Exklusiv-Interview mit Indus-Manager Johannes Schmidt Wie geht's dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, Herr Schmidt? - „Wir haben es nicht mit einer generellen Krise zu tun“

18.02.2020, 11:51  |  2227   |   |   

Smart Investor spricht mit Dr. Johannes Schmidt (Foto), dem Vorstandsvorsitzenden der INDUS Holding AG, über die Stimmung im deutschen Mittelstand, die Probleme des Jahres 2019 und den Blick der Börse.

Smart Investor: Herr Dr. Schmidt, spiegelt sich – etwas überspitzt formuliert – in der Indus-Gruppe der deutsche Mittelstand?

Dr. Johannes Schmidt: Wir fühlen uns durch und durch als Mittelstand und dort insbesondere als Teil des produzierenden Mittelstands. Unsere Unternehmen stellen zumeist Produkte her, die man anfassen kann. Auch von unserer Branchenaufstellung kommen wir der deutschen Industrie in dieser Hinsicht sehr nahe. Dabei basiert unsere Definition eines mittelständischen Unternehmens auf einem Jahresumsatz zwischen 10 Mio. und 100 Mio. EUR. Natürlich gibt es auch weitaus größere Mittelständler, die zum Teil Milliardenerlöse erwirtschaften.

Smart Investor: Wie geht es den Unternehmen hierzulande? Wichtige Branchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau dominierten zuletzt die Schlagzeilen mit meist eher negativen News.

Schmidt: Man muss die Lage in jedem Fall sehr differenziert betrachten. Zumindest nach unserer Wahrnehmung haben wir es nicht mit einer generellen Krise zu tun. Es stimmt, dass die Automobilindustrie und in Teilen auch der Maschinenund Anlagenbau derzeit ein tiefes Tal durchläuft. Hinzu kommt die Umstellung auf Elektromobilität. Für andere Branchen, wie den Bau, war 2019 hingegen ein absolutes Rekordjahr. Das merken wir auch bei unseren Beteiligungen. Das für uns ebenfalls wichtige Segment Metalltechnik bietet ein gemischtes Bild. Besser läuft es dort, wo man nicht so sehr an der Automobilkonjunktur hängt.



Smart Investor: Im Herbst mussten Sie Ihre Prognose zurücknehmen. Welches Fazit ziehen Sie unter den vergangenen zwölf Monaten?

Schmidt: Das Jahr 2019 hat wieder einmal die Stärke unserer Diversifikation unter Beweis gestellt. Diese wird sich am Ende auch im Geschäftsbericht zeigen. Selbstkritisch gilt es, anzumerken, dass wir bis zum zweiten Quartal die Entwicklung im Bereich Fahrzeugtechnik falsch eingeschätzt haben. Der deutliche Rückgang bei den Produktionszahlen – insbesondere ab August – wurde von uns in dieser Dramatik nicht erwartet. Dagegen konnte das Segment Bau/Infrastruktur unsere Erwartungen klar übertreffen. Zufrieden sind wir auch mit unseren Beteiligungen im Maschinen- und Anlagenbau. Da wir hier wiederum relativ wenig im Werkzeugmaschinenbau tätig sind, waren wir von der konjunkturellen Eintrübung kaum betroffen. Unser Geschäft ist eher spätzyklisch, was man dann vermutlich 2020 sehen wird. Die Medizintechnik wurde erneut ihrem Ruf als solide Wachstumsbranche gerecht.

Smart Investor: Sie waren gezwungen, in der Fahrzeugtechnik Abwertungen von über 12 Mio. EUR vorzunehmen. Drohen bei einer Fortsetzung der Flaute womöglich neue Wertberichtigungen oder ist die Bilanz damit „sauber“?

Schmidt: Es ist schon heute absehbar, dass auch 2020 ein schwieriges Jahr für die gesamte Branche werden dürfte. Die Durststrecke im Automotive-Bereich wird so schnell nicht vorüber sein. Dieses haben wir aber bereits in unseren sehr konservativen Planungen berücksichtigt, sodass ich zum heutigen Zeitpunkt keinen weiteren Wertberichtigungsbedarf sehe. Sollte sich die Lage noch einmal deutlich verschlechtern, müsste man eine Neubewertung vornehmen.

Smart Investor: Inwieweit sind Ihre Beteiligungen auf Trends wie Elektromobilität und CO2-Vermeidung vorbereitet?

Schmidt: Beides spielt für uns schon länger eine wichtige Rolle. Vor allem bei Neuaufträgen ist E-Mobilität ein großes Thema. Ein Beispiel sind in diesem Zusammenhang Leitungen für Klimasysteme. Im Bereich Klimatechnik konnte unsere Beteiligung AUROR A einen Großauftrag akquirieren. Dieser betrifft die Produktion von Klimasystemen für Elektrobusse.

