Trotz Corona "extrem gute Möglichkeiten"
Frei nach Dirk Müller: Alles was man nicht verliert, muss man später nicht aufholen - "Das ist auch unser Ansatz"
Seit Anfang 2018 setzt der Total Return Fonds von FUNDament Capital auf Small- und Mid-Cap-Aktien und Anleihen aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Während der DAX seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent eingebrochen ist, liegt der Fonds aus dem bayrischen Königsbrunn seit Anfang des Jahres sogar leicht im Plus. Im Gespräch erklärt FUNDament-Partner Elmar Baur, wie er den Fonds durch den Corona-Sturm steuert.
wallstreet:online: Herr Baur, das Börsenjahr 2020 hat mit einem Crash von historischem Ausmaß begonnen. Noch ist unklar, wie lange das Coronavirus die Welt und die Börse in Atem halten wird. Mit welchem Gefühl blicken Sie derzeit auf die Märkte? Findet die Geld- und Fiskalpolitik das richtige Mittel, um eine tiefgreifende Rezession zu vermeiden?
Elmar Baur: Die Märkte sind schon vor der Corona-Krise heiß gelaufen. Die jahrelange Niedrigzinspolitik hat dazu geführt, dass sich einige Blasen gebildet haben. In den USA sind die Märkte auch wegen der Steuersenkungen von Donald Trump gut gelaufen. Unternehmen haben viel Geld in die Hand genommen und Aktien zurückgekauft. Das waren aber nur buchhalterische Tricks, um den Gewinn vor Aktien zu steigern. Das hat zu Übertreibungen bei den Kursen geführt. Wir haben einen Rückgang kommen sehen, aber der Zeitpunkt war nicht klar. Schließlich kam es dann durch den “Black Swan” von Corona und Ölpreisschock dazu.
In einer Zeit, wo ganze Lieferketten unterbrochen werden, ist es schwierig, mit fiskal- und finanzpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern. Wir können das Ausmaß der Krise bisher noch nicht absehen. Wir müssen uns in den nächsten Jahren auf eine Schaukelbörse einstellen - also eine Zeit, in der es seitwärts geht - anstatt einen kräftigen Aufschwung, wie ihn manche Experten vorhersehen. Deshalb spricht vieles dafür, dass aktiv gemanagte Fonds zukünftig bessere Renditen liefern werden als passiv gemanagte ETFs, die nur einen Index nachbilden.
wallstreet:online: Der FUNDament Total Return Fonds hat den Corona-Crash bislang nahezu unbeschadet überstanden. Wieso hat sich der Fonds so gut geschlagen? Was machen Sie besser als die Konkurrenz?
Elmar Baur: Der Fonds war schon immer defensiv ausgerichtet. Die Aktienquote kann flexibel zwischen 25 Prozent bis zu 100 Prozent liegen. In den vergangenen Monaten ist uns die heiß gelaufene Börse schon sehr suspekt vorgekommen. Entsprechend haben wir bei extrem geringen Volatilitäten Index-Puts zur Absicherung gekauft. Die waren bis einschließlich Mitte Februar sehr günstig. Außerdem haben wir schon im Januar und Februar die Lage in China intensiv beobachtet. Uns war klar, dass der Ausbruch des Coronavirus nicht lokal begrenzt bleibt, obwohl viele Ökonomen das so gesehen haben. Aber wir haben damals schon beobachtet, dass in China die Lieferketten unterbrochen waren, Container sind nicht mehr abgefertigt worden. Und das hat uns frühzeitig alarmiert, so dass wir die Cashquote hochgefahren und uns hoch abgesichert haben. Das passt gut zu dem Spruch von Börsenexperte Dirk Müller. “Alles was man nicht verliert, muss man später auch nicht aufholen.” Das ist auch unser Ansatz.
wallstreet:online: Der Fonds setzt unter anderem auf Small- und Mid-Caps aus der DACH-Region. Besteht bei kleinen und mittleren Unternehmen nicht die Gefahr, dass diesen in der Krise viel schneller die Luft ausgeht als einem großen Dax Konzern mit dicker Kapitaldecke?
Elmar Baur: Wir schauen uns auch immer die Liquiditätssituation an. Kleine und mittlere Unternehmen bieten in solchen Abverkaufsphasen extrem gute Möglichkeiten, weil gute Geschäftsmodelle und gute Bilanzen abverkauft werden ohne Rücksicht auf die fundamentalen Daten. Wir legen Wert darauf, dass Unternehmen durchfinanziert sind, dass sie keine Liquiditätsprobleme haben und im Allgemeinen nicht groß verschuldet sind. Micro- und Small-Caps werden in der aktuellen Marktphase abgestraft, weil die Liquidität fehlt. Aber wenn man - wie der Fonds - eine hohe Cashquote hält, bietet sich hier eine gute Gelegenheit zum Einstieg.
