Vorstandsinterview mit Franz Ömer von bet-at-home.com Flexible Wettkunden ermöglichen eine stabile Dividendenpolitik

11.05.2020, 10:39  |  1573   |   |   

Im Interview mit FinanzNachrichten.de sprach Vorstand und Mitbegründer der bet-at-home.com AG (WKN A0DNAY, ISIN DE000A0DNAY5, Aktien-Kürzel ACX), Dipl.-Ing. Franz Ömer, über die neu gemeldeten Quartalszahlen vom 31.3.2020.

FinanzNachrichten.de (FN): Sehr geehrter Herr Ömer, im Q1/2020 lag der Brutto-Wett- und Gamingertrag im Segment Online-Sportwetten bei 13,7 Mio. Euro (nach 14,9 Mio. Euro im Q1/2019) sowie im Segment Online-Gaming bei 18,6 Mio. Euro (nach 22,3 Mio. Euro im Q1/2019). Wir hätten erwartet, dass die zuhause sitzenden Leute nun mehr Casinospiele spielen. Warum gab es diese Rückgänge? Sie verweisen auf einen Wegfall von Geschäft in der Schweiz und Polen. Liegt es daran bzw. welche Veränderungen gab es in diesen beiden Ländern?

FRANZ ÖMER: Q1/2020 war durch einen planmäßigen Rückgang sowohl in der Umsatzentwicklung als auch im EBITDA gekennzeichnet, der auf den Verlust wesentlicher Teile des Schweizer Marktes seit September 2019 und den deutlichen Rückgang des polnischen Marktes zurückzuführen ist. Daher entspricht die Entwicklung unseren Schätzungen, die der Guidance zu Beginn dieses Jahres zugrunde gelegt wurden. Aus diesem Grund haben wir auch zum Ergebnis des Q1/2020 unsere Erwartungen an das Gesamtjahr 2020 bestätigt, obwohl wir auch erste Auswirkungen von COVID-19 sehen, die immer noch innerhalb unserer Bandbreite liegen.

FN: Fußballspiele, Formel-1-Rennen oder Tennisturniere wurden aufgrund von COVID-19 abgesagt. Welche Arten von Sportwetten sind momentan überhaupt noch möglich bzw. welche Wetten sind derzeit beliebter als noch vor ein paar Monaten? In Ihrer Pressemitteilung zu den Quartalszahlen hatten Sie eSports oder "exotischere Ligen" angesprochen, die nun angeboten werden.

FRANZ ÖMER: Den Corona-Effekt spüren wir seit Mitte März, wo einfach der Großteil der Sportevents und Ligen abgebrochen bzw. verschoben wurde. Seitdem gibt es einen klaren Shift zu Randsportarten wie zum Beispiel Tischtennis in Russland oder Basketball in Taiwan. Zudem erlebt die Produktsparte eSports inmitten der Pandemie gewissermaßen einen Höhenflug.

Das Segment Online-Gaming mit den Sparten Online-Casino, Live-Casino, Virtual Sports, Games und Poker ist unverändert sehr wichtig, aktuell wohl wichtiger denn je, da im Q1 aber auch bereits im vorhergehenden Geschäftsjahr immerhin 57 % unseres gesamten Revenues darauf entfallen und durch das rein virtuelle Entertainment-Angebot uneingeschränkt angeboten werden kann.

FN: Kann man z.B. einen Fußball-Wettkunden motivieren auf etwas Anderes zu wetten oder wetten viele Stammkunden derzeit gar nicht?

FRANZ ÖMER:
Wir stellen seit dem Abbruch der Top-Ligen im Spitzensport Mitte März fest, dass unsere Kunden weiterhin nach Online-Entertainment suchen. Sprich, sie sind in dieser speziellen Situation mangels Alternativen auch offen, auf exotischere Ligen oder Randsportarten auszuweichen. Bet-at-home versteht sich als umfassende Online-Entertainment-Company, wo seither neben Fußball und Tennis bereits auf ein breites Wett- und Gaming-Angebot gesetzt wird.



FN: Ein Jahr mit einer Fußball-Europameisterschaft oder -Weltmeisterschaft gilt in der Wett-Branche Pi-Mal-Daumen als ein "Geschäftsjahr mit 13 Monaten". Nun hat 2020 doch nur 12, dafür werden aber 2021 und 2022 quasi "13 Geschäftsmonate" haben. Zu unserer Überraschung hat sich der Geschäftsausblick vom 9. März nun nicht verändert und Sie erwarten weiterhin einen Brutto-Wett- und Gaming-Ertrag zwischen 120 und 132 Mio. Euro sowie ein EBITDA zwischen 23 und 27 Mio. Euro nach 143,3 Mio. Euro bzw. 35,2 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2019. Haben Sie im März schon frühzeitig sehr vorsichtig geplant und mögliche Risiken (Verschiebung der EM) im Blick gehabt?

FRANZ ÖMER: Jahre mit Großereignissen sind sowohl aus sportlicher als auch operativer Sicht grundsätzlich immer von besonderer Bedeutung für bet-at-home. Dadurch, dass sich innerhalb der letzten Jahre der Umsatzanteil mehr zum Segment Online-Gaming verschoben hat, sehen wir die Großereignisse weniger als kurzfristigen Umsatzbringer, sondern vielmehr als Chance zur Akquise von Neukunden bzw. Reaktivierung von Bestandskunden.

In der aktuellen Situation haben wir unsere Marketingstrategie unmittelbar auf die Verschiebung der Europameisterschaft auf das Folgejahr angepasst, sodass im Q1/2020 und darüber hinaus noch keine wesentlichen Marketingvereinbarungen abgeschlossen wurden und demnach keine nennenswerten Kosten angefallen sind. Als Konsequenz wird bet-at-home im Folgejahr den Marketingschwerpunkt auf das zweite Quartal 2021 setzen.

Unter der Bedingung, dass Ligen in Europa bzw. weltweit innerhalb der nächsten Wochen wieder anlaufen, liegen wir nach aktuellen Planungsrechnungen sowohl im Umsatz als auch im EBITDA innerhalb unserer Guidance von 120-132 Mio. Euro im Brutto-Wett- und Gamingertrag sowie 23-27 Mio. Euro im EBITDA. Dabei wird es keine Rolle spielen, ob etwa zuerst die Ligen in UK, Deutschland, Spanien oder Italien starten. Wichtig wird sein, dass IRGENDEIN Sport stattfindet, zumal unsere Kunden auch bereits jetzt flexibel auf das Wettangebot reagieren.



FN: Die liquiden Mittel lagen per 31.3.2020 bei 55,3 Mio. Euro (31.12.2019: 54,8 Mio. Euro). Sie hatten für die (verschobene) Hauptversammlung vom 20.5. eine Dividendenzahlung von 2 Euro pro Aktie (14 Mio. Euro Ausschüttungsbetrag) angedacht. Ist nun die Überlegung, dass bei der vermutlich im Sommer oder virtuell stattfindenden HV weiterhin eine Dividende von 2 Euro auf der Tagesordnung vorgeschlagen wird? Mit 5,8 Mio. Euro Konzerngewinn im Q1/2020 und dem weiterhin schön profitablen Geschäft könnten Sie sich diesen Betrag wohl schon leisten, auch wenn die Ausschüttungsquote dann höher wäre als in manchem Jahr in der Vergangenheit?

FRANZ ÖMER: Zur Hauptversammlung und dem Dividendenbeschluss selbst ist es das Ziel der bet-at-home.com AG, die ordentliche Hauptversammlung relativ zeitnah, sei es physisch oder virtuell, abhalten zu können. Der Schutz der Gesundheit unserer Aktionäre, Mitarbeiter und Dienstleister hat für die Gesellschaf dabei oberste Priorität. Zum aktuellen Zeitpunkt wurde daher noch keine Hauptversammlung einberufen. Zum Ende des Q1/2020 beläuft sich die Cashposition im bet-at-home.com AG Konzern auf 55,3 Millionen Euro, was den Bedarf an liquiden Mitteln für das operative Geschäft und für die Deckung der Kundengelder in Höhe von 6,6 Millionen Euro zum Stichtag klar übersteigt. Somit halten wir selbstverständlich an unserem Vorschlag fest, der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 2 Euro pro Aktie zur Abstimmung vorzulegen.

Bet-at-home verfolgt keine allgemeine Dividendenpolitik, dass etwa X% vom EPS ausgeschüttet werden. Vielmehr wollen wir den grundsätzlichen Trend zur jährlichen Steigerung der ordentlichen Dividende beibehalten.

FN: Herr Ömer, wir bedanken uns herzlich für das interessante Interview!

Die Fragen stellte Markus Meister



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