Ein Buch, das jeder Unternehmer lesen muss Ohne Gewinn ist alles nichts

Gastautor: Rainer Zitelmann
17.04.2020, 19:07  |  2469   |   |   

Hermann Simon: Am Gewinn ist noch keine Firma kaputt gegangen, Campus Verlag, Frankfurt – New York 2020, 260 Seiten.

Auf dem Buchrücken steht: „Das erste Buch überhaupt, das sich ausschließlich dem Thema Gewinn widmet.“ Man reibt sich die Augen: Hat der Verlag da zu dick aufgetragen? Nein, eine Suche bei Amazon zeigt: Es gibt jede Menge Bücher über Themen wie „soziale Verantwortung von Unternehmen“ oder „Corporate Social Responsibility“, aber es gibt kein Buch, das sich ausschließlich mit Gewinn befasst.

Zu wenig Gewinn

Nur eines von zehn Start-ups in Deutschland hält längerfristig durch, neun gehen innerhalb der ersten drei Jahre nach Gründung pleite (S. 7). Das ist bekannt. Was weniger bekannt ist: Viele Unternehmen machen kaum Gewinne. Die Umsatzrendite deutscher Unternehmen ist mit 3,6 Prozent im internationalen Vergleich niedrig – Schweizer Firmen beispielsweise sind mit 10,2 Prozent viel profitabler (S. 44). Die 3,4 Prozent sind ein Durchschnittswert, in den auch die wenigen Unternehmen eingehen, die hohe Umsatzrenditen von über 20 Prozent machen (Beispiele finden sich auf S. 53 f.). Dem stehen jedoch viele Unternehmen gegenüber, die nur minimale Gewinne erwirtschaften. Und dann wundern sich viele Unternehmer, wenn sie am Lebensabend ihre Firma nicht oder nur zu einem enttäuschend niedrigen Preis verkaufen können.

Der Autor berichtet (natürlich ohne die Firmennamen zu nennen) von Unternehmen, die für viele andere stehen: Ein hoch reputables Unternehmen, der Firmenchef ist 66 Jahre alt und arbeitet 60 Stunden die Woche. Auf die Frage nach dem Gewinn antwortet er: „Eigentlich machen wir keinen Gewinn, aber wir sind immer über die Runden gekommen, haben stets genügend investiert und stehen recht gut da.“ Tatsache ist, dass das Unternehmen in den letzten acht Jahren viermal marginale Gewinne und viermal Verluste gemacht hat. Die Zahlen waren jeweils nahe Null, die Verluste also nicht dramatisch, die Gewinne jedoch ebenfalls minimal. Und der Unternehmer versteht nicht, warum ihm niemand das Unternehmen zu seinen realitätsfernen Preisvorstellungen abkaufen will (S. 107).

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