Kursseitig: „Übergeordneter Abwärtstrend“ Erneute Termin-Schlappe: Wirecard kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen – Was Analysten und Anleger meinen

26.05.2020, 18:05  |  16784   |   |   

Nachdem die Jahreszahlen für 2019 ursprünglich am 30. April 2020 veröffentlicht werden sollten, ließ Wirecard den angepeilten Veröffentlichungstermin am 4. Juni platzen. Wirecard will seine Bilanz nun am 18. Juni herausgeben. Was signalisieren diese Terminverschiebungen in Serie?

Angeblich konnten nicht alle Prüfungen von den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young abgeschlossen werden. Weiter heißt es, dass das Unternehmen ein uneingeschränktes Testat erwarte. Bisher gebe es „keine wesentlichen Feststellungen“, wie in dem Schreiben steht.

Christoph Geyer, CFTe Technischer Analyst und stellvertretender Regionalmanager der VTAD Frankfurt ordnet für wallstreet:online die neueste Meldung von Wirecard technisch ein: „Während die Gerüchte um die Bilanz manchmal zu heftigen Kurseinbrüchen führen, wurden dieselben Nachrichten zu einem anderen Zeitpunkt völlig ignoriert. Die Verschiebung des heutigen Termins hatte ebenfalls keinen Einfluss auf die Kursfindung. Fakt ist, dass sich der Kurs seit dem Jahr 2018 in einem übergeordneten Abwärtstrend befindet und zuletzt ein neues Tief generiert wurde, zu einem Zeitpunkt als sich viele Dax-Werte bereits erholt haben.“

Auch wenn eine Gegenbewegung in den Bereich von 100 Euro kurzfristig möglich sei – wie die Indikatoren eine solche derzeit anzeigen – sollte von einem Ende des übergeordneten Abwärtstrends nicht ausgegangen werden, sagt Geyer.

Wirecard

Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst von Sphene Capital, sieht den Vorgang sehr kritisch. Exklusiv gegenüber wallstreet:online erklärte er: „Das letzte Mal, als eine vergleichbare Formulierung gewählt wurde, war vor vier Wochen, als der Kapitalmarkt auf die Ergebnisse des KPMG-Berichts vorbereitet werden sollte. Damals lagen angeblich keine Belege für Bilanzmanipulation vor. Doch als der Bericht veröffentlicht wurde, verlor die Aktie ein Drittel ihres Wertes.“ In Anbetracht der Ereignisse in den vergangenen Monaten stellt sich Hasler die Frage, ob es wirklich noch Gutgläubige gebe, die sich die Lage schönredeten und meinten, alles wäre in Ordnung.

Das sagen die User

Ein Blick in das Wirecard-Forum auf wallstreet:online zeigt, zu welchen Unmutsäußerungen die erneute Terminverschiebung bei den Usern führte. Anglers04 schreibt: „Es nervt gewaltig, immer wenn es mal gen Norden geht, kommt nachbörslich ein Dämpfer – egal aus welcher Richtung. Als Aktionär brauchst du hier Nerven aus Drahtseilen. Das muss ein lupenreines Testat werden und in Zukunft die Termine so gesetzt werden, dass sie auch eingehalten werden. Von meiner Dividende kauf ich mir Baldriantropfen.“

WOPaul: „Man kann es sich schönreden, wie man will. Tatsache ist, es ist ein erneuter Vertrauensverlust. Die weitere Verschiebung der Konzernbilanz lässt weitere Zweifel an das Unternehmen aufkommen. Wirecard hat aus seinen Fehlern einfach nichts gelernt und wird dies, solange die falschen Leute in den wichtigen Positionen sitzen, nicht tun!“

CapCheck33: „Die wiederholte Verzögerung ist ein Unding nach der ganzen Vorgeschichte. Unfassbar! Ich habe mich wie gesagt, der Musterklage angeschlossen. Es besteht weiterhin das Risiko, dass je später der Abschluss vorliegt, auch die Börsenstimmung generell kippt. Jetzt wäre zumindest ein guter Zeitpunkt gewesen. Verpasst!“

Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion



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5 Kommentare

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Kommentare

Das andere Berichte das ganz anders sehen und einige meinen das es in der Corona Zeit nicht so einfach war für einen internationalen Konzern mit 2 Mrd Umsatz und Millionen von transaktionen alle für das testat notwendige Dokumente und Fragen zu klären, sieht dieser Bericht nicht. Das seit zwei Jahren ein lehrverkäufer Bashing besteht indem sogar journalisten verwickelt sind ist manch freier Presse auch kein Wort wert. Und der Satz " damals lagen angeblich keine bilanzmanipulationen vor"??? Die forensische Überprüfung von KPMG hat trotz ausheben von original Rechnungen usw. keine Manipulationen gefunden, und bei ca. 20% gab es von dritt finanzunternehme zu wenig kooperation. Wo kommt das angeblich her? Bei einer steuerprüfung die nichts ergibt kann der Prüfer auch nicht eine Manipulation in den Raum stellen wenn er gleichzeitig sagt er findet keine? Wenn ich wirecard wäre, wäre ich ab der ersten Mrd Gewinn in den USA an der Börse, die Unterstützung in Deutschland ist trotz erfolgsstory zum k......
Wieder ein sehr einseitiger Bericht. Am selben Tag gab es zig Forenbeiträge, die das Wirecardthema positiv sahen. Gibt es denn noch Journalismus ohne Eigeninteresse?

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