Die Frau in der kasachischen Politik

Gastautor: Martin Brosy
14.02.2020, 09:54  |  245   |   |   

Frauen in hohen Positionen der Politik und Wirtschaft werden im westlichen Kulturkreis mehr und mehr zur Normalität. In den Ländern Zentralasiens sind sie nach wie vor ein seltenes Phänomen. In Kasachstan ist dies jedoch anders. Mit Dariga Nazarbayeva steht dort eine Frau an der Spitze des Senats, welche in mancherlei Hinsicht eine Vorbildrolle einnimmt.

Regionale Vorbildrolle in Zentralasien

Die gesellschaftlichen Rollen von Mann und Frau waren, ebenso wie in Europa, auch in Zentralasien lange Zeit durch traditionelle Vorstellungen geprägt. Zwar gab es in der Sowjetzeit einige progressive Vorstöße zur Verbesserung der beruflichen Stellung der Frau. So war die Gleichstellung von Mann und Frau gesetzlich geregelt und es wurden Neuerungen wie die Einführung eines Mutterschaftsurlaubes und die staatliche Bereitstellung von Kinderkrippen umgesetzt. Im Zuge des Zusammenbruches der Sowjetunion zu Beginn der neunziger Jahre und der vielerorts folgenden Rezessionen wurden jedoch insbesondere die weiblichen Teile der Bevölkerung aus dem Arbeitsmarkt verdrängt und die traditionellen Auffassungen der Geschlechterrollen erlebten einen erneuten Aufschwung. 

Nicht so jedoch in Kasachstan. Dem Binnenstaat am kaspischen Meer ist insbesondere im Bezug zur Gleichberechtigung der Geschlechter eine regionale Vorreiterrolle zuzuschreiben. Bereits seit der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1991 ist die staatliche Politik darum bemüht, die rechtliche Stellung von Frauen zu verbessern. So war Kasachstan gemäß der Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen (UN Women) das erste zentralasiatische Land, welches eine nationale Stelle zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter ins Leben rief. Zudem liegt Kasachstan, was die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt anbelangt, mit 78% regional auf dem ersten Platz und Frauen haben sogar eine höhere Wahrscheinlichkeit als Männer, einen Hochschulabschluss zu absolvieren.

Zweitwichtigste Person des Landes

Das wohl prominenteste Beispiel für diese Entwicklungen ist in der Person von Dariga Nazarbayeva zu finden. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften an der Lomonossow-Universität in Moskau sowie der Kasachischen Nationalen Al-Farabi-Universität (ehemals Kasachische Staatliche Kirow-Universität) war die älteste Tochter des ehemaligen kasachischen Präsidenten zunächst als Unternehmerin tätig und durchlief später eine fast schon mustergültige politische Laufbahn. Von 2004 bis 2007 war sie als Abgeordnete im kasachischen Parlament vertreten und wurde rund zehn Jahre später zur Vize-Sprecherin des Mäschilis, des parlamentarischen Unterhauses von Kasachstan, gewählt und zugleich Fraktionschefin der regierenden Partei Nur-Otan. 2015-2016 wurde sie sodann zur stellvertretenden Premierministerin der Republik Kasachstan ernannt. Darauf folgte die Wahl in den Senat, wo sie zudem den Posten der Vorsitzenden des bedeutenden Komitees für internationale Angelegenheiten, Verteidigung und Sicherheit erhielt.

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