Einseitiges Erinnern Soll der 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ gefeiert werden?

Gastautor: Rainer Zitelmann
05.05.2020, 18:45  |  3546   |   |   

Am 8. Mai 2020 jährt sich zum 75. Mal der Tag, an dem Deutschlands am Vortag unterzeichnete Kapitulation in Kraft trat. In der DDR war dieses Datum als „Tag der Befreiung vom Faschismus“ gefeiert worden – auch in Berlin wird der 8. Mai dieses Jahr als Feiertag begangen.

Vor 25 Jahren gab es eine große Kontroverse um die Bewertung des Tages – eine Kontroverse, die ich mit einer Zeitungsanzeige ausgelöst hatte. Ein Rückblick ist aufschlussreich – hier der Ausschnitt aus meiner Autobiografie:

„Die Freiheit hat Geburtstag“

Im Vorfeld des 50. Jahrestages entwickelte sich, wie der „Spiegel“ am 24. April 1995 beobachtete, „eine nicht mehr überschaubare Basisbewegung…: Kirchengemeinden, Geschichtswerkstätten, Schulklassen, Anti-Rassismus-Initiativen oder Schwulengruppen überziehen das Land mit einem dichten Netz von Ausstellungen, Tagungen, Lesungen und Gedenkfeiern. … Auf Initiative Michel Friedmans, Präsidiumsmitglied im Zentralrat der Juden, und des Hamburger Intendanten Jürgen Flimm unterzeichneten ZDF-Chef Dieter Stolte, der ARD-Vorsitzende Jobst Plog, aber auch die Chefredaktionen von Brigitte, Focus, Stern oder Max den Aufruf ‚8. Mai 1995: Die Freiheit hat Geburtstag. Engagieren wir uns!’ Die Meinungsmacher proklamieren einen ‚Tag der Erinnerung und Hoffnung, den wir nicht allein den Parteien und Politikern überlassen wollen’. Den gern geschmähten Politikern mit ihren erstarrten Kranzabwurf-Ritualen Konkurrenz zu machen reizt so manchen guten Menschen. Und so werden Peter Maffay, die ‚Toten Hosen’,
Udo Jürgens und viele andere am 7. Mai im Hamburger Thalia Theater die Befreiung besingen. Das ZDF überträgt live.“

Was Theodor Heuss zum 8. Mai sagte

Das fand ich bedenklich und nicht angemessen, weil es der Komplexität und Ambivalenz dieses Tages in keiner Weise gerecht wurde. Daher formulierte ich einen Aufruf, der als Anzeige in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien und für den ich – zusammen mit Heimo Schwilk, Ulrich Schacht und Klaus Rainer Röhl – Hunderte Unterschriften sammelte. Das Vorgehen entsprach meiner Meinung, die ich in diesen Jahren immer wieder prononciert vertreten hatte: Wer die öffentliche Meinung beeinflussen und Diskussionen auslösen wolle, müsse von den erfolgreichen Methoden der Linken lernen.

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