Edelmetalle Auch Gold und Silber mit Coronavirus angesteckt - wann Goldpreis und Minenaktien endlich aus dem Crash-Tief kommen

02.04.2020, 18:51  |  106682   |   |   

Smart Investor berichtet in seiner April-Ausgabe über eine der kritischsten Phasen an den Edelmetallmärkten und warum Minenaktien plötzlich in den freien Fall übergingen. Aber der Autor dieses Artikels, ein ausgewiesener Edelmetall-Experte, zeigt auch plausibel auf, wann die Tiefs endlich Geschichte sein könnten!

Am Fastnachtswochenende, der Karneval von Venedig war gerade abgesagt, drehte die Stimmung. Ab Rosenmontag verbuchten die Aktienmärkte crashartige Verluste, ausgelöst durch Ängste der Anleger, dass die Coronavirus-Pandemie einen Wirtschaftsabschwung verursacht, gegen den auch die Notenbanken machtlos sind.

Interessanterweise stürzte zusammen mit Dow und DAX auch der Edelmetallsektor in die Tiefe – normalerweise ein sicherer Hafen bei Börsenturbulenzen. Am Freitag, den 28.2.2020, erlitten Gold und Silber den größten Tagesverlust seit dem denkwürdigen Jahr 2013: Im damaligen April hatte eine koordinierte Shortseller-Aktion an der New Yorker Terminbörse COMEX den Goldpreis von über 1.540 USD auf unter 1.400 USD je Unze gedrückt.

Das Massaker beginnt am Futuresmarkt

In der Woche vor Rosenmontag war am Aktienmarkt die Welt noch in Ordnung. Beim Goldpreis gab es einen „Blow-out“, der selbst Edelmetallenthusiasten überraschte. Der Preis der Edelmetall-ETCs schoss fast senkrecht in die Höhe – und das bei steigenden Umsätzen und Kurslücken im Chart. Dieser Ausbruch nach oben musste offenbar gestoppt werden. Im Windschatten der fallenden Aktienmärkte ging es bei Gold, Silber und Minenaktien immer steiler bergab: eine Kaskade von Kursverlusten.

Tyler Durden äußert in der amerikanischen Internetzeitung ZeroHedge die Vermutung, dass Benoit Gilson, der Chef-Devisen- und Goldhändler der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (kurz BIZ; die Notenbank der Notenbanken), am Montag, 24.2., den für die weitere Entwicklung entscheidenden ersten Schuss abgefeuert hat.

An diesem Tag wurden um 14:30 Uhr New Yorker Zeit an der Comex Goldfutures im Wert von 3 Mrd. USD auf den Markt geworfen – just zu der Zeit, zu der Margin Calls aufgerufen werden. Auf Kredit spekulierende Hedgefonds müssen bei Kursverlusten Geld nachschießen oder Positionen schließen. Die Attacke verfehlte nicht ihre Wirkung. Der starke Aufwärtsimpuls beim Goldfuture war beendet. Als am Freitag, den 28.2., die Chartmarke von 1.635 USD fiel, gab es kein Halten mehr: Eine Stopp-Loss-Marke nach der anderen wurde aktiviert. An der Comex wechselten innerhalb einer Stunde 100.000 Goldkontrakte ihren Besitzer – das entspricht 10 Mio. Unzen oder 283,5 Tonnen und in etwa dem Doppelten der Jahresproduktion von Barrick Gold.

An einem Tag 283,5 Tonnen „Papiergold“ gehandelt

Als die US-Notenbank am Dienstag, den 3.3., in einer Panikaktion den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte senkte, erfolgte beim Goldpreis fast spiegelbildlich die gleiche Bewegung nach oben. An der Marke von 1.700 USD wurde sie erneut gestoppt. Ed Steer (Goldseek.com), ein erfahrener Marktbeobachter, sieht es als erwiesen an, dass da wieder mal „da boyz“ ihre Finger im Spiel hatten – die bekannten Bullionbanken als Leerverkäufer an der Comex. Ein Ausbruch des Goldpreises nach oben soll aus drei Gründen verhindert werden: Erstens wird ein explodierender Goldpreis immer als Signal für eine nicht-beherrschbare Krise interpretiert. Zweitens stellt Gold die einzige ernsthafte Konkurrenz für den US-Dollar dar. Drittens würden die Bullionbanken, die auf gigantischen Shortpositionen sitzen, bei dauerhaft hohen Edelmetallpreisen hohe Verluste erleiden – da geht es um Milliarden.

