Anlagetrend Mega-Boom bei Indexfonds: „Aktive Portfoliomanager müssen beweisen, dass sie ihr Geld wert sind“

11.02.2020, 14:08  |  13099   |   |   

Immer mehr Anleger in Europa investieren in passiv verwaltete Fonds: 2019 floss die Rekordsumme von 170 Milliarden Euro in solche Finanzprodukte. Davon entfielen allein 103 Milliarden Euro auf börsengehandelte Indexfonds (ETFs), berichtete das Handelsblatt am Sonntag. Wie schätzen Experten den ETF-Boom ein?

Vermögensverwalter wie Lyxor Asset Management, der drittgrößte ETF-Anbieter Europas, profitieren besonders durch den europäischen ETF-Boom. Gegenüber wallstreet:online sagte Thomas Meyer zu Drewer, Managing Director bei Lyxor Asset Management Deutschland: „Im April 2020 jährt sich zum 20. Mal die Einführung von ETFs in Europa. Die 1.000 Milliarden Euro-Marke an in ETFs verwaltetem Vermögen dürfte in diesem Jahr ebenfalls fallen und die Wachstumsrate von 15 Prozent p.a. anhalten. Besonders erfreulich dabei: Es gibt bereits weit über eine Million ETF Sparpläne. Ein sehr guter Weg, auch schon mit kleinen Summen regelmäßig und preisgünstig langfristig Vermögen aufzubauen.“

Beim deutschen Vermögensverwalter DWS, dem zweitgrößten ETF-Anbieter Europas, ist man über den ETF-Boom wenig überrascht und betont die Langfristigkeit des Booms. Eric Wiegand, Leiter Vertriebsstrategie Xtrackers ETFs Europa und Asien bei DWS, erklärte exklusiv gegenüber wallstreet:online: „Die hohen Zuflüsse im europäischen ETF-Markt 2019 und Anfang 2020 sind erfreulich, aber nicht außergewöhnlich – der ETF-Boom hält in der aktuellen Dynamik schon seit mehr als zehn Jahren an. Alle drei bis vier Jahre haben sich die verwalteten ETF-Assets in Europa seitdem verdoppelt. Das zeigt, dass die Entwicklung keine Eintagsfliege ist, sondern über eine sehr breite Basis verfügt. Hohe Zuflüsse kommen zum Beispiel von Versicherungen und Pensionsfonds, die ihre Anlage auf passive Strategien umstellen, oft auf Basis von ESG-Indizes. Dazu entdecken immer mehr Privatanleger den Reiz von ETF-Sparplänen.“

Doch es gibt auch Kritiker des „Passiv-Booms“. Ein häufigeres Argument der Kritiker: Die Börse brauche aktive Investoren, die auf Grundlage von Unternehmensergebnissen entweder in- oder desinvestiere. Nur so könne die Preisfindung an den Kapitalmärkten korrekt funktionieren. Durch den ETF-Boom würden sich die Kurse an den Börsen bereits mehr als früher im Gleichklang bewegen. Tatsächlich kommt eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs, aus der die Tageszeitung die Welt im Juni 2019 zitiert, zu dem Ergebnis, dass die „Informationsfunktion des Preises“ am Kapitalmarkt durch den Boom passiver Fonds bereits leide.

Jörg Schmidt, Leiter Multi Management & Portfolio Construction bei Union Investment, vertritt eine eher gemäßigte Position in Bezug auf ETFs. Gegenüber wallstreet:online erklärte er: „ETFs haben ihre Berechtigung, und auch wir setzen diese in manchen unserer Produkte aus Effizienzgründen ein. Aus unserer Sicht können ETFs aber immer nur ein Einzelbaustein und kein Lösungskonzept für die Vermögensanlage des Kunden sein. Nur ein aktiver Fonds bietet die Chance auf eine Outperformance gegenüber einem Index. Nur wenn Sie die Möglichkeit haben zu investieren bzw. zu de-investieren können Sie ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen. Unsere langfristige Outperformancequote und das Vertrauen unserer Kunden geben uns hierbei recht.“

Eine ähnliche Position vertritt auch Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Gegenüber der Redaktion von wallstreet:online sagte er: „Prinzipiell spricht derzeit nichts gegen ein ETF-Investment. Es ist vielmehr so, dass durch passive Fonds das Anlagegeschäft ganz erheblich belebt wird, da aktive Portfoliomanager beweisen müssen, dass sie ihr Geld wert sind.

Der große Mehrwert des aktiven Managements bleibt allerdings die Festlegung einer individuell auf den Kunden zugeschnittenen Asset Allokation. Ob diese aktiv oder passiv abgebildet wird, ist dann wiederum eine andere Frage. Eine Berechtigung haben beide Anlagestile und weder der eine noch der andere ist besser oder schlechter bzw. richtig oder falsch.“

Autor: Ferdinand Hammer



Broker-Tipp*

Über Smartbroker, ein Partnerunternehmen der wallstreet:online AG, können Anleger für vier Euro pro Order Wertpapiere erwerben: Aktien, Anleihen, 18.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag, ETFs, Zertifikate und Optionsscheine. Beim Smartbroker fallen keine Depotgebühren an. Der Anmeldeprozess für ein Smartbroker-Depot dauert nur fünf Minuten.

Smartbroker bietet auch ETF-Sparpläne an. HIER erfahren Sie mehr dazu.

* Wir möchten unsere Leser ehrlich informieren und aufklären sowie zu mehr finanzieller Freiheit beitragen: Wenn Sie über unseren Smartbroker handeln oder auf den Produkt-Link klicken, wird uns das vergütet.



 



Diesen Artikel teilen
Mehr zum Thema
Klicken Sie auf eines der Themen und seien Sie stets dazu informiert. Mehr Informationen hier.
SmartbrokerIndexfondsEuroAnleihenOptionsscheine


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel