WIRECARD IM FOKUS Börsen-Schmuddelkind oder Tech-Vorbild?

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
13.05.2020, 13:39  |  4350   |   |   

ASCHHEIM (dpa-AFX) - Anleger hatten sich mit der Sonderprüfung der Bücher wieder ein wenig Normalität beim Zahlungsdienstleister Wirecard gewünscht. Doch bekommen haben sie noch mehr Ungewissheit rund um die Bilanzierungsgepflogenheiten bei den Aschheimern. Die wollen nun mit den vorläufigen Zahlen zum ersten Quartal an diesem Donnerstag (14. Mai) ihr eigentliches Geschäft wieder in den Vordergrund rücken.

WAS IM UNTERNEHMEN LOS IST:

Vorstandschef Markus Braun, der mit 7 Prozent einer der größten Anteilseigner ist und der das Unternehmen zu dem gemacht hat, was es heute ist, wollte durch die im Oktober eingeläutete Sonderprüfung der Bücher mit dem Image des Dax-Schmuddelkindes eigentlich aufräumen.

Gelungen ist ihm das nicht, nun muss er als Folge des Sonderberichts der Wirtschaftsprüfer von KPMG sogar Macht im Unternehmen abgeben und entschuldigte sich zuletzt bei Aktionären, Kunden, Partnern und Mitarbeitern für die Turbulenzen. Bedeutende Investoren hatten gar gefordert, das Aushängeschild des Tech-Konzerns soll seinen Posten räumen. "Wirecard hat unter seiner Ägide nicht die Qualität eines Dax-Konzerns erlangt", sagte etwa Ingo Speich von der Sparkassen-Fondstochter Deka der "Wirtschaftswoche".

Nach dem angekündigten Vorstandsumbau soll sich Braun nun vorwiegend um die Strategie kümmern, im Vorstand soll eine neue starke Person fürs Tagesgeschäft und eine weitere für den Vertrieb installiert werden. Ob das den Einfluss Brauns maßgeblich beschneidet, wird sich zeigen müssen. Auch bisher gab er schon vor, sich maßgeblich mit den grundlegenden Weichenstellungen und der technologischen Weiterentwicklung zu befassen.

Seine rechte Hand Jan Marsalek, bisher im Vorstand für das Tagesgeschäft zuständig und ebenfalls stark in der Kritik, muss sich jedenfalls mit weniger Gewicht im Vorstand zufrieden geben. Das umstrittene Drittpartnergeschäft bleibt aber in seinen Händen. In der obersten Führungsebene wird zudem künftig der Amerikaner James Freis die Einhaltung von Regeln überwachen, der das bisher bei der Deutschen Börse tat.

Die Buchprüfer von KPMG konnten und wollten Wirecard nach monatelanger forensischer Prüfung nämlich an einigen entscheidenden Stellen weder in Summe Unbedenklichkeit bescheinigen, noch attestierten sie rundweg ein Fehlverhalten. Viele Fragen blieben für sie stattdessen nach eigenem Bekunden offen: Wie steht es um die Existenz und Höhe der Umsätze aus dem großen Drittpartnergeschäft, über das Wirecard Geschäfte in Ländern ohne eigene Lizenz abwickelt? Warum gibt es für rund eine Milliarde Euro von Drittpartnern auf Treuhandkonten gezahlte Beträge keine ausreichenden Kontoauszüge? Wer ist der Begünstigte eines Unternehmenszukaufs in Indien?

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