Online Shop und Einzelhandel – Multichannel als zukunftsträchtiges Modell

Gastautor: Martin Brosy
18.06.2020, 01:26  |  173   |   |   

Gerade junge Menschen zwischen zwanzig und dreißig Jahren setzen nachweislich vermehrt auf den Kauf über Online Shops. Das gilt fast zu 100 % branchenübergreifend. Das Hundefutter, das Geburtstagsgeschenk für die Freundin, die neuen Schuhe und der Türstopper werden genauso online erworben wie Bastelmaterialien, Dessous und Smartphones. Fast jedes Bedürfnis lässt sich heutzutage online und mit wenigen Klicks stillen. Es gibt kaum etwas, das das Netz nicht zu bieten hat. Hat der stationäre Einzelhandel auf dieser Basis überhaupt noch eine Überlebenschance? Und was können kleine, lokale Geschäfte tun, um in der heutigen Zeit weiterhin Kunden zu generieren und den Umsatz zu steigern? Hier kommt der Ansatz „Multichannel“ ins Spiel, mit dem sich dieser Artikel im Detail auseinandersetzt.

Machen Online Shops den Einzelhandel obsolet?

Eine Frage, die sich stellt, lautet: Stirbt der Einzelhandel langsam, aber sicher aus? Schließlich braucht man ihn doch nicht mehr, wenn alles online zu bekommen ist, oder? Das stimmt so nicht. Einige Unternehmen, die vor allem online vertreten waren – sogenannte Internet-Pure-Player - konzentrieren sich aktuell verstärkt darauf, weitere stationäre Filialen aufzubauen. Das würden sie wohl kaum tun, wenn kein Potenzial vorhanden wäre. Und es gibt natürlich noch immer eine Vielzahl von Menschen, die die meisten ihrer Einkäufe abseits des Internets tätigen. Das kann beispielsweise an einem mangelnden technischen Verständnis oder an dem Bedürfnis liegen, regionale Geschäfte vor Ort zu unterstützen.

Multichannel verbindet Online und Offline Geschäft

Ein Multichannel-Anbieter führt sowohl ein stationäres Ladengeschäft als auch einen zugehörigen Online Shop. Somit verbinden sich Online und Offline Geschäft und Kunden können sich entscheiden, auf welche Weise sie lieber einkaufen möchten, ohne hierfür den Händler wechseln zu müssen. So bliebt mehr Stammkundschaft erhalten und es besteht die Möglichkeit, neue, online-orientierte Kunden dazuzugewinnen.

Multichannel: Vorteile aus beiden Welten nutzen

Kurzum: Mit dem Multichannel Prinzip nutzen Händler die Vorteile beider Einkaufsmöglichkeiten. Doch welche sind das überhaupt? Der Kauf im Geschäft vor Ort wird von Kunden zumeist aus diesen Gründen bevorzugt:

  • Unterstützung regionaler Geschäfte
  • Beziehung zu den Inhabern und Mitarbeitern
  • Jahrelange gute Erfahrungen und die Macht der Gewohnheit
  • Persönlicher Kontakt
  • Möglichkeit der individuellen Beratung von Angesicht zu Angesicht
  • Einkaufserlebnis in der „realen“ Welt
  • Mangelndes Vertrauen in Online Shops
  • Keine Kenntnisse im Bereich der Internetnutzung
  • „Protest“ gegen die zunehmende Digitalisierung des Lebens
  • Überforderung durch das große Angebot im Netz

Diese Vorteile schätzen Kunden hingegen am Einkaufen über Online Shops:

  • Kann von zu Hause aus erledigt werden
  • Große Auswahl
  • Einsicht in Kundenbewertungen
  • Produktvergleich unkompliziert möglich
  • Lieferung bis an die eigene Haustür
  • Vergleichsweise anonymer, diskreter Kauf
  • Bestellung verschiedenster Artikel über Handelsgiganten wie Amazon
  • Bequemlichkeit und Komfort
  • Zeitsparend und mit wenig Aufwand verbunden

Schafft man es, Multichannel umzusetzen, spricht man demnach beide dieser Zielgruppen – sowohl die Online als auch die Offline Käufer – an.

Auch kleine Läden können das Konzept Multichannel umsetzen

Kleine stationäre Geschäfte zweifeln oftmals daran, das Konzept Multichannel umsetzen zu können. Es fehlt an Know-How und der Kostenaufwand wird häufig deutlich überschätzt. Dass Multichannel auch für kleine Einzelhändler funktionieren kann, zeigt das Geschäft topas in Bamberg. Der Schmuck- und Uhrenladen ist seit diesem Jahr auch mit einem Online Shop vertreten und hat es erfolgreich geschafft, zum Multichannel-Anbieter zu werden. „Heutzutage haben es rein stationäre Ladengeschäfte in der Schmuckbranche nicht mehr leicht. Der Multichannel Ansatz, also neben dem Ladengeschäft auch einen Online Shop zu führen, ermöglicht auch den regionalen Kunden sich vor dem Ladenbesuch schon mal über Produkte und deren Verfügbarkeit zu informieren“, sagt M. Schreiber, Inhaber des Geschäfts. Ein Beispiel, das andere stationäre Einzelhandelsgeschäfte dazu inspirieren kann, sich selbst an das Projekt Multichannel heranzuwagen.

Kein Kapital für Multichannel? Eine Onlinepräsenz ist das A und O!

Ist es einem Geschäft – aus welchem Grund auch immer - nicht möglich, die Multichannel Schiene zu fahren und einen eigenen Online Shop aufzubauen, sollte zumindest in eine ansprechende Onlinepräsenz ohne Shop investiert werden. Warum? Ganz einfach: Ein großer Teil der Menschen, die heute nach einem Produkt oder einer Dienstleistung suchen, tut dies im ersten Schritt online. Sprich: Es wird über Google oder eine andere Suchmaschine gesucht. Unter den Ergebnissen, die angezeigt werden, entscheiden sich die Interessenten dann für ein Produkt oder einen Dienstleister, dessen Website sie überzeugt. Wer keine SEO-optimierte Website besitzt, existiert für den Suchenden nicht. Ganz ohne Onlinepräsenz entgehen einem also tagtäglich potenzielle Neukunden. Je nach Kapazitäten und Branche, kann es zusätzlich sinnvoll sein, auf verschiedenen Social Media Plattformen, zum Beispiel Instagram oder Facebook, vertreten zu sein. Hierfür sollte man sich jedoch professionelle Unterstützung holen, denn Online Content trifft nur ins Schwarze und entfaltet seine Wirkung, wenn er zielgerichtet erarbeitet und bestmöglich platziert wird.

Welche Rolle wird die Multichannel Präsenz in der Zukunft spielen?

Experten sind sich einig: Multichannel hat ein großes Zukunftspotenzial und wird in den kommenden Jahren möglicherweise sogar zum Standard werden. Schon heute wagen viele lokalen Geschäfte den Sprung in die digitale Welt und müssen diesen mutigen Schritt in der Mehrzahl nicht bereuen.



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