Niedrigzinsniveau Null Prozent Dispozinsen: gibt es das wirklich? - Echter Vorteil für Sparer oder versteckte Gebührenfalle?

06.02.2020, 14:31  |  3095   |   |   

Absurd hohe Dispo-Zinssätze für private Girokonten, obwohl der Leitzins im Euroraum bei null Prozent liegt. Nicht so bei der Skat Bank (VR-Bank Altenburger Land eG) und der GLS Bank: Sie bieten private Girokonten, deren Dispo-Zinssatz aktuell bei 0,00 Prozent liegt. Allerdings sind die Kontoführungsgebühren relativ hoch. wallstreet:online hat bei beiden Banken nachgefragt.

Raik Romisch, Vorstand bei der VR-Bank Altenburger Land eG, erklärte exklusiv gegenüber wallstreet:online: „In diesem Kontomodell bieten wir unseren Direktbank-Kunden die Inanspruchnahme eines Dispokredites bis 2.500,00 EUR für eine Flatrate von aktuell 7,50 EUR monatlich an. Der Festpreis beinhaltet dabei sowohl die Buchungsentgelte, die SkatbankCard (GiroCard) und die Skatbank-MasterCard als auch die Kosten für den Dispokredit.

Das Angebot richtet sich an Kunden, die einen festen Betrag für die Kontoführung und die Kontokorrentkredit-Inanspruchnahme - und in diesem Sinne eine entsprechende vollständige Kostenkontrolle - einer taggenauen Abrechnung der Sollzinsen vorziehen.“

Gegenüber wallstreet:online sagte Dirk Kannacher, Vorstand bei der GLS Bank: „Bereits im Jahr 2016 mit Einführung des GLS Beitrages haben wir uns dazu entschieden, auf die Veränderung in der Finanzierung des Bankgeschäftes hinzuweisen. Volkswirtschaftlich gesehen ist zu viel Geld im Umlauf. Der Zinssatz, als Preis des Geldes, liegt im Markt für kurzfristige Geldanlagen schon längere Zeit bei null Prozent, für höhere Geldanlagen sogar im Minus. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs darüber, welchen Preis die Leistung einer Bank hat - ein Girokonto ist nicht kostenfrei. Die Banken lassen sich die fehlende Kontoführungsgebühr bspw. über den erhöhten Dispozins bezahlen. Das passt nicht zu unserem Anspruch von Transparenz und Fairness. Deswegen haben wir uns für eine Kontoführungsgebühr entschieden, die sich an unseren Kosten orientiert.“

Bei der auf Nachhaltigkeit spezialisierten GLS Bank beträgt die monatliche Kontoführungsgebühr 3,80 Euro (für Kunden ab 28 Jahren). Zusätzlich fallen jährlich der sogenannte „GLS Beitrag“ in Höhe von 60 Euro sowie 15 Euro für Ausgabe einer Debitkarte an. Insgesamt kostet das GLS Bank Girokonto also rund 120 Euro pro Jahr. Dafür verspricht die GLS Bank mit den Einlagen ihrer Kunden nur Kredite an nachhaltige Branchen und Unternehmen zu vergeben. Und: Der Dispo-Zinssatz beträgt aktuell 0,00 Prozent bis zu einem Kreditrahmen von 10.000 Euro (Die Höhe des eingeräumten Kreditrahmens ist bonitätsabhängig). Für Kunden unter 18 Jahren ist das Konto kostenlos und Kunden zwischen 18 und 27 Jahren müssen lediglich einen Euro „GLS Beitrag“ zahlen, alle anderen Gebühren für das Girokonto entfallen. Wer der Genossenschaft beitritt, erhält zudem Sonderkonditionen.

Im Jahr 2019 lag der durchschnittliche bundesweite Dispozins bei 9,68 Prozent, so das Verbrauchermagazin Finanztest der Stiftung Warentest. Die Verbraucherschützer halten einen Dispozins von acht Prozent für „noch akzeptabel“. Kunden sollten aber auch durchrechnen, ob sich für sie ein kostenloses Girokonto mit hohem Dispo-Zinssatz oder ein gebührenpflichtiges Girokonto mit einem Zinssatz von 0,00 Prozent rechnet, rät Finanztest.

Autor: Ferdinand Hammer



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