Interview mit dem Smartbroker-Chef Thomas Soltau: Wir müssen "Otto Normalverbraucher" für Wertpapiere begeistern

03.03.2020, 11:36  |  21829   |   |   

Mit dem Online-Broker Smartbroker will wallstreet:online capital nicht nur günstigen Aktienhandel anbieten, sondern auch die hiesige Aktienkultur nachhaltig stärken.

GoingPublic: Herr Soltau, seit Ende Dezember 2019 ist der Smartbroker auf dem Markt. Erklären Sie uns doch bitte kurz die Idee dahinter.

Soltau: Gerne! Für mich ist der Smartbroker die nächste Entwicklungsstufe in einer Reihe von Kapitalanlageprodukten. Nehmen wir zum Beispiel FondsDISCOUNT.de. Als wir damit vor 20 Jahren gestartet sind, waren wir Vorreiter der Branche. Wer einen Fonds kaufen wollte, musste zu seiner Hausbank gehen, sich beraten lassen und dafür satte Gebühren bezahlen. Wir glauben aber fest daran, dass es genügend private Anleger gibt, die ihre Investitionsentscheidung selbstständig treffen wollen. Als unabhängiger Fondsvermittler können wir diesen Menschen deutliche Preisvorteile gegenüber Banken und Sparkassen bieten. Wir arbeiten hier nach dem Motto: unkompliziert, fair und transparent. Diesen Ansatz haben wir auch auf den Smartbroker übertragen und gleichzeitig das Angebot erweitert: FondsDISCOUNT.de ist – wie der Name bereits sagt – auf die Vermittlung von Fonds ausgerichtet. Mit dem Smartbroker sprechen wir nun auch Aktien-, Anleihen und Zertifikatshändler an.

GoingPublic: Wer ist Ihre konkrete Zielgruppe?

Soltau: Der Smartbroker ist für Jedermann gedacht, insofern richten wir uns an alle: vom kleinen Fondsanleger bis hin zum professionellen Trader.

GoingPublic: Wie heben Sie sich von anderen Online-Brokern am Markt ab?

Soltau: Wir vereinen das Angebot eines Full-Service-Brokers mit den Konditionen eines Low-Budget-Brokers. Bisher hatten Kunden die Wahl zwischen teuer oder mieser Auswahl. Mittlerweile haben zum Glück die meisten Anleger erkannt, dass sie die gleiche Aktie auch für den Bruchteil des Preises handeln können. Doch gerade bei den vermeintlich günstigen Brokern sollte man genau hinsehen. Was auf den ersten Blick verlockend klingt, bedeutet oft eine deftige Gebührenerhöhung nach ein paar Monaten. Meist sind diese Sonderkonditionen nur befristete Aktionen – wir bieten unseren Kunden nicht nur dauerhaft günstige Preise, sondern arbeiten bereits an der nächsten Gebührensenkung.

GoingPublic: Wo liegen weitere Alleinstellungsmerkmale, unabhängig von den Gebühren?

Soltau: Lassen Sie uns auch über Service reden: Einer unserer Mitbewerber unterstreicht immer wieder, wie niedrig seine Gebühren doch seien. Das mag sogar stimmen, dafür können die Kunden bei diesem Anbieter nur an einem Handelsplatz traden. Beim Smartbroker bieten wir dagegen alle deutschen Börsen und Wertpapier-Arten an. Aus Erfahrung wissen wir, wie wichtig den Kunden verschiedene Wahlmöglichkeiten sind, zumal dadurch keine Abhängigkeit zu einem einzelnen Börsenplatz entsteht.

GoingPublic: In Zeiten von Nullzinsen bzw. sogar Strafzinsen scheinen Investments am Aktienmarkt unumgänglich zu sein. Wie erklären Sie sich, dass insbesondere Privatanleger den Kapitalmarkt so sehr scheuen?

Soltau: Die Deutschen scheinen tatsächlich besonders misstrauisch gegenüber Aktien zu sein. In einer sehr interessanten Studie kam heraus, dass 42 Prozent der Umfrageteilnehmer das Wort „Aktie“ mit „Spekulation“ und ebenso viele mit „Risiko“ verbinden. Nur 9 Prozent dachten an einen positiven Begriff wie „Gewinn“. Und nur 1 Prozent der Befragten assoziierte „Reichtum“. Wir sprechen hier also vor allem von einem psychologischen Problem. Wenn man der Forschung glauben darf, sind die Deutschen in besonderem Maße bereit, niedrigere Erträge in Kauf zu nehmen, so lange mit Sicherheit mit einem bestimmten Ergebnis gerechnet werden kann.

GoingPublic: Was könnte man Ihrer Meinung nach tun, um die Aktienkultur stärker zu fördern?

