Vom Sinn zum Unsinn von Kapitalpolstern

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Gastautor: Raimund Brichta
11.06.2020, 15:04  |  489   |   

Manchmal sind Banken offenbar schlauer als ihre staatlichen Aufseher: Der Chef der EZB-Banken­auf­sicht, Andrea Enria, fordert die Banken doch allen Ernstes auf, sie sollten jetzt in der Krise ihre Kapitalpuffer schrumpfen und mehr Kredite vergeben. Schließlich habe ihnen die Aufsicht das erlaubt. Letzteres stimmt zwar, aber das eigenständige Denken scheint nicht Enrias Stärke zu sein. Denn:

Wozu sind Kapitalpuffer eigentlich da? Na klar: Um in der Krise ein Sicherheitspolster zu bieten. Welchen Sinn hat es also, dieses Polster ausgerechnet dann zu rupfen, wenn die Krise da ist? Das ist genauso, wie wenn man einen Regenschirm zuklappt, sobald es zu regnen beginnt.

Im Prinzip gibt Enria damit zu, dass das ganze Kapitalpuffergehabe der Bankensaufsicht nur Schein ist: Die Aufseher schreiben das Aufspannen eines Regenschirms nur dann vor, wenn es trocken ist.  Sobald ein Gewitter aufzieht, rufen sie dazu auf, die Schirme zuzuklappen.

 

Das ist zwar widersinnig, aber irgendwie doch verständlich. Es geht nämlich gar nicht anders. In unserem 2013 erschienenen Buch „Die Wahrheit über Geld“ habe ich es so formuliert:

 

“Aber so dick, wie sie eigentlich sein müssten, können die Polster gar nicht werden. Denn je mehr Eigenkapital die Banken für jeden Kredit vorhalten müssen, desto zögerlicher werden sie bei der Kreditvergabe sein. Wer nämlich zu wenig Eigenkapital im Verhältnis zu den vergebenen Krediten hat, kann diese Relation auch dadurch in Ordnung bringen, dass er einfach die Kredite kürzt. Gerade dies aber ist in unserem Geldsystem fatal, in dem eine stetig steigende Kreditvergabe erforderlich ist.


Schon jetzt macht das Reizwort „Kreditklemme“ hin und wieder die Runde. Es beschreibt die Gefahr, dass diejenigen, die auf Kredite angewiesen sind, nicht mehr an genügend Geld kommen. Je dicker die Polster bei den Banken also sein müssen, desto dünner wird hier die Luft. Da aber niemand am Erstickungstod des Systems schuld sein will, dürfte sich dieses Spannungsfeld letztendlich zugunsten der Banken und ihrer Kreditvergaben auflösen.“

Damit bewahrheitet sich eine weitere Erkenntnis aus dem Buch. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich eine Prognose daraus im Realitäts-Check bestätigt. Stay tuned!


Weiterlesen auf: https://wahre-werte-depot.de/vom-sinn-zum-unsinn-von-kapitalpolstern/

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