Die Gewinner der Corona-Krise Drei Titel aus der zweiten Reihe, mit denen Anleger auch in der Krise Geld verdienen können

08.04.2020, 07:00  |  8037   |   |   

Das Corona-Virus breitet sich weiterhin rasant aus. Zuletzt wurden weltweit bereits über 1 Million Infizierte gezählt. Erstes Mittel der Wahl, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sind aktuell „Social Distancing“ bzw. der fast komplette „Lockdown“ der Weltwirtschaft. Experten rechnen für das zweite Quartal 2020 daher mit einem starken Konjunktureinbruch. Die Folge war der schnellste „Crash“ in der Börsengeschichte: Binnen eines Monats verloren MSCI World, S&P500, Dax & Co. fast eine Drittel an Wert.

Es gibt auch Gewinner

Die Börse ist allerdings auch im „Corona-Crash“ keine Einbahnstraße: Die Gesundheitskrise sowie – teilweise durch staatliche Regulierung - verändertes Arbeits-, Sozial- und Konsumverhalten haben auch Corona-Profiteure geschaffen: So hat sich beispielsweise die Aktie des Lübecker Medizintechnik-Herstellers Drägerwerk im letzten Monat in der Spitze verdoppelt. Dräger ist der Marktführer für die weltweit händeringend gesuchten Beatmungsgeräte, die das Leben von Covid19 Patienten retten können. Und weil die ganze Welt vom „Home-Office“ aus versucht, „den Laden am Laufen zu halten“, konnte die Aktie des Göppinger Software-Anbieters Teamviewer, die weltweit Videokonferenz-Lösungen anbieten, in den letzten zwei Wochen um satte 50% zulegen. Und seit Restaurants und Wochenmärkte geschlossen haben und Supermarkteinkäufe ein Gesundheitsrisiko sind, bringen die Versand-Kochboxen von Hellofresh willkommene Abwechslung in den „Quarantäne-Haushalt“, der ja nun genug Zeit zum Selberkochen hat. Der Hellofresh-Umsatz konnte im ersten Quartal bereits um 69% gegenüber dem Vorjahr zulegen, die Aktie ist in den letzten drei Wochen um gut 60% gestiegen. 

Was alle diese drei „Krisengewinnler“ gemeinsam haben: Die Unternehmen sind – die sie einen Service für die breite Masse anbieten – relativ breit bekannt, und dementsprechend schnell sind die Aktien gleich zu Beginn der Krise gestiegen. 

Im Folgenden will ich drei Unternehmen vorstellen, die zwar (noch) nicht die breite Bekanntheit aufweisen, aber stark von zwei langfristigen Mega-Trends profitieren, die diese Krise hervorbringt bzw. beschleunigt: die Transformation von Offline-zu-Online Konsum sowie der schier unendliche Bedarf an zusätzlicher Bandbreite und Rechenkapazität

1. Northern Data (WKN A0SMU8, Marktkapitalisierung 550 Mio. Euro)

Northern Data betreibt große Rechenzentren, in denen den Kunden „High Performance Computing“ (HPC)-Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Unter HPC versteht man im Wesentlichen „rohe“, gigantische Rechnerleistung, die ursprünglich nur in der Wissenschaft, zuletzt aber immer mehr in kommerziellen Geschäftsfeldern Anwendung findet, zum Beispiel beim Streaming von Videos (Netflix!), Blockchain, Crypto-Mining, Künstliche Intelligenz, etc. Tausende von Hochleistungsrechnern arbeiten unter gewaltigem Energieeinsatz 24/7/365. 

Beim Management dieser Anlagen kommt Northern Data die langjährige Erfahrung im Bitcoin-Mining zu Gute: Über sieben Jahre wurde eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die diese Anlagen, speziell die über Sensoren gesteuerten, komplexen Belüftungssysteme, autonom verwaltet. Der Personalaufwand ist dadurch minimal. Den wichtigsten Kostenfaktor, Energie, hat sich Northern Data zu sehr attraktiven Konditionen langfristig gesichert. Das Kundeninteresse übersteigt derzeit die vorhandene Kapazität um den Faktor 30, obwohl Northern Data in wenigen Tagen im US-Bundesstaat Texas das größte Rechenzentrum der Welt in Betrieb nehmen wird. Deswegen plant Northern Data, seine Kapazität von derzeit 360 Megawatt auf 3.6 Gigawatt zu verzehnfachen, allerdings nicht wie ursprünglich angedacht innerhalb von drei Jahren, sondern vermutlich schon in der Hälfte der Zeit. Die für die Skalierung erforderlichen Finanzmittel bringen im Wesentlichen die Kunden mit, die die Investitionsausgaben vorfinanzieren. Die Verträge laufen 5-10 Jahre. Die Finanzplanung für 2020 sieht einen Umsatz von ca. 140 Mio. Euro und ein EBITDA von ca. 60 Mio. Euro vor, wobei hierzu nur die aktuell fest unterschriebenen Verträge in Höhe von 360 Megawatt zu Grunde gelegt wurden. Ich erwarte, dass nächstes Jahr schon das ganze Gigawatt in Betrieb sein wird, was dann ein EBITDA in 2021 von um die 200 Mio. Euro bedeutet. Damit notiert die Aktie nur beim 2,75-fachen des für 2021 erwarteten EBITDAs. Eine normale Bewertung von Datencenter liegt laut der Investmentbank Jefferies bei dem 13-fachen EBITDA, das heißt bei Northern Data ist eine Verfünffachung des Aktienkurses möglich.

