Interview André Wreth, Geschäftsführer Solvium Capital, Hamburg Zu Wasser, zu Lande und in der Luft

Gastautor: Martin Brosy
12.06.2020, 09:41  |  429   |   |   

Schrei vor Glück, wenn der Postmann 3 Mal klingelt und meint: drei, zwei eins… Deins. Der Onlinehandel boomt, fast überall auf der Welt. Es gibt so gut wie nichts, was Menschen nicht im Internet bestellen können. Und Vieles kommt aus fernen Ländern. Damit Handy, T-Shirts & Co. bezahlbar bleiben, bedarf es auch einer ausgefeilten Logistik und effizienter Logistikausrüstung zum Umschlag. Dies sind in der Regel Schiffscontainer und Wechselkoffer. „Mit beiden können Anleger auch gutes Geld verdienen“, erklärt André Wreth*) im Interview. Der 43-Jährige ist Geschäftsführer des Hamburger Logistikspezialisten Solvium Capital.

Herr Wreth, was verbinden Sie mit dem Jahr 1956?

André Wreth: Auch wenn ich damals noch nicht auf der Welt war, so Einiges. Ich vermute aber, dass Sie auf Folgendes anspielen: In jenem Jahr 1956 verschiffte der Amerikaner Malcolm McLean als Erster 58 Container von Newark nach Houston. Fünf Jahre später legte die Internationale Organisation für Normung (ISO) zum ersten Mal weltweit gültige Maße für die ISO-Container fest. Solche Container und auch die sogenannten Wechselkoffer sind Logistikausrüstungen, die den heutigen (Welt)Handel erst möglich machten und überdies auch eine gute Geldanlage sein können. Wir bei Solvium Capital betreiben dieses Geschäft bereits seit rund einem Jahrzehnt sehr erfolgreich.

Logistik und Welthandel haben ein gleichsam symbiotisches Verhältnis. Das eine kann nicht ohne das andere. Wie war die Entwicklung in den vergangenen Jahren?

André Wreth: Mindestens im Gleichgang mit dem Wachstum der Weltwirtschaft und dem zunehmenden Bedarf der Menschen an Konsumgütern, wuchsen die Anforderungen an eine optimierte Logistik und damit auch die Nachfrage nach Logistikequipment. Auch die seit Wochen dauernde Corona-Pandemie zeigt, wie lebensnotwendig Logistik ist. Die Versorgung der Weltbevölkerung und der Weltwirtschaft sind die Kernaufgaben von Logistik. Das sorgt mittel- und längerfristig für ein kontinuierliches Branchenwachstum sorgen. Es ist beinahe unvorstellbar: Weltweit werden derzeit nahezu 30 Millionen Container beladen und auf Schiene, Straße und Schiff transportiert. Mit steigender Tendenz.

Die Corona-Pandemie stellt die Wirtschaft allgemein und uns Menschen im Besonderen vor große Herausforderungen. Gibt es schon aussagefähige Daten zur Entwicklung des Welthandels und zu den Auswirkungen auf die Logistik-Branche?

André Wreth: Belastbare Marktstatistiken gibt es derzeit (Anmerkung der Redaktion: Anfang Juni 2020) noch nicht. Wir sehen aber aus unserer Praxis, dass der Bedarf an Logistikequipment eher gewachsen als geringer geworden ist. Der Versandhandel etwa ist weltweit in den Industrienationen nach oben geschossen. Marktführer DHL etwa meldet Auslieferungsvolumina, die man ansonsten nur in den letzten Tagen vor Weihnachten kennt. Überdies ist corona-bedingt der Bedarf an Containern und Wechselkoffern groß. Wochenlang waren etliche Volkswirtschaften praktisch heruntergefahren, so dass die Logistikketten unterrochen wurden und nicht mehr effizient arbeiten konnten. Dies führt zu Staus und Mangel. Zudem ginge produzierende Unternehmen aus Platzgründen dazu über Waren in Container und Co. Zwischenzulagern.

Wie eben kurz erwähnt: Anleger können in Logistikequipment, also in Container, Tankcontainer und Wechselkoffer, investieren. Was steckt dahinter, welche Chancen und Risiken bestehen bei solchen Vermögensanlagen?

André Wreth: Um Eigenkapital zu schonen, nutzen viele Logistikunternehmen und Reedereien die Möglichkeit, Equipment wie Schiffscontainer und Wechselkoffer zu mieten bzw. zu leasen. Mittlerweile befindet sich jeder zweite Container im Besitz von Leasingnehmern. Eine Möglichkeit zur Refinanzierung besteht in der Konzeption von Kapitalanlagen für die Ausrüstungsgegenstände. Hier gegen Anleger Risiken ein, die mit denen einer unternehmerischen Beteiligung gleichkommen. Vereinfacht gesagt: Investoren stellen Unternehmen wie Solvium Geld zur Verfügung, um Transportbehältnisse zu kaufen und gewinnbringend zu vermarkten. Anleger erhalten dafür regelmäßige Zahlungen – oft sogar monatlich oder quartalsweise. Die üblichen Laufzeiten betragen zwischen drei und fünf Jahren. Renditen von mehr als 4 -5 Prozent im Jahresschnitt sind möglich.

Vermögensanlagen sind vergleichsweise komplexe Investmentformen, die in der Regel einer persönlichen Beratung des Anlegers durch Profis bedürfen. Das war in den vergangenen Wochen nicht ganz einfach. Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf den Vertrieb?

André Wreth: Solvium Capital hatte in den Monaten März bis einschließlich Mai einen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent – deutlich weniger, als wir in Anbetracht der weltweiten Krise erwartet hatten. In dieser Zeit haben Beratungen und Vermittlungen durch unsere qualifizierten Berater in der Regel via Telefon und/oder Videokonferenz stattgefunden. Vielerorts haben wir dabei festgestellt, wie gut und vertrauensvoll sich Kunden bei ihren Beratern aufgehoben fühlen. Ansonsten wäre ein solches Ergebnis nicht möglich gewesen. Im Juni, spätestens im Juli werden wir voraussichtlich wieder die üblichen Umsatzgrößen erreichen, das ist bereits heute absehbar.

Dazu trägt möglicherweise auch das Angebot eines Alternativen Investmentfonds (AIF) bei, den Sie in Kürze an den Markt bringen möchten. Was steckt dahinter?

André Wreth: Naturgemäß wird unser erster AIF in Logistikequipment investieren. Derzeit befinden wir uns im Genehmigungsprozess und hoffen, unseren ersten Alternativen Investmentfonds im August an den Markt zu bringen. Da die Vertriebserlaubnis noch nicht besteht, darf ich nicht allzu viel darüber sagen. Allgemein: Es wird sich um ein Produkt mit einer geplanten Laufzeit von rund fünf Jahren und geplanten Auszahlungen um die 4,5 Prozent jährlich handeln. Die Auszahlungen sind quartalsweise geplant.

 (*)André Wreth, Jahrgang1976, hat neben verschiedenen Finanzberater-Qualifikationen ein MBA-Studium abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen aus der Finanzdienstleistung und ist seit 2013 Geschäftsführer der Solvium Capital. Er verantwortet die Aufgabengebieten zählen Vertrieb, Marketing und Konzeption.



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