Neben den kleinen und mittleren Unternehmen schauen wir uns auch Sondersituationen an. Ein gutes Beispiel war Sixt Leasing. Während des Crashs ist die Aktie weit unter den Kurs gesunken, den Hyundai Capital für die Übernahme bietet. Das war ein No-Brainer. Es gab in diesem Abverkauf ziemlich irrationale Bewegungen, deshalb gehen wir da sehr selektiv vor. Ein weiteres Beispiel ist der Diagnosespezialist Qiagen, für den ebenfalls ein Angebot vorliegt. Der Kurs ist knapp 20 Prozent unter den Übernahmepreis gerutscht, auch da haben wir zugegriffen.
wallstreet:online: Momentan herrscht große Verunsicherung an den Märkten. Auch der FUNDament Total Return ist laut Ihren eigenen Angaben “unverändert vorsichtig positioniert”. Worauf achten Sie aktuell bei der Auswahl von Kandidaten für Ihren Fonds?
Elmar Baur: Gute Geschäftsmodelle, die sich auch in Krisenzeiten sich bewährt haben, sowie auf Firmen, die von der aktuellen Situation profitieren. Dazu gehört auch ZEAL Network, ein Small Cap, das neben den staatlichen Landesgesellschaften die einzige Lizenz zur Online-Lottovermittlung in Deutschland hat. Die stationären Lottogeschäfte sind derzeit überwiegend geschlossen, und die Firma dürfte von dem jetzigen Shutdown profitieren.
Die zweite Aktie die wir stark gewichtet haben, ist Tele Columbus: konträr zu unseren üblichen Kandidaten ist die Firma zwar hoch verschuldet, hat aber eine harte Restrukturierung durchgemacht, hat den Turnaround geschafft und wird in 2020 einen positiven Cashflow erzielen. United Internet und Rocket Internet sind zusammen mit knapp 50% investiert. Das Potential liegt in dem Kabelnetz: es ist davon auszugehen, dass innerhalb der nächsten 12 Monate entschieden wird, ob das Kabelnetz verkauft wird oder ein Partner einen Anteil übernimmt. Der signifikante Geldzufluss wird der Entschuldung dienen und dem Aktienkurs helfen.
wallstreet:online: Wie finden Sie solche Perlen?
Elmar Baur: Dadurch, dass wir nicht weltweit, sondern in der DACH-Region unterwegs sind, ist die Zahl der Aktien im Small und Mid-Caps-Bereich recht begrenzt. Da gibt es etwa 600 Werte, die in Frage kommen. In normalen Zeiten sind wir viel auf Konferenzen unterwegs, hören in Conference Calls rein, schauen uns die Unternehmen an. Und wir haben über die letzten Jahre ein gewisse Watchlist erstellt. Und wenn wie in der jetzigen Situation viel abverkauft wird, rücken viele Werte in unser Blickfeld. Es reicht jedoch nicht, sich nur auf Analysen und Reports zu verlassen. Da steckt selbstverständlich auch viel unserer persönlichen Erfahrung am Markt drin.
wallstreet:online: Wozu würden Sie Privatanlegern derzeit raten? Haben die Kurse bereits einen Boden erreicht, oder sollte man mit dem Einstieg noch abwarten?
Elmar Baur: Unser Eindruck ist, dass wir in den letzten Tagen eine Bärenmarkt-Rallye erlebt und die Tiefststände noch nicht gesehen haben bzw. dass diese zumindest nochmals getestet werden. Wer langfristig in den Aktienmarkt investieren will, der kann jetzt selektiv Aktien kaufen. Aber es ist noch zu früh, um mit seinem kompletten verfügbaren Kapital einzusteigen. Die einzige Möglichkeit einen Boden zu finden, wäre, wenn schnell ein Impfstoff oder eine Therapie gegen das Coronavirus gefunden wird. Wir glauben nicht, dass die Kurse einen V-förmigen Verlauf nehmen - es also eine schnelle Erholung geben wird. Wir denken, dass daraus eher ein U- oder sogar ein L-förmige Erholung werden könnte. Das heißt, dass wir die Höchststände in absehbarer Zeit nicht mehr sehen werden. ETFs sind in Schaukelbörsen, in denen es seitwärts geht, nicht die beste Wahl. Deshalb halten wir es für sinnvoller, in aktiv gemanagte Fonds wie den FUNDament Total Return zu investieren. Wir sind stolz, dass der Fonds* derzeit bei Morningstar die Hitliste bei den flexiblen Mischfonds in Europa anführt. Über FondsDISCOUNT*, eine Tochter von wallstreet:online, können Privatanleger den Ausgabeaufschlag bei verschiedenen Banken sparen.
wallstreet:online: Herr Baur, vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion
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