Wirecard-Aktie: Schon der erste Tenor zeigt, dass die Vorwürfe nicht entkräftet sind

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
02.05.2020, 08:56  |  31211   |   |   

Für die Aktie von Wirecard (WKN: 747206) geht eine alles andere als erfolgreiche und ruhmreiche Woche zu Ende. Bereits bei den Verzögerungen der Ergebnisverkündung der Sonderprüfung durch die KPMG haben einige Investoren wohl mit etwas Üblem gerechnet. Diejenigen, die hierauf spekuliert haben, hatten recht.

Das Prüfwerk, auf das Investoren jetzt ca. ein halbes Jahr gewartet haben, wies signifikante Mängel auf. Wesentliche Äußerungen der Wirtschaftsprüfer haben ein schlechtes Bild gezeigt. Nämlich von fehlenden Unterlagen, mangelhafter Kooperation und einer Kommunikation, die Lücken aufwies. Das ist nicht das, was Investoren hören wollen. Und widerspricht der eigentlich groß angekündigten Transparenz des Unternehmens.

Wie sehr das auf den Inhalt Auswirkungen hat, zeigt bereits der erste Tenor des Prüfberichts, der das Drittpartnergeschäft thematisiert. Lass dir das im Folgenden einmal auf der Zunge zergehen.

Der Tenor im Überblick

Falls du die folgenden Zeilen selbst noch einmal nachlesen möchtest, kannst du das natürlich tun. Genauer gesagt findest du diesen Ausschnitt auf der zwölften und auch der folgenden Seite des Prüfwerks. Die Unterüberschrift heißt hier „1.3.1.1.2 Ergebnisse der Untersuchungshandlungen“. Und hier wird man die folgenden Zeilen lesen können:

Hinsichtlich der Höhe und der Existenz der Umsatzerlöse aus den TPA-Geschäftsbeziehungen zwischen der Cardsystems Middle East der Wirecard UK & Irland sowie der Wirecard Technologies und den jeweils relevanten TPA-Partnern kann KPMG als Ergebnis der durchgeführten forensisch geprägten Untersuchungshandlungen in Bezug auf den Untersuchungszeitraum 2016 bis 2018 weder eine Aussage treffen, dass die Umsatzerlöse existieren und der Höhe nach korrekt sind, noch die Aussage treffen, dass die Umsatzerlöse nicht existent und in der Höhe nicht korrekt sind. Insoweit liegt ein Untersuchungshemmnis vor.

Ursächlich sind neben Mängeln in der internen Organisation insbesondere die fehlende Bereitschaft der Third Party Acquirer, umfassend und transparent an dieser Sonderuntersuchung mitzuwirken.

Es sind Worte, die alles andere als toll sind und keinerlei Klarheit schaffen. Im Grunde genommen stellt die KPMG hier fest, dass keinerlei Aussage zu den genannten Umsätzen aus dem Drittpartnergeschäft getroffen werden können. Auch das Wort Untersuchungshemmnis zeigt ein weiteres Mal, dass es hier eine mangelhafte Kooperationsbereitschaft gegeben hat. Was teilweise auch auf die genannten Drittpartner zurückzuführen ist, worauf Wirecard selbst womöglich wenig Einfluss hat. Jedoch verstärkt hätte ausüben können.

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