USA liefern Hydroxychloroquin zur Corona-Behandlung nach Brasilien

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
01.06.2020, 07:48  |  3580   |   |   

WASHINGTON/BRASÍLIA (dpa-AFX) - Die Vereinigten Staaten schicken entgegen medizinischer Empfehlungen zwei Millionen Dosen Hydroxychloroquin zum Einsatz gegen das Coronavirus nach Brasilien. Das Malariamittel soll zur Prävention bei Krankenschwestern und Ärzten sowie zur Behandlung von Infizierten eingesetzt werden, wie aus einer gemeinsamen Erklärung der beiden Länder vom Sonntag (Ortszeit) hervorging.

Um das Medikament zur Anwendung bei Corona-Patienten zu empfehlen, hatte das brasilianische Gesundheitsministerium jüngst seinen Leitfaden für Ärzte geändert. Gesundheitsminister Nelson Teich, selbst ein Mediziner, hatte gar um seine Entlassung gebeten, weil er anders als der rechte Präsident Jair Bolsonaro gegen den Einsatz war.

Hydroxychloroquin wird zur Behandlung von Malaria und bestimmten Autoimmunkrankheiten eingesetzt. Ob sich das Medikament auch zur Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 eignet, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Nebenwirkungen des Präparats hingegen gelten als gut erforscht. Unter anderem kann die Einnahme zu einem erhöhten Risiko für Herzrhythmus-Störungen führen.

Trotzdem versprechen sich einige, wie Bolsonaro oder US-Präsident Donald Trump, von dem Medikament Hilfe gegen die grassierende Coronavirus-Pandemie. Trump hatte Hydroxychloroquin als "Geschenk Gottes" gepriesen und das Medikament eigenen Angaben zufolge zumindest vorübergehend prophylaktisch eingenommen, um sich gegen eine Ansteckung zu schützen.

Brasilien entwickelt sich immer mehr zum neuen Zentrum der Corona-Pandemie. Die Zahl der gemeldeten Corona-Infizierten in dem größten Land Lateinamerikas ist auf mehr als eine halbe Million gestiegen. Fast 30 000 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus bislang gestorben./mfa/DP/fba



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Interessant, dass immer auf die gefährlichen Nebenwirkungen hingewiesen wird, wie Herzrythmusstörungen.
Patienten mit rheumatischer Arthritis nehmen von Hydroxychloroquin (HCQ) in der Regel in 5 Jahren bis zu 600 g, täglich 400 mg.
Manche in 5 bis 7 Jahren auch schon mal insgesamt 1000 g.
Dazu mindert es bei Lupus die Gefahr von Thrombosen.

In Frankreich wurde nun eine Studie mit 1061 Covid-19 Patienten veröffentlicht.
Niemand starb an Herzythmusstörung, acht an Problemen mit der Lunge.
5 waren ab Abfassung der Studie noch nicht entlassen, aber 1048 wieder geheilt.
Dazu war das Mittel auch noch mit Azithromycin kombiniert, was die Tendenz zu Herzrythmysstörungen prinzipiell auch noch verstärkt.
Allerdings waren gewisse Risikopatienten vorher aussortiert.
Leider gab es keine Placebo-Gruppe, werden die Forscher sagen.
Glücklicherweise gab es keine Plabogruppe, sagen vielleicht die Geheilten.
In der Türkei habe man die Rate an Covid-19 Lungenentzündungen dramatisch reduziert, indem man das Mittel früh nach Bekanntwerden einer Infektion gibt.
Die Zahl der COVID-19 Toten in der Türkei ist verglichen mit Deutschland auch bemerkenswert gering.
Dies bei gleicher Bevölkerungszahl und nur geringfügig weniger offiziell Infizierten.

Die Gefahr durch Hydroxychloroquin scheint mir irgendwie wahnsinnig hochgespielt und übertrieben. Natürlich müssen die Ärzte wissen, was sie tun, wem sie das Mittel besser nicht geben. Die meisten vertragen es aber.
30 Tabletten des Generikums kosten in der Apotheke 17,40 E.
Das reicht für die Behandlung eines Patienten.
Bei Remdesivir kommt man schnell auf mehrere 1000 E.
Am billigen Generikum Hydroxychloroquin kann sich keine große Pharmafiram eine goldene Nase verdienen. Sogar Entwicklungsländer können es sich leisten.
Jede geforderte Menge ist relativ leicht zu produzieren.

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