Hartz IV Immer mehr ältere Arbeitslose verschwinden aus Statistik

Nachrichtenagentur: Redaktion dts
22.02.2020, 05:00  |  50685   |   |   
Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Immer mehr ältere Arbeitslose tauchen nicht mehr in der Statistik auf, weil sie mehr als zwölf Monate Hartz IV bezogen haben und ihnen in dieser Zeit kein regulärer Job angeboten worden ist. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, über die die Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" in ihren Samstagausgaben berichten. Demnach wurden 2019 im Jahresdurchschnitt 171.276 über 58-jährige Hartz-IV-Empfänger nicht mehr als arbeitslos gezählt.

Sie fallen unter eine Sonderregelung im Sozialgesetzbuch II, wonach Erwerbsfähige nach Vollendung des 58. Lebensjahres nicht mehr als arbeitslos gelten, wenn sie zuvor für mindestens zwölf Monate Grundsicherung für Arbeitssuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist. 2018 lag die Zahl derer, die unter die Sonderregelung fielen, bei im Schnitt 167.000. 2009 waren es noch 22.937 gewesen. Linken-Sozialexpertin Zimmermann sagte dem RND, die Arbeitslosigkeit Älterer werde künstlich klein gehalten. "Diese Sonderregel fügt sich in andere Statistikmaßnahmen zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit ein", so die Bundestagsabgeordnete. "Die Bundesregierung rechnet sich so die Zahlen schön." Einzelne Regelungen zur statistischen Erfassung, wie die Sonderregelung für Ältere, würden die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sogar konterkarieren: "Dass arbeitslose über 58-jährige Hartz-IV-Beziehende nach einem Jahr ohne Jobangebot automatisch nicht mehr als arbeitslos gelten, schafft Anreize zur Nichtförderung dieser Personengruppe."

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4 Kommentare

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Kommentare

Es wird von vielen Arbeitsmarktexperten ja schon lange bemängelt, dass in den vergangenen 20 Jahren immer mehr Kriterien eingeführt wurden, um Arbeitslose aus der Statistik fallen zu lassen. Das begann schon mit Schröders Arbeitsmarktreformen. Wenn man allein an die gewaltige Zahl von Arbeitslosen denkt, die in Schulungsmaßnahmen feststecken und nicht mehr erfasst werden. Deshalb ist es auch völlig unseriös, von dem "niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung" zu sprechen, wie es sehr gern in den Nachrichten gemacht wird. Das ist reine Propaganda - man könnte es auf neudeutsch auch als Fake-News bezeichnen -, denn damals galten völlig andere Kriterien. Würde man die Statistik nach den damaligen Kriterien führen, hätten wir heute 7 bis 10 Millionen Arbeitslose, also sogar noch leicht mehr, als in den 90er Jahren. Das weiß auch jeder Bürger, der etwas Ahnung hat. Aber die Nachrichten werden ja nicht für die Epistokratie gemacht, sondern für das "einfache Volk", um es dumm und abhängig zu halten, damit es weiter die "richtigen" Parteien wählt.
sobald ein Empfänger einen Tag krank geschrieben ist wird er auch nicht in der Statistik geführt (er steht dem Arbeitsmarkt ja nicht zur Verfügung) ... Alles Schönrederei und hat Null mit der Realität zu tun
Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, über die die Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" in ihren Samstagausgaben berichten.

Ich denke das sollte Quelle genug sein?! Es ist ja schon lange bekannt, dass die Zahlen schön gerechnet werden... wenn ich immer lese, die Arbeitslosenzahl sei gesunken, muss ich immer schmunzeln.

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