Die volle Bandbreite Nachwehen des KPMG-Berichts lassen nicht nach – Wirecard droht viel Ärger und krempelt den Laden um

14.05.2020, 13:51  |  34705   |   |   

Wirecard hat Konsequenzen aus dem stark kritisierten KPMG-Bericht gezogen und seinen CEO Markus Braun entmachtet sowie einen Compliance-Beauftragten eingesetzt. Die Finanzaufsicht Bafin steht bei den Aschheimern bereits auf der Matte. Zudem hat Wirecard seit gestern eine weitere Klage am Hals. Börsenexperte Klaus Brune vom Platow-Verlag bewertet für wallstreet:online die Ereignisse rund um den Finanzdienstleister.

Der Sonderprüfungsbericht des Wirtschaftsprüfers KPMG, der Schwächen bei der Organisation und Dokumentation von Wirecard offengelegt hatte, werde mit Hochdruck analysiert, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld am Dienstag dem Handelsblatt.

Unter anderem prüfe die Bafin, ob Wirecard vor der Veröffentlichung des Berichts Anleger falsch informiert hat. Kommunikationsschwierigkeiten beim DAX-Konzern macht auch der Leiter des Börsenressorts beim Platow-Verlag, Klaus Brune, aus. Exklusiv gegenüber wallstreet:online sagte er: „Dass Braun in der Woche vor der Vorlage des KPMG-Berichts von einem Freispruch in allen Punkten für sein Unternehmen sprach, erweist sich als Boomerang.“ Weiter gehe er davon aus, dass Wirecard sich demnächst mit Anwaltskanzleien und Sammelklagen herumschlagen muss und ihnen währenddessen die Bafin aufmerksam auf die Finger schaut.

Klage kommt auf Wirecard zu

Die erste Anzeige ließ nicht lange auf sich warten. Gestern reichte die Rechtsanwaltskanzlei Tilp gegen den Dax-Konzern eine Klage wegen verschiedener falscher, unterlassener oder unvollständiger Kapitalmarktmitteilungen ein. Betroffen seien Aktienkäufe zwischen dem 24. Februar 2016 und dem 27. April 2020, wie die Kanzlei mitteilte. Einen Tag später wies ein Sprecher von Wirecard die erhobenen Vorwürfe und die geltend gemachten Schadensersatzansprüche entschieden zurück. „Wirecard hat zu allen Zeiten nach bestem Wissen und Gewissen und entsprechend der gesetzlichen Informationspflichten kommuniziert“, heißt es auf der Webseite. Dem Ausgang des Verfahrens sehe man gelassen entgegen.

Börsenexperte Brune hält weiter große Stücke auf Markus Braun, auch wenn dieser sich mit seiner Kommunikation zuletzt keinen Gefallen getan habe. „Dieser charismatische Konzernlenker tut Wirecard gut – dies hören wir immer wieder bei unseren Gesprächen mit informierten Personen. Er ist ein Treiber und Macher, der dieses deutsche Einhorn maßgeblich geformt hat“, so Brune. Aus dem „Opfer“ Wirecard, das direkt nach den Vorwürfen der Financial Times sogar auf die Rückendeckung der Bafin zählen konnte, sei zumindest ein befleckter Mittäter geworden, der Vorwürfe gegen sich nicht restlos ausräumen kann.

Entmachtung von CEO Markus Braun

Wirecard reagierte auf die jüngsten Entwicklungen und entmachtete den Vorstandsvorsitzenden Markus Braun bereits am vergangenen Freitag. Künftig soll er schwerpunktmäßig die strategischen Allianzen, die Geschäftsentwicklung und die Koordination, aber nicht mehr die Kommunikation mit Investoren verantworten. Außerdem will Wirecard zwei offene Vorstandsposten besetzen, einen Chief Operating Officer (COO), der das operative Geschäft, Personalwesen und die Tochtergesellschaften verantworten soll, sowie einen Vertriebsvorstand.

Bereits besetzt wurde das neugeschaffene Ressort Recht, Vertragswesen und Compliance. Der US-Amerikaner James Freis soll hier ab Juli übernehmen. Klaus Brune begrüßt diesen Schritt und die neue Aufgabenverteilung. Freis ist für ihn die richtige Wahl als Compliance-Chef. Dieser habe schließlich „schon bei der Deutschen Börse gezeigt, dass er in diesem – vor allem im angelsächsischen Raum – wichtigen Ressort für klare Strukturen und Vorgaben sorgen kann."

Eine wesentliche Baustelle sieht Brune im Umgang mit den Geschäften mit Drittpartnern. Er hoffe darauf, dass Freis und Braun in ihrer Zusammenarbeit künftig stärker auf eigene Lizenzen in Drittländern setzen. „Das würde das Wachstum zwar drosseln, aber die Qualität und Transparenz der eigenen Zahlen deutlich erhöhen.“

Ausblick

Nach den deutlichen Verlusten nach dem KPMG-Report, kann sich die Aktie von Wirecard seit Anfang Mai ungefähr bei der 85-Euro-Marke halten. Für Brune „ist die Aktie angesichts ihrer ungebrochenen Wachstumsdynamik katastrophal unterbewertet.

Wirecard

Die Umsätze werden in den kommenden Jahren um etwa 25%, das EBITDA sogar mit rund 30% pro Jahr noch etwas stärker zulegen können“. Die Gretchenfrage wird sein, ob es nach dem Umbau gelingt, „den Freigeist Braun weit genug einzufangen und ihn gleichzeitig seine Kreativität ausleben zu lassen“. Anleger bei Wirecard seien derzeit gut beraten, abzuwarten, glaubt Brune.

Autor: Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion



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