Smart Investor: Vor allem der Bereich Bau/Infrastruktur glänzt in puncto Profitabilität. Ist hier das Margenpotenzial aber nicht allmählich ausgeschöpft?

Schmidt: 2019 passte in diesem Segment wirklich alles. Das betraf sowohl die Marktseite als auch die Unternehmen selbst. In der Raumklimatechnik profitierten wir z.B. von dem extrem heißen Sommer. Klimageräte waren zeitweise überall ausverkauft. Auch ein Großauftrag zum Aufbau eines Glasfasernetzes in Nordhessen wird sich in dieser Form nicht jedes Jahr wiederholen lassen. Man sollte daher die Entwicklung insbesondere bei der Marge nicht eins zu eins fortschreiben. Dennoch erwarte ich 2020 wieder ein gutes Jahr für unser Bau/ Infrastruktur-Geschäft.

Smart Investor: Vergangenes Jahr haben Sie zwei kleinere Firmen übernommen und eine Minderheitsbeteiligung verkauft. Sehen Sie weitere Chancen für M&A-Deals in den nächsten Monaten?

Schmidt: Es ist zunächst etwas schade, dass die zuletzt getätigten Zukäufe am Markt nicht so recht wahrgenommen wurden. 2020 werden wir aber erneut als Käufer auftreten – so viel kann ich versprechen. Hinzu kommt der Kauf weiterer Anteile an drei Portfoliounternehmen, wo die Altgesellschafter ausscheiden werden. Hierfür haben wir bereits 20 Mio. EUR eingeplant.

Smart Investor: Per Saldo entwickelte sich die Indus-Aktie seit Anfang 2019 seitwärts, während der Gesamtmarkt doch deutlich zulegen konnte. Über die Gründe haben wir gesprochen. Was könnte Anleger zum jetzigen Zeitpunkt von einem Investment überzeugen?

Schmidt: Zunächst glaube ich schon, dass 2019 die Bären in unserer Aktie unterwegs waren und das Risiko des Automobilgeschäfts alles andere dominierte. Daran sind wir jedoch selbst nicht unschuldig: Auch wir haben uns in der Öffentlichkeitsarbeit doch sehr auf dieses Segment fokussiert und andere Bereiche vielleicht etwas vernachlässigt. Das wollen wir ändern. Aus Gesprächen mit vielen Investoren weiß ich, dass unsere Qualitäten durchaus geschätzt werden. Wir bieten Substanz und eine seit vielen Jahren attraktive Dividende.

Smart Investor: Herr Dr. Schmidt, wir bedanken uns vielmals für Ihre klaren Worte und wünschen Ihnen viel Erfolg im Jahr 2020!

Das Interview führte Marcus Wessel, Smart Investor

Über INDUS Holding
Die in Bergisch Gladbach bei Köln ansässige Indus Holding AG erwirbt langfristige Unternehmensbeteiligungen an klassischen Mittelständlern aus verschiedenen Branchen wie der Bauund Infrastrukturwirtschaft, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Medizin- und Gesundheitstechnik sowie dem Automobilzuliefererbereich. Genau die Fahrzeugtechnik belastete 2019 die Entwicklung der gesamten Indus-Gruppe infolge einer ausgesprochen schwachen Automobilkonjunktur. Im vergangenen Herbst musste der Vorstand daraufhin zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres die Gewinnerwartungen zurücknehmen. Zudem gab er eine außerplanmäßige Abschreibung auf den Goodwill sowie auf Sachanlagen im Wert von 12,5 Mio. EUR bekannt.

Unter Berücksichtigung dieser nicht-zahlungswirksamen Wertminderung sei ein EBIT zwischen 116 Mio. und 122 Mio. EUR zu erwarten, so Indus. Diese Prognose beinhaltet jedoch bereits einen Gewinn in Höhe von fast 17 Mio. EUR aus dem Verkauf einer Beteiligung. Beim Umsatz erwartete Indus bis zuletzt ein leichtes Wachstum auf 1,72 Mrd. bis 1,77 Mrd. EUR (Vj.: 1,71 Mrd. EUR). Dieses Plus dürfte sowohl auf die hohe Dynamik im Bereich Bau/Infrastruktur als auch auf die gute Entwicklung im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Medizintechnik zurückgehen. Im Einklang mit der eigenen Investitionsstrategie schloss Indus 2019 zwei kleinere Zukäufe (DSG und MESUT-RONIC) erfolgreich ab. Der Börsenwert der Rheinländer betrug zuletzt knapp 950 Mio. EUR.

(Dieses Interview aus der Smart Investor-Ausgabe 02/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 17.01.2020 erfasst wurden.)

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