversicherung in den vorangegangenen zwei Jahren noch den Spitzenplatz unter den Beschwerden ein, liegt sie 2019 wieder auf dem zweiten Platz. An die erste Stelle der Beschwerdeliste ist die Lebensversicherung getreten.


 

Beschwerdezahlen für 2019
 

Der Versicherungsombudsmann Dr. h. c. Wilhelm Schluckebier hat sein Amt am 01. April 2019 von Dr. Günter Hirsch übernommen. Er hat jetzt den Tätigkeitsbericht mit den aktuellen Beschwerdezahlen für 2019 vorgelegt. Die Zahl der insgesamt eingegangenen Beschwerden ist von 18.956 im Jahr 2018 auf 17.528 im Jahr 2019 zurückgegangen. Von den 2019 eingegangenen Anträgen wurden 4.527 als unzulässig abgewiesen. Als zulässig beendet gelten 13.309 Anträge, während sich zum 31.12.2019 noch 2.639 Anträge in Bearbeitung befanden. Die Statistik im Tätigkeitsbericht des Versicherungsombudsmanns unterscheidet die eingegangenen Beschwerden nach Eingaben gegen das Versicherungsunternehmen (VomVO), gegen den Versicherungsvermittler oder Berater (VermVO) und anderweitige Gründe. Die Zahlen im Tätigkeitsbericht für 2019 sehen folgendermaßen aus:

 

  • VomVO: 16.928 Anträge
  • VermVO: 261 Anträge
  • anderweitige Gründe: 339 Anträge.


Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Beschwerden über Vermittler oder Berater zurückgegangen. Im Vorjahr waren es noch 283 Beschwerden.


Aktuelle Verteilung der Beschwerden auf die Versicherungssparten


Die Beschwerdestatistik für 2019 wird von der Lebensversicherung mit 3.683 Beschwerden angeführt. An zweiter Stelle liegt die Rechtsschutzversicherung mit 3.561 Beschwerden. Im Vorjahr lag die Rechtsschutzsparte noch mit 4.146 Anträgen an erster Stelle, während die Lebensversicherung mit 3.694 Beschwerden den zweiten Platz einnahm. Bei der Rechtsschutzversicherung ist im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Rückgang der Beschwerden zu verzeichnen, während die Zahl der Beschwerden in der Lebensversicherung ebenfalls geringfügig zurückgegangen ist. Die weitere Verteilung der Beschwerden auf die verschiedenen Sparten 2019 sieht folgendermaßen aus:

 

  1. Kfz-Haftpflichtversicherung 1.529 Anträge
  2. Kfz-Kaskoversicherung 1.432 Anträge
  3. Gebäudeversicherung 1.360 Anträge
  4. Allgemeine Haftpflichtversicherung 1.117 Anträge
  5. Hausratversicherung 747 Anträge
  6. Unfallversicherung 725 Anträge
  7. Berufsunfähigkeitsversicherung 487 Anträge
  8. Sonstige Sparten gesamt 1.212 Anträge.

 

Weiterhin lagen 507 spartenübergreifende Anträge vor. Bei 799 Anträgen befand sich die Sparte noch in Klärung.
 

Gründe für diese Entwicklung in der Rechtsschutzversicherung
 

Ein Grund für diese Entwicklung kann die Tatsache sein, dass sich am Ende des Jahres 2019 bei 799 Anträgen die Sparten noch in Klärung befanden. Die Zahl der noch in Klärung befindlichen Sparten ist im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig zurückgegangen. Ende 2018 lag die Zahl der Anträge mit noch in Klärung befindlichen Sparten bei 809.


Ein Jahresbericht über die Beschwerden für 2019 liegt noch nicht vor. Dieser Jahresbericht gewährt einen genaueren Einblick in die Gründe für die Beschwerden. Im Jahr 2018 waren gemäß dem Jahresbericht die Beschwerden gegen die Rechtsschutzversicherung vorrangig in Deckungsablehnungen der Rechtsschutzversicherer für die Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprüche gegen Facebook begründet.

 

Ein weiterer Grund für die Beschwerden in der Rechtsschutzversicherung 2019 war die Deckungsablehnung öffentlich-rechtlicher Ansprüche gegen die Bundesrepublik Deutschland im Zusammenhang mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG). Die Bundesrepublik soll Rechte der Nutzer von Facebook verletzt haben. Die inzwischen erfolgte Schließung verschiedener Sicherheitslücken bei Facebook kann ein Grund für den Rückgang der Beschwerden in der Rechtsschutzversicherung im Jahr 2019 sein. Auch die Zahl der Beschwerden gegen Vermittler und Berater bei der Rechtsschutzversicherung ging im Vergleich zum Vorjahr zurück. Lagen 2018 noch 13 Beschwerden vor, ist die Zahl im Jahr 2019 auf 10 zurückgegangen.
 

Lebensversicherung 2019 auf dem Spitzenplatz
 

Die Lebensversicherung nimmt 2019 in der Beschwerdestatistik zwar den Spitzenplatz ein, doch ist die Zahl der Beschwerden, verglichen mit dem Vorjahr, insgesamt von 3.694 auf 3.683 zurückgegangen. Die Beschwerden richten sich bei der Lebensversicherung in erster Linie gegen das Versicherungsunternehmen selbst. Die Zahl der Beschwerden gegen Vermittler und Berater ist gegenüber dem Vorjahr von 101 auf 100 zurückgegangen. Laut Jahresbericht 2018 haben sich die Themenschwerpunkte bei den Beschwerden in der Lebensversicherung kaum verändert. Am häufigsten handelt es sich um Beschwerden gegen die Zurückweisung von Widersprüchen und Rücktritten gegen die Versicherer.

 

Weniger Beschwerden auch in anderen Sparten

 

Nicht nur in der Rechtsschutz- und Lebensversicherungssparte ist gegenüber 2019 ein Rückgang der Beschwerden zu erkennen. Auch in anderen Versicherungssparten wie der Kfz-Haftpflichtversicherung, der Unfallversicherung, der Hausratversicherung, der Gebäudeversicherung und der allgemeinen Haftpflichtversicherung ist gegenüber 2019 ein Rückgang zu verzeichnen. Ein leichter Anstieg der Beschwerdezahl liegt hingegen in der Kfz-Kaskoversicherung im Vergleich zum Vorjahr vor.


Die Zahl der abgewiesenen Beschwerden ist gegenüber dem Vorjahr ebenfalls zurückgegangen. Aus dem Tätigkeitsbericht des Versicherungsombudsmanns gehen auch die Gründe für die Ablehnung hervor. In den meisten Fällen bestand kein versicherungsvertraglicher Anspruch. Ein weiterer Grund ist die fehlende Weiterverfolgung durch den Beschwerdeführer.

 

Bild von TPHeinz auf Pixabay



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