Soltau: Trading muss so einfach wie möglich werden. Das ist auch unser Anspruch an den Smartbroker. Dazu gehören auf Produktseite in erster Linie ein faires Preismodell, eine übersichtliche Nutzeroberfläche und eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wir wollen künftig verstärkt Börsen-Einsteiger ansprechen und wenn nötig auch an die Hand nehmen. Gerade die etablierten Banken kommunizieren aus meiner Sicht an den meisten Kunden vorbei. Wenn wir uns aber mal den Aktienmarkt anschauen, stellen wir fest, dass sich die meisten Papiere in wenigen Händen befinden und es sich dabei meistens um Menschen mit hohem Einkommen handelt. Wir können die Aktienkultur nur dann nachhaltig stärken, wenn wir es als Branche schaffen, auch den „Otto Normalverbraucher“ für Wertpapiere zu begeistern. Hier sehe ich auch den Staat in der Pflicht: Abiturienten verlassen nach 13 Jahren die Schule, haben aber im Unterricht noch nie etwas über den Börsenhandel gehört. Stattdessen werden Jugendliche im Glauben gelassen, dass die Renten sicher seien. Die skandinavischen Staaten verfahren hier völlig anders und fördern Fondsanleger im Rahmen der Altersvorsorge. Allein der norwegische Staatsfonds besitzt 1,4 Prozent des Weltaktienmarktes. Jeder Einwohner des kleinen Landes verfügt dadurch rechnerisch über ein Vermögen von circa 200.000 Euro. Daran sollte sich die Deutsche Rentenversicherung dringend ein Beispiel nehmen!

GoingPublic: Einige Online-Broker haben in der jüngsten Vergangenheit ihre Gebühren deutlich erhöht. Welche Preispolitik betreiben Sie bei Ihrem Smartbroker?

Soltau: Es scheint sich leider so etwas wie ein Trend zu höheren Gebühren abzuzeichnen. Die „WirtschaftsWoche“ hat erst vor wenigen Wochen mehrere Anbieter genau deshalb kritisiert. Warum sich die Mitbewerber zu diesen Schritten entschieden haben, kann ich aber im Einzelfall nicht sagen. Ich gehe jedoch davon aus, dass bestimmte Rechnungen einfach nicht mehr aufgehen. Wir haben beim Smartbroker von Anfang auf ein sehr günstiges Setup geachtet. Diese Preisvorteile können wir direkt an die Kunden weitergeben. Mittelfristig wollen wir die Gebühren sogar weitestgehend abzuschaffen.

GoingPublic: Herr Soltau, vielen Dank für die interessanten Einblicke. 

Das Interview führte Svenja Liebig für das GoingPublic-Magazin. Wir danken der Redaktion für die freundliche Erlaubnis, den Text auf wallstreet-online.de unentgeltlich veröffentlichen zu dürfen.

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5 Kommentare

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Kommentare

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04.03.20 07:53:51
In einem Gemeinwesen, welches wie aus dem Nichts Dieselfahrverbote erlassen kann, sollte der Otto-Normalbenzinverbaucher besser die Finger von Aktien lassen und die minimalen Inflations- bzw. Strafzinsverluste hinnehmen.
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04.03.20 02:17:27
wir müssen "Otto Normalverbraucher" für Steuern begeistern.......

das kommt dem ganzen näher.
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03.03.20 14:00:58
Wir müssen "Otto Normalverbraucher" für Wertpapiere begeistern......
und zum Spielball der Finanzjongleure machen ;)
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03.03.20 12:01:53
Zitat von semipro: die Aktion

Aktion = Aktien
Sorry für eventuelle Tippfehler.
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03.03.20 11:58:01
"Wir können die Aktienkultur nur dann nachhaltig stärken, wenn wir es als Branche schaffen, auch den „Otto Normalverbraucher“ für Wertpapiere zu begeistern."

Ich finde es merkwürdig, dass gerade wenn es an den Aktienmärkten zu kriseln beginnt, viele wieder verstärkt nach dem "Otto-Normalverbraucher" rufen. Ich denke, da sucht das "smart money" dringend Leute, die Ihnen die Aktion abkaufen bevor diese Verlust machen müssen.
Aus meiner Sicht müssten diese Leute dann auch erstmal erklären, woher das Geld für diese Investitionen stammen soll. Bei dem niedrigen Medianvermögen (1) in Deutschland und Renten unterhalb des OECD-Durchschnitts (2). Sollen sich doch die "gut situierten" die Aktion lieber gegenseitig verkaufen.
Da bevorzuge ich es deutlich, noch vorsichtiger zu sein und meine aktienbasierten Investmens zu überdenken.

Quellen.
(1) https://www.stern.de/wirtschaft/geld/vermoegensschock--die-d…
(2) https://www.oecd.org/germany/PAG2017-DEU-DE.pdf

Disclaimer

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