VARTA IM FOKUS Erst Börsenstar - jetzt gefallener Engel?

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
17.02.2020, 08:35  |  2850   |   |   

ELLWANGEN (dpa-AFX) - Der Batteriehersteller Varta hat nach seinem Höhenflug jäh merken müssen, dass Begeisterung an der Börse von kurzer Dauer sein kann. Im Dezember erst stieg das Unternehmen nach fulminanter Kursentwicklung in den MDax auf und war zum Jahresende dann auch dessen bester Wert. Doch das Blatt wendete sich - die Zukunftsaussichten sind nach Berichten über aufkommende chinesische Konkurrenz gar nicht mehr so rosig. Was beim Unternehmen los ist, was die Analysten sagen und wie die Aktie wieder deutlich nachgab.

DAS IST LOS IM UNTERNEHMEN:

Die starke Nachfrage nach wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Zellen hat Varta 2019 deutlich Schub verliehen. Die Batterien werden unter anderem für die stark nachgefragten kabellosen Kopfhörer benötigt, aber auch für das Wachstumsfeld mit Hörgeräten.

Der Markt für Varta wächst rasant, laut Unternehmensangaben jährlich um über 30 Prozent. "Wir stehen am Anfang eines großen Booms bei den Lithium-Ionen-Batterien für kabellose Kopfhörer, von dem wir am stärksten profitieren", sagte Unternehmenschef Herbert Schein im September. Varta geht für dieses Jahr von einem Marktanteil von mindestens 50 Prozent bei Batterien für schnurlose Kopfhörer aus - weltweit.

Um den steigenden Bedarf zu decken baut Varta seine Produktionskapazitäten derzeit stark aus. Bis Ende des Jahres 2021 sollen über 200 Millionen Zellen jährlich produziert werden. Bis Mitte dieses Jahres will Varta die Produktion bereits auf das Niveau von mindestens 100 Millionen Zellen jährlich hochfahren. Dafür nimmt das Unternehmen viel Geld in die Hand. Eine Kapitalerhöhung für neue Anlagen im vergangenen Jahr wurde entgegen der üblichen Börsenarithmetik sogar so positiv aufgenommen, dass der Aktienkurs stark anstieg.

Varta gehört zudem zu mehreren Unternehmen, die von einer Milliardenförderung für die europäische Batteriezellfertigung profitieren könnten. Bei Varta gehe es um die Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Technologie und dabei um die Entwicklung sogenannter Silizium-dominierter Anoden. Diese neue Technologie solle in die Massenproduktion überführt werden - sowohl für bestehende als auch für größere Zellenformate, die zum Beispiel für Elektroautos genutzt werden könnten.

Doch die Wachstumsstory des Unternehmens hat zuletzt einen deutlichen Kratzer bekommen. Varta fürchtet Patentverletzungen durch chinesische Nachahmer und will rechtlich gegen diese vorgehen. Hintergrund ist, dass laut Unternehmensangaben im Dezember Geräte mit Batterien chinesischer Hersteller auftauchten, die Varta-Patente verletzten. Die Aktie brach im frühen Januar auf erste Berichte hin deutlich ein.

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