Die Grünen an der Macht

Gastautor: Rainer Zitelmann
25.02.2020, 20:34  |  6862   |   |   

Ansgar Graw, Die Grünen an der Macht. Eine kritische Bilanz. FinanzBuch Verlag, München 2020, 304 Seiten.

Dies ist eines der wichtigsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Der Autor kennt die Grünen aus nächster Nähe: Er hat mit allen wichtigen Politikern dieser Partei gesprochen, ihre Parteitage besucht und historische Dokumente gesichtet und analysiert. Er ist seit vielen Jahren bei der WELT für die Berichterstattung zu den Grünen zuständig.

Das Buch analysiert die heutigen Grünen, die man jedoch nicht verstehen kann, ohne ihre historische Entwicklung zu kennen – und auch darüber weiß der Autor bestens Bescheid. Es geht jedoch nicht nur um die Partei der Grünen, sondern um den grünen Zeitgeist. Denn, so Graw, in Deutschland herrsche ein „grüner Konformismus“, der politische Entscheidungen vorantreibe, sich aber nicht auf die Politik beschränke. „Nach der politischen Korrektheit hat sich eine ökologische Korrektheit entwickelt, die keinen geringeren Anspruch erhebt, als die Welt zu retten.“ (S. 9).

Ökomoralismus als Ersatzreligion

Graw kritisiert den „Ökomoralismus“, der „ersatzreligiöse Züge“ trage. „Abweichler“ werden aus der Gemeinde als „Leugner“ ausgeschlossen. „Er bietet gar ein ‚jüngstes Gericht’, nämlich den Klimawandel, der uns durch verheerende Unwetter, steigende Meeresspiegel und eine letztlich unbewohnbare Welt für unsere Sünden, den Konsumismus und die Gier bestrafen wird. Die Endzeit kommt!“ (S. 40).

Graw gehört nicht zu denen, die die These vom menschengemachten Klimawandel ablehnen. Aber er zeigt, dass Zahlen, wonach 97% oder gar 99,94% der Wissenschaftler eine einheitliche Meinung zu diesem Thema hätten, einfach nicht stimmen. Es geht nicht darum, ob Menschen einen Einfluss auf den Klimawandel haben, sondern darum, wie groß dieser Einfluss ist und wie gefährlich die Auswirkungen sind (S. 50). Und darüber gehen die Meinungen unter ernsthaften Forschern durchaus auseinander.

Vor allem: Es geht darum, wie man dem Problem beikommt. Graw räumt mit der Legende auf, die Grünen seien eine liberale oder marktwirtschaftlich orientierte Partei. Es gab einmal eine Phase, in der es einige Marktwirtschaftler bei den Grünen gab (Oswald Metzger zum Beispiel), doch diese Zeit ist lange vorbei. Echte Marktwirtschaftler, so Graw, gebe es heute kaum noch bei den Grünen (S. 175). Die verbalen Bekenntnisse der Grünen zum Markt erinnerten an Touristen am schroffen Atlantik, die einander sagten: „Sieht interessant aus – aber wir gehen erst schwimmen, wenn die Wellen weg sind.“ (S. 176).

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1 Kommentare

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Kommentare

Was erwartet man von Buch eines Rechtsaußenjounalisten über die GRÜNEN ....

Laut Wikipedia "engagierte sich Graw als Referent beim Studienzentrum Weikersheim,
der Arbeitsgemeinschaft Junge Generation im Bund der Vertriebenen und in der Jungen
Landsmannschaft Ostpreußen (JLO). Im Ostpreußenblatt (...) vertrat er in einem
Artikel (....) geschichtsrevisionistische Ansichten."
Die meisten Menschen werden im Alter noch konservativer. Was jedoch, wenn man mit rd.
30 Jahren schon für Rechsaußen-Vertriebenen-"Landmannschaften" schreibt & "geschichtsrevisionistische Ansichten" vertritt?!?
Entsprechend sind für ihn die Grünen heutzutage ganz doll böse und nicht marktwirtschaftlich.
Objektivität sieht anders aus.
Bereits vor 30 Jahren gab es auch unter CDU´ler unter Minister Töpfer ein Grundverständnis,
dass die Internalisierung externer Kosten (wie Umwelt- und Gesundheitsschäden) in einer
sozialen und ökologischen Marktwirtschaft mit in die Preise für Schadstoffe & Umweltverbrauch
berücksichtigt werden muß. Der Autor hält jedoch offenbar nichts von diesem Prinzip
und setzt "Manchesterkapitalismus" mit "sozialer und ökologischer Markwirtschaft" gleich.

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