Vom Trend profitieren Die Zukunft ist grün: Ideen für mehr Nachhaltigkeit im Depot

15.05.2020, 17:51  |  9582   |   |   

Ressourceneffizienz, Biodiversität und Umweltschutz – Mit ihrem "Green Deal" drückt die EU-Kommission beim Thema Nachhaltigkeit aufs Tempo. Was bedeutet das für Unternehmen und Anleger? Markus Frohmader von Smart Investor erklärt, welche Ansätze es gibt und wie Investoren vom Nachhaltigkeitstrend profitieren können. 

Klimawandel und Zwei-Grad-Ziel

Im Rahmen der internationalen Klimapolitik soll die globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 auf weniger als zwei Grad im Vergleich zum Niveau vor der Industrialisierung begrenzt werden. Ob dieses Ziel, welches auch im Pariser Abkommen von 2015 formuliert wurde, mit menschlichen Eingriffen erreicht werden kann, ist umstritten. Die europäische Politik jedenfalls hat ehrgeizige Pläne. Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. Das EU-Klimagesetz schafft die rechtliche Basis und Rahmenbedingungen für Industrie und Investoren. Die gewünschten Maßnahmen zielen auf Ressourceneffizienz, Biodiversität und Umweltschutz ab.

Alle Wirtschaftssektoren werden vom Green Deal betroffen sein: So ist u.a. vorgesehen, umweltfreundlichere und kostengünstigere Formen des öffentlichen und privaten Verkehrs zu schaffen, den Energiesektor zu dekarbonisieren, die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen oder auch Innovationen in der Industrie zu fördern. Die zusätzlichen Investitionen in Höhe von 260 Milliarden Euro jährlich bzw. 1,5 Prozent des 2018er-Bruttoinlandsprodukts sollen private wie auch öffentliche Investoren schultern. Diese versprechen mehr Wachstum – was auch notwendig ist, da dieses anderenorts durch massive Eingriffe wegbricht.

Die Umsetzung in den einzelnen Ländern erscheint allerdings durchaus schwierig, vor allem dann, wenn nicht alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Blickt man auf die ohnehin gebeutelte, aber dennoch für den deutschen Arbeitsmarkt so wichtige Automobilindustrie, sind die Nebenwirkungen der politischen Vorgaben heute schon zu spüren. Der Jobmotor der einstmals boomenden erneuerbaren Energien ist ebenfalls ins Stottern geraten. Bis 2030 sollen hierzulande zwar 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden – momentan kann man das Erreichen dieses Ziels jedoch getrost bezweifeln.

Der Streit in der Koalition über die Abstandsregelung für Windkraftanlagen zu Wohnhäusern lähmt. Experten schätzen, dass man das Ziel um bis zu zehn Prozent verfehlen wird, sollte es bald keine Einigung geben, um den weiteren Ausbau voranzubringen und auch für bereits fortgeschrittene Bauvorhaben für Rechtssicherheit zu sorgen. Der weitere Ausbau der Fotovoltaik dürfte auch ins Stocken geraten, wenn die Deckelung der Förderung nicht bald beseitigt wird. Die vielversprechende Wasserstoffstrategie, mit der bis 2030 bis zu zehn Gigawatt Kapazität für die Produktion von Grünstrom aus Wasserstoff ermöglicht werden soll, setzt allerdings einen beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren voraus.

Chancen für Investoren

Die hohen zu mobilisierenden Summen stellen im Niedrigzinsumfeld durchaus eine Chance für Kapitalsammelstellen wie Versicherungen und Versorgungswerke dar. Doch auch Einzelpersonen können mit gezielter Selektion partizipieren. Der Gesetzgeber hat bereits die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, mit der die Anlagesummen kanalisiert werden können. Anlageberater müssen ab 2021 ihre Kunden über die Nachhaltigkeit ihrer Investitionswünsche aufklären. Verschiedene Kriterien charakterisieren dabei mögliche Investitionsziele und stellen gleichzeitig Prüfungspunkte dar, die eine nachhaltige Anlage erfüllen muss. Die fehlenden, allgemein gültigen Standards und die Vielfalt von Begriffen sorgen allerdings häufig für Verwirrung.

Woran lässt sich Nachhaltigkeit erkennen?

Bei nachhaltigen Geldanlagen findet sich oft die Abkürzung ESG. Diese steht für Environmental, Social und Governance und bezeichnet die Kriterien, die Anlagen hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialen Wirkung erfüllen müssen, sowie die verantwortungsvolle Führung betroffener Unternehmen. Socially Responsible Investing (SRI) betrachtet ein potenzielles Investment vor allem unter sozialer und ethischer Verantwortung. Eine weitere Investmentstrategie basiert auf den Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen; man spricht hierbei von SDG-Investing. Der Umwelteinfluss wird vermehrt mit dem CO2-Fußabdruck gemessen, der die Klimaverträglichkeit von Anlageprodukten vergleichbar machen soll. Fonds mit Themenbezug, wie Wasser, erneuerbare Energien oder auch mit Fokus auf Regionen, ermöglichen ein gezieltes Engagement.

Weitere Begriffe

Im Rahmen des Impact Investing beteiligt sich der Investor am Eigen- oder Fremdkapital von Unternehmen, um nicht nur an deren wirtschaftlichen Erfolg zu partizipieren, sondern auch an dessen sozialen und umweltbezogenen Aktivitäten.

