Rocket Internet: Deckt CASH den Börsenwert ab? Rocket Internet: Sollte Oliver Samwer die Börse verlassen?

27.05.2020, 01:40  |  2058   |   |   

Wir hatten es schon in 2019 prophezeit: Oliver Samwer, CEO von Rocket Internet und die Börse werden in diesem Leben wohl keine großen Freunde mehr werden. Wir korrigieren heute: Oli und die Börse: Das passt einfach nicht, auch diese beide werden in der Zukunft keine Freunde sein. Das Geschäftsmodell ist schlicht zu wenig nachhaltig, um attraktiv für Investoren zu sein. Nach ein paar für Rocket Internet zumindest guten Börsengängen in 2017 und 2018, herrscht jetzt erst einmal Ebbe in der Pipeline.

Die Börsendebüts aus 2019 von Jumia in New York und Global Fashion Group erwiesen sich bereits als äußerst schwach. So ist die panafrikanische E-Commerce-Plattform Jumia böse abgestürzt und auch der Online-Modehändler war schon direkt nach dem Börsengang ein echter Bettvorleger. Die Aktie stürzte im Corona-Crash sogar fast auf Pennystock-Niveau herab, um sich zwischenzeitlich wieder zu verdoppeln. An neue Börsengänge aus dem Portfolio von Rocket Internet ist erst einmal nicht zu denken. Weder in 2020 und vermutlich auch nicht in 2021. Vorbei auch die Träume zahlreicher Investoren, die indonesische Reiseplattform Traveloka.com für eine satte Bewertung an die Börse zu bringen. Über die auf den Kaimaninseln ansässige Traveloka Holding hält Rocket Internet einen Anteil von knapp 24 %. Im Falle eines Börsengangs hätte sich Samwer vermutlich über eine anteilige Bewertung von mehreren hundert Millionen Euro freuen können. Corona hat dem aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die gesamte Reisebranche wird sich von der Pandemie so schnell nicht erholen, was sich entsprechend negativ auch auf Traveloka und die Bewertung niederschlagen wird. Hier kann Samwer natürlich nichts für. Gegen Corona hat selbst er keine Chance.

Zu den wesentlichen Beteiligungen zählen per Ende März home24 mit einem Anteil von 11 % oder 2.8 Mio. Aktien sowie der Anteil von rund 18 % oder 38.9 Mio. Aktien an der Global Fashion Group. Bei der Westwing Group machte Samwer einst Kasse. Bei günstigen Kursen hat er die Beteiligung nunmehr wieder auf 25.4 % aufgestockt. Derzeit hat dieses Trio für Rocket Internet einen Wert von fast 130 Mio. Euro. Jüngst hat Samwer jedoch den steigenden Aktienkurs für Verkäufe genutzt und den Anteil an home24 auf ca. 8 % reduziert. Bei Jumia ist er bereits komplett ausgestiegen. Zum Aktienportfolio addieren sich per Ende März noch Anteile an verschiedenen liquiden Aktien im Volumen von über 300 Mio. Euro. Dazu zählen beispielsweise Anteile an Tele Columbus und United Internet. Bei United Internet hat Samwer in 2019 schon einmal Geld verdient. So schnell der Einstieg kam, so schnell kam auch der Ausstieg. Im März dieses Jahres stieg Samwer wieder bei United Internet ein mit einem Anteil von mehr als 3 %. Bei dieser Trading-Position dürfte Samwer gut vorne liegen. Per Ende März hat der CEO zudem noch Darlehen an Firmen ausgereicht, die sich insgesamt auf rund 600 Mio. Euro belaufen. Hier sehen wir aufgrund der Corona-Krise durchaus Kreditausfälle. Im Portfolio befinden sich zudem rund 200 Firmen, an denen Rocket Internet beteiligt ist. Per Ende Dezember 2019 belief sich der Wert dieses Portfolios auf ca. 1.1 Mrd. Euro. Hier befürchten wir den größten Korrekturbedarf, da die meisten Firmen noch sehr jung sind und vermutlich die aktuelle Krise nicht überleben werden.

Kern-Asset des Unternehmens ist aber der Nettobarbestand von 2.1 Mrd. Euro per Ende März. An der Börse kostet das gesamte Unternehmen lediglich 2.45 Mrd. Euro. Die gesamte Kapitalisierung ist in Cash und mit Aktien gut unterlegt. Die ausgereichten Darlehen an Dritte und das nicht notierte Beteiligungsportfolio gibt’s derzeit gratis. Vom aufsummierten Wert von bis zu 1.7 Mrd. Euro nehmen wir einen Abschlag von 50 %. Somit errechnet sich für Darlehen und Beteiligungen immerhin ein Wert von etwa 850 Mio. Euro, für den Aktionäre derzeit keinen einzigen Euro bezahlen wollen.

Wie von uns stets vorab kommuniziert, setzte Samwer im Dezember 2019 ein Aktienrückkaufprogramm mit dem Ziel um, bis zu 10 % der eigenen Aktien zu kaufen. Der Preis lag bei 21.50 Euro. Anfang des Jahres erfolgte der Einzug von über 13.5 Mio. Aktien, womit das Grundkapital, eingeteilt in 137.3 Mio. Aktien, reduziert wurde. Auf der jüngsten Hauptversammlung hat sich Samwer erneut ein Rückkaufprogramm genehmigen lassen. Wir gehen davon aus, dass er das Instrument auch in 2020 einsetzen wird, um unter anderem auch den Streubesitz weiter zu reduzieren. Mittelfristig halten wir weiterhin ebenfalls den kompletten Rückzug von der Börse für eine Option, über die der CEO und Großaktionär sicherlich immer wieder mal nachdenkt.

In der Corona-Krise gibt es zahlreiche Profiteure, weil sich der Konsumwandel in Richtung online beschleunigt. Schade, dass ausgerechnet die Internet- und Technologie-Holding von diesem Boom fast gar nicht zu profitieren scheint. Offensichtlich ist das gesamte Beteiligungsportfolio doch noch sehr, sehr jung. Im weiteren Fokus stehen Marktplätze und E-Commerce als auch Bereiche wie Fintech, Property Tech, künstliche Intelligenz und Machine Learning sowie die Themen E-Health und Software-as-a-Service. Bei Themen wie Blockchain und Kryptowährungen schaut Samwer aktuell nur zu. Hier fehlt es ihm bisher an der Überzeugung eines funktionierenden Geschäftsmodells.

Bei Kursen unter 18 Euro sehen wir in der Aktie mehr Chancen als Risiken und empfehlen das Papier erneut zum Kauf.

www.vorstandswoche.de

 

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