Sahra Wagenknechts Globalisierungskritik

Gastautor: Rainer Zitelmann
21.05.2020, 12:06  |  2138   |   |   

Die Corona-Krise hat zu einer neuen Welle populärer Globalisierungskritik geführt. Sahra Wagenknecht springt auf diesen Zug auf.

Sahra Wagenknecht hat in der Vergangenheit schon häufig kräftig daneben gelegen mit ihren ökonomischen Ratschlägen. Vor sieben Jahren pries sie Venezuelas Hugo Chávez als „großen Präsidenten“, der „mit seinem ganzen Leben für den Kampf um die Gerechtigkeit und Würde stand“. Chávez, so Wagenknecht, habe bewiesen, dass ein „anderes Wirtschaftsmodell möglich sei“.

Die hungernden Menschen in Venezuela müssen es als Hohn empfinden, wenn diese Version des Sozialismus als vorbildlich empfunden wird. Und sein Wirtschaftsmodell als positives Beispiel anzuführen, an dem wir uns orientieren sollten, ist geradezu absurd (nebenbei: Wagenknechts in der Hauptstadt regierende Genossen machen seit einigen Jahren genau dies.)

Wagenknecht nimmt jetzt in der Corona-Krise die Gelegenheit auf, die Anti-Globalisierungs-Stimmung zu schüren. In einem Gastbeitrag für Focus fordert sie:

„Deshalb ist es Zeit für eine Grundsatzdebatte. Ist die Globalisierung, wie sie sich seit den 1980er Jahren mehr und mehr durchgesetzt hat, Fluch oder Segen? Wer profitiert, wer verliert? Sollen wir versuchen, sie über die Krise zu retten, oder ist es im ureigenen Interesse Deutschlands, andere Wege zu gehen?“

Wer profitiert von der Globalisierung?

Ja, wer profitiert von der kapitalistischen Globalisierung seit den 80er Jahren? Niemals in der Geschichte sind Hunger und Armut auf der Welt so rasch und dramatisch zurückgegangen wie genau in diesem Zeitraum. Der Anteil der Weltbevölkerung, der in extremer Armut lebt sank von 44,3 Prozent im Jahre 1981 auf heute unter zehn Prozent.

Wagenknecht weiß das natürlich auch und verschweigt es nicht, aber diese Tatsache wird in ihrem langen Artikel nur in wenigen kargen Sätzen erwähnt, die beeindruckenden Zahlen lässt sie lieber ganz weg. Sie schreibt: „„Profitiert hat dagegen die Mittelschicht aufstrebender Schwellenländer, vor allem Südostasiens. Hohe Zugewinne für große Teile der Bevölkerung gibt es in China.“

Doch dann kommt sie zur eigentlichen Botschaft. Denn dass 1,25 Milliarden Menschen bitterster Armut entkommen sind, ist für sie weniger wichtig als die Tatsache, dass die Zahl der Milliardäre gestiegen ist und hoch qualifizierte Menschen in Europa und Amerika profitiert haben: „Der größte Gewinner der Globalisierung aber sind die reichsten 1 Prozent der globalen Einkommenspyramide, darunter der internationale Club der Milliardäre, deren Vermögen geradezu explodiert ist, aber auch eine neue gehobene Akademikerklasse, die in den trendigen Innenstadtvierteln der westlichen Metropolen lebt und in hochbezahlten Dienstleistungsberufen von Beratung, Finanzen und IT bis zu Webdesign und Werbung arbeitet.“

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