Mit Active Ownership beeinflusst der Anleger dagegen im direkten Kontakt die Unternehmensführung und unterbindet damit unerwünschtes Verhalten. Mit dem Best-in-Class-Ansatz konzentriert sich die Auswahl von Unternehmen auf die besten in der Branche oder in einer Region. Durch die Verwendung von Ausschlusskriterien werden hingegen von vornherein Branchen oder Firmen exkludiert, die erst gar nicht in den Analyseprozess einbezogen werden sollen. Beispiele können Waffenproduzenten, Tabakunternehmen oder auch Glücksspielanbieter sein. Weniger zweifelsfrei sind dagegen diejenigen Unternehmen, die zwar keine eindeutigen Ausschlusskriterien erfüllen, aber durchaus in der Kritik stehen. Dies kann etwa auf das Verhalten des Managements zurückzuführen sein, wenn es zum Beispiel um die Auftragsannahme aus kontrovers diskutierten Sektoren oder Regionen geht.

Beispiel init

init innovation in traffic systems vermeldete für 2019 einen Rekordumsatz. Mit einem Anstieg von 15 Prozent auf rund 156 Millionen Euro und einem EBIT von ca. 16 Millionen Euro sorgten vor allem die Bereiche E-Ticketing und E-Mobilität für Wachstum. Der Auftragsbestand des Telematikspezialisten bezifferte sich per Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres auf 160 Mio. EUR. Auch für das laufende Jahr sieht das Management zweistellige Wachstumsraten. Bei einem Umsatz von 180 Mio. EUR wird ein Gewinn vor Zinsen und Steuern in einer Spanne zwischen 18 Mio. und 20 Mio. EUR erwartet.

Trotz konjunktureller Risiken gehen die Karlsruher von anziehenden Infrastrukturinvestitionen in den USA sowie klimapolitischen Investitionen in Deutschland und Europa aus und scheinen von den Auswirkungen der Corona-Krise bisher nicht betroffen zu sein. Das Unternehmen fördert mit seinem Dienstleistungsangebot einen klimaschonenderen Verkehr und trägt zu einer besseren Ressourcenverwendung bei.

Beispiel Deutsche Telekom

Ob Streaming, der neue Mobilfunkstandard 5G oder auch Industrie 4.0: Die Deutsche Telekom steht für viele innovative Anwendungen, die hohe Übertragungsraten benötigen. Nun stellt der heimische Platzhirsch nach der Übernahme von Sprint in den USA mit seiner US-Tochter T-Mobile die Weichen auf Wachstum. Das Unternehmen steht mit seinen Dienstleistungen für Infrastruktur, Ressourceneffizienz sowie Innovation und deckt damit wichtige Kernbereiche der Nachhaltigkeit ab.

Beispiel Encavis

Mit starken Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 konnte Encavis überzeugen. Bei einem Umsatzzuwachs in Höhe von 10 Prozent auf 273,8 Millionen Euro und einem EBIT, welches um 16 Prozent auf 132,2 Millionen Euro zulegte, stellen die Hamburger eine Dividende von 26 Cent in Aussicht. Damit liegt die Dividendenrendite bei nahezu 2,7 Prozent – mit deutlich steigender Tendenz. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein von der Corona-Pandemie unbeeinträchtigter Umsatz von 280 Millionen Euro und ein EBIT von gut 130 Millionen Euro erwartet. Dynamischer sieht der mittelfristige Wachstumstrend des Solar- und Windparkbetreibers aus: Bis 2025 soll die Stromerzeugungskapazität von 2,4 Gigawatt um mehr als 40 Prozent auf 3,4 Gigawatt steigen und einen Umsatz von rund 440 Millionen Euro erwirtschaften. Mit dem Grünstromspezialisten setzen Investoren auf die zunehmende Bedeutung sauberer Energie.

Geht Nachhaltigkeit zulasten der Rendite?

Fraglich ist, ob ein Nachhaltigkeitsinvestment mit Abstrichen in der Rendite einhergehen muss. Hierzu werfen wir einen Blick auf den Vergleich des EURO STOXX 50 mit seinem nachhaltigen Pendant, dem EURO STOXX Sustainability 40. Letzterer liefert auf Sicht von drei Jahren eine relativ bessere Wertentwicklung als sein Vergleichsindex ab.

Fazit

Der Green Deal setzt Impulse in Europa, auch wenn die Wirkung der Maßnahmen möglicherweise nicht zur erwünschten Temperaturreduzierung führen. Augenmaß und eine Mischung aus verschiedenen Maßnahmen erscheinen notwendig, um vor allem die öffentliche Akzeptanz für die zum Teil drastischen Eingriffe nicht zu verlieren. Insbesondere erscheinen Energieversorger als die neuen Wachstumswerte. Der steigende Energiebedarf durch die Verbreitung der E-Mobilität, die Einführung von 5G sowie von Industrie 4.0 dürfe zu einem Boom in diesem Sektor führen.

Eine mittlerweile breite Auswahl von Fondsprodukten ermöglicht dem nachhaltigkeitssuchenden Investor thematisch fokussierte Strategien wie auch breit diversifizierte Ansätze. Aufgrund der eingeschlagenen politischen Richtung und der gestiegenen Popularität dürften die verwalteten Vermögen in nachhaltigen Anlageprodukten weiter zulegen und somit die entsprechenden Firmen beflügeln. In den Tabellen finden Sie neben nachhaltigen Unternehmen auch aktiv gemanagte Aktienfonds und ETFs.

Autor: Markus Frohmader

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(Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 05/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 17.04.2020 erfasst wurden.)



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