Verbesserte Regeln für Kurzarbeit

Nachrichtenagentur: news aktuell
24.03.2020, 15:40  |  422   |   |   
Regenstauf (ots) - Die globale Verbreitung des Corona-Virus macht der Wirtschaft
zu schaffen. Lieferengpässe bei Zulieferunternehmen, die ihre Komponenten
international beziehen, führen in der Produktion an unseren Standorten zu
Stillständen. Unternehmen, die von massiven Lieferengpässen oder ausbleibenden
Aufträgen betroffen sind oder behördlich vorübergehend geschlossen werden
mussten, können Kurzarbeit einführen. Die Kurzarbeit hat das Ziel,
Auftragsengpässe zu überbrücken, die Lohnkosten vorübergehend zu senken und
dadurch den Betrieb wirtschaftlich zu entlasten und die Arbeitsplätze zu
erhalten. Aufgrund der Corona-Krise lockerte die Bundesregierung die Regeln für
das Kurzarbeitergeld in einem Eilverfahren.

Das ändert sich für die Unternehmen

Die gesetzlichen Voraussetzungen für Unternehmen wurden befristet vereinfacht
und die Leistungen erweitert. Statt wie bisher müssen nicht 30 Prozent der
Beschäftigten im Betrieb von Arbeitsausfall betroffen sein, sondern es reichen
schon zehn Prozent aus. Auf den üblicherweise gesetzlichen Zwang zum Aufbau
negativer Arbeitszeitsalden wird derzeit verzichtet. Den Antrag auf
Kurzarbeitergeld stellt der Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit. Neu
ist ebenfalls, dass die Sozialversicherungsbeiträge, die auch bei Kurzarbeit zu
entrichten sind, den Arbeitgebern in voller Höhe erstattet werden. Die neuen
Regelungen gelten auch für Zeitarbeitsfirmen.

Das sollten Arbeitnehmer wissen

Für Arbeitnehmer bedeutet Kurzarbeit in der Regel eine Reduzierung des
Arbeitsentgelts. Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt,
besteht ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent des
ausgefallenen Nettolohns für jeden Kurzarbeitstag. Bei Arbeitnehmern mit
mindestens einem Kind sind es 67 Prozent für maximal 12 Monate. Die
Mitgliedschaft in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bleibt erhalten
und die gesetzlichen Urlaubsansprüche bestehen.

Kinder über 18 sind nicht automatisch in den Steuerabzugsmerkmalen enthalten. In
vielen Fällen wird das nicht beantragt, obwohl ein Kindergeldanspruch weiterhin
besteht, da die Auswirkung auf den Lohnsteuerabzug sehr gering ist. Auswirkungen
gibt es nur beim Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer und dieser
Steuernachteil kann über die Einkommensteuererklärung später wieder reingeholt
werden. Wenn die Aussicht auf Kurzarbeit besteht, sollte man aber handeln und
sein volljähriges, kindergeldberechtigtes Kind eintragen lassen, wenn kein Kind
unter 18 im Haushalt lebt. Denn nur, wenn das Kind bei den Steuerabzugsmerkmalen
hinterlegt ist, gibt es die sieben Prozent mehr. Ist das Kind nicht in den
Steuerabzugsmerkmalen eingetragen, weil die Steuerklasse V bzw. VI vorliegt oder
sich das Kind im Ausland aufhält, dann muss eine Bescheinigung bei der Agentur
für Arbeit beantragt werden, mit der das volljährige Kind nachgewiesen wird. Die
Änderung der Lohnsteuerabzugsmerkmale, hier die Aufnahme des Kindes, greift
leider erst ab dem Folgemonat.

Nebenbeschäftigung während Kurzarbeit möglich

Bisher wurde nur das Entgelt von bereits bestehenden Nebenbeschäftigungen nicht
auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Wurde während der Kurzarbeit eine neue
Nebenbeschäftigung angefangen, wurde dieses Einkommen in voller Höhe auf die
Lohnersatzleistung angerechnet und das Kurzarbeitergeld fiel geringer aus. Im
Zuge der Corona-Krise hat die Bundesregierung nun diese Regelung vorübergehend
fallen gelassen. Ab sofort haben Kurzarbeiter die Möglichkeit, zusätzliches Geld
zu verdienen, ohne dass es sich auf das Kurzarbeitergeld auswirkt. Unsere
Regierung will so einen Anreiz schaffen, dass vorübergehend Tätigkeiten in
aktuell wichtigen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, der Landwirtschaft und der
Versorgung mit Lebensmitteln freiwillig aufgenommen werden.

Von den verbesserten Regeln zur Kurzarbeit insgesamt profitieren Arbeitnehmer
dahingehend, dass das Kurzarbeitergeld rückwirkend zum 1. März 2020 beantragt
und kurzfristig ausbezahlt werden kann. Auch Leiharbeiter können ab sofort
Kurzarbeitergeld beziehen. Es handelt sich dabei um eine Lohnersatzleistung.
Damit ist das Kurzarbeitergeld von der Lohnsteuer befreit, unterliegt aber dem
Progressionsvorbehalt. Konkret heißt das, dass es für die Ermittlung des
individuellen Steuersatzes, der für den normalen Arbeitslohn gilt, herangezogen
wird.

http://www.lohi.de/steuertipps

Kontakt für Rückfragen:

Nicole Janisch, Pressereferentin
Tel: 09402 503147 / E-Mail: presse@lohi.de
Werner-von-Siemens-Str. 5, 93128 Regenstauf http://www.lohi.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/60304/4555624
OTS: Lohnsteuerhilfe Bayern e.V.


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