Coronakrise Wann beginnt die Suche nach den „Schuldigen“?

Gastautor: Rainer Zitelmann
09.03.2020, 18:37  |  6327   |   |   

Es ist fast schon ein Gesetz: Bei Krisen, Naturkatastrophen und Epidemien beginnen die Menschen früher oder später mit der Suche nach den „Schuldigen“ und es findet eine Politisierung des Ereignisses statt. Meist werden Krisen anfangs nicht sehr ernst genommen. Irgendwann bricht Panik aus, aber die Menschen sind zunächst vor allem damit beschäftigt, die unmittelbaren Folgen einer Katastrophe in den Griff zu bekommen – so wie derzeit bei der Coronakrise.

Doch dann beginnt stets die Suche nach Schuldigen. Offenbar ist es ein tief sitzendes Bedürfnis der Massen, einzelne Personen oder Personengruppen zu identifizieren, denen sie die Schuld geben können. Wenn man keine Personengruppe ausfindig machen kann, die direkt verantwortlich für die Katastrophe ist (Erdbeben, Epidemie, Hochwasser etc.), dann finden die Menschen schnell „Verantwortliche“, die Fehler in der Bekämpfung des Unglücks gemacht haben. Da in solchen Situationen immer Fehler gemacht werden, ist es auch nicht schwer, „Schuldige“ zu finden. So wird das auch bei der Corona-Krise sein. Wer wird diesmal als Sündenbock auserkoren werden?

Historisches

In Europa wurden im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwa 40.000 bis 60.000 Menschen, vor allem Frauen, Opfer der Hexenverfolgung. Hexen wurden für die Ausbreitung von Seuchen, für Missernten, Naturkatastrophen und viele weitere negative Ereignisse verantwortlich gemacht, die die Menschen sich nicht erklären konnten. Auch Juden wurden häufig beschuldigt – so hieß es, Juden hätten Brunnen vergiftet.

Manchmal wurden Katastrophen auch als Strafe für sündiges Treiben gewertet. So erließ die Stadt Florenz 1542 nach einem Erdbeben strenge Regeln gegen Sodomie und Blasphemie. Eine moderne Abwandlung dieses Denkens ist die Klimareligion: Bei Hochwasser, Hitze oder Stürmen, ja, bei jedem extremen Naturereignis, heißt es heute, „Mutter Natur“ schlage zurück, weil wir sie schlecht behandelt hätten. In der linken Kultsendung „Titel, Thesen, Temperamente“ erklärte am letzten Sonntag eine Philosophin, es sei auch eine Chance, dass wegen Corona die „Welt stillsteht“, weil wir durch die Entschleunigung die Gelegenheit hätten, darüber nachzudenken, wie wir die Welt umbauen müssten.

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3 Kommentare

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Kommentare

Sehr schwach.

Die Kurve der Infektionen in D folgt jener Italiens mit EXAKT 8 Tagen Nachlauf.

Und weiterhin wird vor vollen Stadien gekickt, von Gescihtsmasken wird sogar abgeraten.

Waehrend in HK/China trotz fast Null Neuinfektonen jeder eine Maske traegt. Mit durchschlagendem Erfolg. Sogar die Grippewelle wurde dort total abgewuergt.
Eine sehr gute Frage ! Ich behaute mal , das in ein paar Tagen die ersten IDIOTEN zu 100 % sicher sind das wieder einmal die AFD Schuld ist !

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