Ausgebremst BB Biotech, Aurelius und Rocket Internet im Corona-Chaos: Defensives - oder Risiko-Investment oder gar Börsenrückzug?

17.06.2020, 15:28  |  17892   |   |   

Marcus Wessel nimmt für unsere Partnerredaktion Smart Investor Beteiligungsunternehmen unter die Lupe, die nach dem Shutdown ein wenig ins Wanken gerieten. Er zeigt dabei auf, wie die Zukunftschancen von BB Biotech, Aurelius und Rocket Internet aussehen.

Von den Börsenturbulenzen blieb auch die Schweizer BB Biotech nicht verschont. Allerdings konnte sich der Kurs in den vergangenen Wochen deutlich von seinen Märztiefs erholen. Rechnet man die zwischenzeitlich erfolgte Dividendenzahlung (3,40 Schweizer Franken) hinzu, so notiert das Papier nahezu auf dem Niveau aus dem vergangenen Mai. Auch kletterte der NAV des vor allem auf mittlere und kleinere Biotechfirmen ausgerichteten Portfolios zurück auf das Jahresanfangsniveau.

Laut der Biotech-Experten dürfte die Bedeutung der Branche als Folge der Pandemie zunehmen; es könnte sogar zu einer Neubewertung der weltweiten Gesundheitssysteme kommen. Den Kursanstieg beim US-Unternehmen Moderna, das an einem mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 forscht, nutzten die Schweizer für Verkäufe. Im Gegenzug beteiligte man sich gleich an mehreren Kapitalerhöhungen von Portfoliounternehmen. BB Biotech bleibt ein defensives Investment mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis. Die Aktie befindet sich auch im Smart Investor-Musterdepot.

Licht und Schatten

Mit Krisen kennt sich AURELIUS-Chef Dr. Dirk Markus eigentlich aus. Die Münchner sind Spezialisten für Firmenabspaltungen und Turnarounds. Sie kaufen Firmen oftmals unter ihrem Substanzwert ein, bringen diese danach mit einem harten Maßnahmenpaket wieder auf Kurs und profitieren am Ende von Ertragsgewinnen. Aus dem im Januar gemeldeten Verkauf der GHOTEL-Gruppe konnte Aurelius einen positiven Ergebniseffekt von fast 50 Millionen Euro verbuchen.

Der Exit hätte angesichts der heraufziehenden Corona-Pandemie kaum besser getimt sein können. 2019 schloss man den bislang größten Unternehmensverkauf ab: Die Beteiligung SOLIDUS SOLUTIONS ging für 330 Miillionen Euro an einen Private-Equity-Fonds. Eigentlich hätten Aktionäre damit erneut eine satte Dividendenzahlung erwarten können – stattdessen folgte der überraschende Vorschlag, auf eine Ausschüttung zu verzichten. Priorität habe der Schutz der eigenen Liquidität. Zuletzt bereitete Dr. Markus die Börse darauf vor, dass nicht jede Beteiligung die Krise überleben dürfte. Selbst auf dem deutlich ermäßigten Niveau ist das Papier daher nur risikobereiten Investoren zu empfehlen.

Vergleichsweise stabil zeigte sich das Papier von Rocket Internet (RI) – und das, obwohl der von Oliver Samwer geführte Internetinvestor ebenfalls vor den Folgen Coronas für seine Beteiligungen warnt. Demnach dürfte sich dieses Jahr das Umsatzwachstum bei den meisten Unternehmen verlangsamen; auch seien weitere Einschränkungen in der Logistikkette nicht auszuschließen.

Dies könnte die weitere auf Emerging Markets ausgerichtete Expansion des Online-Modehändlers Global Fashion Group (RI-Anteil: 18 Prozent) beeinträchtigen. Ob es Samwer bereut, im letzten Mai beim Kochboxenversender HelloFresh komplett ausgestiegen zu sein, ist nicht bekannt. Die inzwischen in den MDAX aufgestiegene HelloFresh-Aktie eilt als „Stay-at-Home-Profiteur“ von einem Allzeithoch zum nächsten. Die relative Stärke des Rocket-Internet-Papiers erklärt sich vermutlich mit der komfortablen Finanzlage der Berliner. Allein die liquiden Mittel von 2,1 Milliarden Euro decken rund 80 Prozent des Börsenwerts ab. Immer wieder werden deshalb Gerüchte über einen Rückzug von der Börse laut.

Fazit

Corona stellt für die meisten Beteiligungsunternehmen eine Zäsur dar. Vieles teilt sich in Zeiten vor und mit bzw. nach der Pandemie auf. Sogar die großen, kapitalstarken Gesellschaften bleiben von heftigen Turbulenzen nicht verschont; die kommenden Quartale werden zeigen, wie schwer die Krise auf die Bilanzen durchschlägt. Anleger müssen voraussichtlich noch länger höhere Volatilitäten akzeptieren.

Autor: Marcus Wessel

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(Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 06/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 23.05.2020 erfasst wurden.)

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