Northern Data

2. Mynaric (WKN A0JCY1, Marktkapitalisierung 130 Mio. Euro)

Die in Gilching bei München ansässige Mynaric AG ist einer der weltweit führenden Hersteller von Laserkommunikationstechnologien zum Betrieb von Kommunikations- und Beobachtungsanwendungen in der Luft und im Weltall. Zu den Produkten für die Datenübertragung gehören Bodenstationen und Laserterminals, die es ermöglichen, sehr umfangreiche Datenmengen sicher über lange Strecken kabellos zu übermitteln. Weltweit nimmt der Bedarf an schneller und allgegenwärtiger Datenverfügbarkeit dynamisch zu. Eine Entwicklung, die durch den krisenbedingten rasanten Anstieg von Offline- zu Online Konsum beträchtlich beschleunigt wird. Gegenwärtig basieren Datennetze weitgehend auf Infrastruktur auf und im Boden, die aus rechtlichen, wirtschaftlichen oder logistischen Gründen nicht beliebig erweitert werden kann. Die Zukunft erfordert eine Erweiterung der bestehenden Netzwerkinfrastruktur quasi über den Wolken.

Sobald der Roll-Out erfolgt, könnte jeder einzelne Kunde hunderte wenn nicht sogar einige tausend Laserterminals von Mynaric benötigen. Umsätze im neunstelligen Bereich – also mehr als hundert Millionen Euro – pro Kunde, sind somit wahrscheinlich. Die Aktie hat seit Beginn der Krise deutliche Abschläge hinnehmen müssen, obwohl die Firma kurz vor den Börsenturbulenzen noch eine Finanzierungsrunde in zweistelliger Millionenhöhe sicherstellen konnte. Eine Verdopplung ist schnell möglich.

Mynaric

3. Zeal Network (WKN Zeal24, Marktkapitalisierung 550 Mio. Euro)

Zeal Network ist mit einem Marktanteil von mehr als 40% der Marktführer im Onlinelotto in Deutschland. Das Geschäftsmodel ist denkbar einfach: Mit seinen Marken Lotto24 sowie Tipp24 bietet Zeal seinen Kunden die Möglichkeit, die staatlichen Lotterien („6aus49“, Eurojackpot) online zu spielen. Man fungiert praktisch wie eine lizensierte, virtuelle Lottoannahmestelle. Für die so „eingesammelten“ Lottoscheine erhält Zeal von den staatlichen Lotterien eine Vermittlungsprovision (ca. 12% vom Spielwert). Ein Jackpot-Risiko besteht nicht. Einmal akquiriert sind die Kunden extrem loyal. Obwohl Lotto kein physisches Produkt ist, beträgt die Online-Quote am Gesamtmarkt derzeit nur ca. 15%. In Skandinavien oder UK liegt die Online-Quote bereits heute bei mehr als 30%. In Zeiten von „Social Distancing“ und im Anbetracht der Tatsache, dass Lotto grundsätzlich eher von älteren Leuten gespielt wird, sollte die Onlinequote durch Corona deutlich steigen. Das Management von Zeal Network sieht die Online-Quote mittelfristig bei 50%. Von diesem ca. 4 – 5 Milliarden großem Markt möchte Zeal dann mindestens 50% abbekommen, was bei 12% Kommission auf einen Ziel-Umsatz von ca. 270 Mio. Euro schließen lässt. Aktuell macht das Unternehmen ca. 70 Mio. Euro Umsatz. Die Kostenbasis ist relativ fix, von jedem zusätzlich erlöstem Euro können so ca. 80% entweder in Kundenakquisition re-investiert oder als Dividende ausgeschüttet werden. Auch hier kann sich der Kurs schnell verdoppeln.

ZEAL Network

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