Abgasskandal 2.0 - Befindet sich die Automobilbranche vor dem größten Beben der Neuzeit? (FOTO)

Nachrichtenagentur: news aktuell
17.02.2020, 14:45  |  398   |   |   
Köln (ots) - "Ein Billionenschaden und hunderte Millionen weitere betroffene
Fahrzeuge im Abgasskandal stehen der Autoindustrie bevor", davon ist Ulf Böse
überzeugt. Der Rechtsanwalt und geschäftsführende Partner von Decker & Böse,
einer der bundesweit führenden Kanzleien im Abgasskandal, prophezeit der
Autobranche das größte Beben der Neuzeit: "Dagegen war der bisher bekannte
Abgasskandal nichts."

Auffällige Abgasmesswerte bei 29 Autoherstellern und 139 Modellen

Mindestens 29 Autohersteller und 139 Modelle weisen aktuell auffällige
Abgaswerte auf. Messungen, die eine Manipulation vermuten lassen, betreffen
erneut den Volkswagenkonzern, aber auch Daimler, BMW, Opel, Renault, Volvo,
Ford, Hyundai, Kia, Peugeot, Citroen, Toyota und Nissan. Die Abgasmessungen
wurden vom ADAC und der Deutschen Umwelthilfe durchgeführt. Überraschend sind
dabei die sehr unterschiedlichen Reaktionen der Hersteller und des
Kraftfahrtbundesamtes (KBA) auf die Messwerte. Während beispielsweise Opel und
Daimler sich teilweise für freiwillige Rückrufe zur Nachrüstung entschieden
haben, haben andere Hersteller bis heute noch gar nicht reagiert. Nur in einigen
dieser Fälle hat das KBA bereits einen verpflichtenden Rückruf für auffällige
Fahrzeuge im Zuständigkeitsbereich des KBA angeordnet.

Klare Überschreitung erlaubter Grenzwerte - Einhaltung nur mit Betrug zu
erklären

Die Überschreitungen der zulässigen Abgasmesswerte reichen je nach Modell von
circa 10 Prozent bis zu einem Vielfachen der erlaubten Grenzwerte.
Verbraucherschützer sind sich bereits seit Monaten einig, dass die klaren
Überschreitungen im Vergleich zu den Herstellerangaben nur mit Betrugsabsicht
der Autohersteller zu erklären sind. Experten sprechen dabei vom Einbau eines
illegalen Thermofensters, wodurch die Abgasmessungen auf dem Prüfstand im
Vergleich zum realen Fahrbetrieb vorsätzlich manipuliert werden. Das Fahrzeug
stößt mit eingebautem Thermofenster nur bei bestimmten Temperaturen weniger
Abgase aus als erlaubt, sodass die Abgaswerte bei anderen Temperaturen deutlich
höher liegen als angegeben. Ziel der Autohersteller ist dabei, das Fahrzeug mit
den niedrigen Messwerten als besonders umweltschonend anpreisen zu können,
obwohl der tatsächliche Abgasausstoß die Grenzwerte deutlich überschreitet.

Dieselskandal 2.0 - Erfolge für Verbraucher vor Gericht

Nach Aufdeckung des Dieselskandals 1.0 im Oktober 2015 lässt sich auch der
Dieselskandal 2.0 mit Blick auf die aktuelle Rechtsprechung nicht mehr unter den
Tisch kehren. Tausende weitere Gerichtsverfahren gegen Autohersteller wie VW und
Daimler enden für betrogene Käufer sehr positiv. Die Gerichte entscheiden
entweder für die klagenden Käufer oder die Hersteller wollen einen Vergleich
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