Alles nur eine Verschwörungstheorie?

Es ist keine Frage, dass die BIZ, die zu den mächtigsten Organisationen weltweit zählt, aber verschwiegen wie ein Geheimbund agiert, beim Thema Goldpreismanipulation neben Fed und EZB zu den „üblichen Verdächtigen“ gehört. Die US-Bürgerrechtsorganisation Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) fand drei Dokumente aus den Jahren 2005, 2008 und 2013, in denen die Bank selbst einräumt, dass die Beeinflussung von Goldpreis und Devisenkursen zu ihren Aufgaben zählt. GATA-Berater Robert Lambourne errechnet einmal monatlich, wie viel Gold sich die Bank über Swap-Geschäfte und andere Derivate bei Notenbanken leiht und als „Papiergold“ auf den Markt wirft. Diese Menge an „Papiergold“ vervierfachte sich seit Mai 2019 von 78 auf geschätzte 320 Tonnen im Januar 2020 und stieg im Februar auf 326 Tonnen an. Ohne diese künstlich erzeugte Goldvermehrung wäre es kaum möglich, den Preis des Edelmetalls zu drücken.

Der Absturz bei den Goldfutures vom 28.2. wiederholte sich eine Woche später. Das Herunterprügeln des Goldpreises am 12.3., 13.3 und 16.3. folgte bewährtem Muster: Die Fed kündigte an, bis zu 1,5 Bio. USD (das sind 1.500 Mrd. USD und in etwa das Vierfache des deutschen Bundeshaushalts!) in die Märkte zu pumpen, und verkündete völlig überraschend am Sonntag, den 15.3., eine weitere Zinssenkung um einen vollen Prozentpunkt. Bei diesen Nachrichten hätte der Goldpreis explodieren müssen, doch er wurde an der Futuresbörse Comex in den Keller geschickt (siehe auch Beitrag zur Goldpreismanipulation an der Comex auf Seite 49 im neuen Smart Investor 04/20). Die Aktienmärkte verbuchten als Reaktion auf die Verzweiflungstaten der amerikanischen Notenbank an dem darauffolgenden „schwarzen Montag“ Rekordverluste. Der Goldpreis verlor von Donnerstag bis Montag 200 USD (wie zuletzt im April 2013); Silber fiel sogar unter sein Tief von Dezember 2015 – 12 USD pro Unze, da haben einige Leerverkäufer gut verdient.

Die Anleger ließen sich von diesen Aktionen nur zum Teil beeindrucken, nutzten die gedrückten Preise zum Aufstocken von Positionen. Seit Jahresanfang wurden mehr Silver-Eagle-Münzen verkauft als im gesamten Vorjahr. Die United States Mint, Produzent dieser Münzen, ist mittlerweile ausverkauft. Im scharfen Gegensatz zum Geschehen am Futuresmarkt gab es Zuflüsse bei Gold-ETCs. Edelmetallhändler wie BullionStar in Singapur teilten ihren Kunden mit, dass Gold wegen der extrem gestiegenen Nachfrage im Großhandel nicht mehr lieferbar ist. Bei Degussa in Deutschland werden, wie bei anderen Händlern, Silbermünzen wegen der großen Nachfrage und des knappen Angebots nur mit einem hohen Aufgeld verkauft.

Ausverkauf bei den Minenwerten

Gold hielt sich immerhin noch besser als der Aktienmarkt. Bei den Minenwerten kam es hingegen zu einem regelrechten Ausverkauf. Ein Insider, der hier nicht namentlich genannt werden möchte, erklärt das damit, dass um jeden Preis Liquidität geschaffen werden sollte: Zuerst verkaufen die Vorsichtigen, dann jene, die auf Kredit spekuliert haben und wegen Margin Calls verkaufen müssen. …

Autor: Rainer Kromarek

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(Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 04/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 20.03.2020 erfasst wurden.)



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