Ökonomen überschätzen langfristige Corona-Folgen

Gastautor: Rainer Zitelmann
09.05.2020, 11:23  |  2148   |   |   

Bei großen, überraschenden und einschneidenden Ereignissen überschätzen wir oft die Langfristfolgen. Eine Umfrage unter führenden deutschen Ökonomen zeigt, dass das auch bei der Corona-Krise so sein könnte.

„Die Welt“ hat eine sehr interessante Umfrage unter führenden deutschen Ökonomen über die Auswirkung der Corona-Krise (man müsste genauer sagen: über die Auswirkungen von Corona und der Corona-Bekämpfung) gemacht.

Die meisten stimmen darin überein: Es bleibt nichts wie früher, Corona wird auf Jahrzehnte unsere Wirtschaft massiv beeinträchtigen.

Marcel Fratzscher vom DIW meint, die Corona-Krise werde „ein einschneidendes Erlebnis auf Jahre und Jahrzehnte hinaus bleiben“; Gabriel Felbermeyer vom IfW erklärt, die Corona-Krise werde ein „tiefer Einschnitt sein, der noch über viele Jahre und sogar Jahrzehnte nachwirke“; Dalia Marin von der TU München prophezeit gar, es bleibe „nichts wie früher“. Lediglich Michael Hüther vom IW ist zurückhaltender und sagt, die Welt werde „nicht auf den Kopf gestellt durch die Pandemie“.

Überraschende Schocks werden oft überbewertet

Ich habe den Eindruck, dass die meisten Ökonomen die Auswirkungen übertrieben sehen. Wir neigen oft dazu, die langfristigen Auswirkungen von großen, einschneidenden, überraschenden Ereignissen zu übertreiben. Ich kann mich noch an Terroranschlag des 11. September erinnern, als es überall hieß, ähnliche Ereignisse würden sich jetzt häufig wiederholen, es habe quasi ein neues Zeitalter des Terrors begonnen, nichts werde wieder wie früher sein. Als die ISIS-Terrroristen mit schrecklichen Taten die Welt in Atem hielten, hörte man, es werde viele Jahrzehnte dauern, bis ISIS besiegt sei. Heute hört man kaum noch etwas von dieser Terrorgruppe.

Die wahren Gefahren werden verdrängt

Ich denke, dass es Entwicklungen in unserer Gesellschaft gibt, die langfristig viel gefährlicher sind als die Corona-Krise und die staatlichen Reaktionen darauf. Dazu zähle ich die sukzessive Zurückdrängung von Marktwirtschaft zugunsten planwirtschaftlichen Denkens, die wir in vielen Ländern beobachten können, besonders stark in Deutschland. Wenn etwa die deutsche Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Wohnungswirtschaft sukzessive in eine Planwirtschaft verwandelt werden, dann hat das langfristig gravierendere Auswirkungen als die vorübergehende Schließung von Gaststätten und Hotels.

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