KPMG-Bericht endlich da “Buy the rumor, sell the fact” – Wirecard stürzt trotz “Freispruch” ab

28.04.2020, 14:38  |  57801   |   |   

Nachdem der Finanzdienstleister aus Aschheim seinen Aktionären auch im dritten Anlauf die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gestern schuldig blieb, veröffentlichte Wirecard am frühen Dienstagmorgen, den mit Spannung erwarteten Bericht auf der firmeneigenen Webseite.

Im untersuchten Zeitraum zwischen 2016 und 2018 gebe es keine belastenden Belege für die Vorwürfe der Bilanzmanipulation, teilte das Unternehmen mit. Dementsprechend liege auch kein Grund vor, die Jahresabschlüsse zu korrigieren. Man habe jedoch Dokumentations- und Organisationsschwächen ausgemacht, die mithilfe einer neuen Compliance-Abteilung behoben werden sollen.

Trotz der positiven Nachrichten ging es für die Wirecard-Aktie am Dienstag steil bergab. Klaus Brune, Leiter des Börsenressorts beim Platow-Verlag, hält diese Reaktion der Anleger für überzogen. Exklusiv gegenüber wallstreet:online sagte er: “Anleger handelten heute zum einen nach dem Motto: „Buy the rumor, sell the fact“: Mit der Hoffnung auf einen „Freispruch“ durch die KPMG war die Aktie im Vorfeld kräftig gestiegen, am Dienstag nach Vorlage des Berichts kam die Gegenbewegung: Das Papier verliert 19%. Zwar hat die KPMG nicht den sprichwörtlichen „rauchenden Colt“ in den Büchern der Aschheimer finden können; allerdings fehlten den Prüfern offenbar die notwendigen Daten, um den wichtigsten Vorwurf der Financial Times vollständig entkräften zu können.”

Hintergrund der Anschuldigungen: In Ländern, in denen Wirecard keine eigenen Lizenzen dafür besitzt, wickelt das Unternehmen Transaktionen über Partnerfirmen ab. Dieses Drittpartnergeschäft war durch Recherchen der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times in die Kritik geraten.

Experten wittern ein Kurs-Schnäppchen

Nun will Wirecard dieses unschöne Kapitel hinter sich lassen. Der Zahlungsdienstleister sieht sich von den Vorwürfen der Bilanzmanipulation befreit. Doch der Bericht lässt Fragen offen. Die KPMG-Prüfer konnten zur Höhe und zur Existenz der Umsätze aus dem kritisierten sogenannten Drittpartnergeschäft in den untersuchten Jahren weder eine Aussage treffen, dass diese existieren und korrekt sind, noch, dass sie nicht existieren und nicht korrekt sind. «Insofern liegt ein Untersuchungshemmnis vor», erklärten die Prüfer in ihrem Bericht. Das Problem hierbei sind die Drittpartner, die den Prüfern keinen Einblick in  die Transaktionsdaten gewähren wollten.

Börsenexperte Brune ist trotz allem weiter überzeugt von Wirecard. „Es sind keine Luftbuchungen festgestellt worden. Ich gehe daher weiter davon aus, dass das Geschäftsmodell der Aschheimer tatsächlich diese großartigen Wachstumsraten liefert, die jedes andere deutsche Unternehmen gerne hätte”

Er ist deshalb weiter positiv gestimmt, was die Aktie angeht, und wittert ein Schnäppchen beim derzeitigen Kurs. „Ich bin überzeugt von dem Geschäftsmodell und seinen globalen Wachstumschancen. Diese Aktie sollten sich Anleger auf dem jetzigen Niveau sichern.” Das KGV sei mit derzeit 21 „für Wirecard-Verhältnisse lächerlich niedrig“.

Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses und die Bilanzpressekonferenz finden jedoch nicht am 30. April 2020 statt, erklärte das Unternehmen in einer Pressemeldung. Die Prüfungsarbeiten unter Berücksichtigung der Corona-bedingten Einschränkungen und des KPMG-Berichts bedürften noch Zeit.

Börsen-Experte Brune erwartet in jedem Fall gute Neuigkeiten: „Der Umsatz dürfte im vergangenen Jahr um etwa 37 Prozent, das EBITDA um rund 40 Prozent gestiegen sein. In den kommenden Jahren geht das nach meiner Einschätzung so weiter: Die Erlöse werden um 20 bis 25 Prozent pro Jahr zulegen, das operative Ergebnis um 25 bis 30 Prozent. Das ergibt eine weiter steigende Marge. Da muss sich die Deutsche Bank mit ihrem Angebot an deutsche Einzelhändler noch gewaltig strecken, bis sie das erreicht.”

Das sagen die w:o-User und Aktionäre:

Obwohl Wirecard sich von den Vorwürfen der Bilanzmanipulation befreit sieht, sind die User und Aktionäre im w:o-Forum von Wirecard größtenteils enttäuscht vom Vorgehen des Finanzdienstleisters. Der ein oder andere glaubt aber weiterhin an das Geschäftsmodell: 

Kampfkater1969: „Was ist Fakt? Es ist doch egal, ob man old fashioned Papier oder digitale Daten überprüft. Es muss nachprüfbar sein, retrograd und progressiv – auf Ebene der Rechtsvereinbarungen und der einzelnen Geschäftsvorfälle. Kann man das nicht, irre! Ist man dort im Mittelalter stehengeblieben? Ich bin derzeit nicht investiert und werde es aus obigen Gründen weiterhin so handhaben.“ 

Der_Roemer: „Genau, immer schön nachkaufen, nachkaufen und nachkaufen. Manche hier scheinen auf einem unerschöpflichen Geldhaufen zu sitzen! Der Bericht ist für die Finanzpresse und für die Leerverkäufer ein gefundenes Fressen! Die werden ihre Spielchen mit Wirecard noch lange Zeit weitertreiben!“ 

Carola11: „Nun ist die Katze endlich aus dem Sack. Davon geht die Welt nicht unter und Wirecard schon gar nicht! Wer mag kann nachkaufen. In einem halben Jahr sieht es wieder wesentlich besser aus. Wirecard als Marktführer wird sich schnell wieder erholen.“

Im wallstreet:online-Musterdepot gehört Wirecard nach dem jüngsten Kurssturz zu einem der schlechtesten Performer.

Autor: Nicolas Ebert und Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion



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