Crack-up-Boom voraus? Warum der Corona-Lockdown den Weg in die Katastrophenhausse ebnet

23.06.2020, 13:40  |  19618   |   |   

Mehr als elf Jahre ist es her, dass es das Thema Crack-up-Boom auf die Titelseite des Smart Investor geschafft hat: zuletzt in der Ausgabe 4/2009. Zwar sind die Aktienkurse seit damals deutlich gestiegen, aber das Katastrophale einer solchen Katastrophenhausse, der Zusammenbruch der Währung, konnte bislang verhindert werden.

Was uns seinerzeit veranlasste, die von dem Jahrhundertökonomen Ludwig von Mises ursprünglich geprägten Begriffe Crack-up-Boom beziehungsweise Katastrophenhausse wieder in die Diskussion einzuführen, waren die Nachwehen der Finanzkrise 2008.

Denn der Aufschwung, der im Frühjahr 2009 an den Aktienmärkten einsetzte, hatte wenig mit der Realwirtschaft zu tun, sondern war vor allem Folge des durch eine ultralockere Geldpolitik herbeigeführten Anlagenotstands: Als das Geld in einem bis dahin unerhörten Ausmaß vermehrt wurde, flüchteten die Menschen selbst zu deutlich steigenden Preisen in jeden realen Wert, dessen sie habhaft werden konnten wie beispielsweise Immobilien, Aktien und Kunst.

Lockdown und Wirtschaftscrash

Die heutige Ausgangssituation ist durchaus vergleichbar – nur dass sich die Schuldenstände seit der Finanzkrise nicht etwa verringert, sondern weiter dramatisch erhöht haben (Abbildung 1), der Zinssenkungsspielraum aber schon zu Beginn der Krise aufgebraucht war. Dazu kommt ein nahezu weltweiter Lockdown, dessen Auswirkungen die der Finanzkrise ohne Weiteres in den Schatten stellen. Der Einbruch ist furchterregend: massiver Rückgang der BIP-Zahlen und des Welthandels, Abriss von Lieferketten, Rekordanstieg von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Ganze Branchen wie Luftfahrt, Hotellerie, Restaurants und alle Arten von Freizeitveranstaltungen liegen darnieder. Die Anschaffung langlebiger Konsumgüter wird in weite Ferne verschoben. Gut möglich, dass wir uns nun also tatsächlich im Endspiel um die ohnehin schwer angeschlagenen Fiatgeldsysteme wie den Euro befinden.

Was ist der Crack-up-Boom?

Eines gleich vorweg: Es existiert keine ausformulierte Theorie des Crack-up-Booms. Das Phänomen ist der seltene, aber letztlich unvermeidliche Spezialfall der Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Ökonomie, wonach ein kreditfinanzierter Boom nicht nachhaltig sein kann und auf seinen Ausgangspunkt zurückfallen muss. Zu den Grundlagen dürfen wir noch einmal die eingangs erwähnte Titelgeschichte des Smart Investor 4/2009 zur Lektüre empfehlen. Abonnenten finden das entsprechende PDF auch über die Archivfunktion unserer Website. (Informationen zur Nutzung des Archivs finden Sie in Heft 3/2020 ab S. 62). Nicht-Abonnenten können den Artikel über folgenden Link hier abrufen.

Das wesentliche Erkennungszeichen eines CuB sind exorbitante Kurs- und Preissteigerungen bei realen Gütern und Vermögenswerten, wie sie beispielsweise in Konsumentenpreis- oder Aktienindizes zum Ausdruck kommen.

Das aus deutscher Sicht berühmteste Beispiel ist die Hyperinflation des Jahres 1923, die sich bald zum 100. Mal jährt. Dennoch sind solche „Katastrophenhaussen“ kein Thema der Vergangenheit: Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, an erster Stelle eine exzessive Vermehrung der Geldmenge, können sie jederzeit wieder auftreten, wie jüngere Beispiele aus Argentinien, Simbabwe oder Venezuela zeigen. Aufgrund all dieser Fälle wissen wir auch, dass diese Kursexzesse kein Grund zur Freude sind, da sie lediglich den Wertverfall des Geldes widerspiegeln. Während also die Preise nominal in den Himmel steigen, finden parallel ein Niedergang der Realwirtschaft und die totale Verarmung breiter Bevölkerungsschichten statt.

 

Deflationärer Schock als Auslöser

In Abbildung 2 ist – so weit, wie er sich rekonstruieren lässt – der Kursverlauf deutscher Aktien seit Ende 1869 abgetragen (bis zum Jahr 2004). Bei genauerer Betrachtung des Charts fällt auf, dass unmittelbar vor dem Crack-up-Boom der Jahre 1922/23 ein massiver Kurseinbruch von 40 Prozent erfolgt war. Mit dem Corona-Crash des ersten Quartals 2020 liegt in vielen Indizes ein Einbruch in vergleichbarer Dimension vor, der sich fast ebenso rasch korrigierte wie damals.

Dahinter steckt eine massive Aufblähung der Bilanzen der Notenbanken, die sich mit aller Kraft gegen die deflationären Tendenzen des Wirtschaftseinbruchs stemmen. Die Wirkung auf die Geldmenge ist schon jetzt derart expansiv, dass selbst die massiven Ausweitungen zum Beispiel beim M2-Aggregat während der Finanzkrise 2008 nur als vergleichsweise kleiner Zacken erscheinen (Abbildung 3). Es ist ein bisschen wie mit einem Autofahrer, der in den Sekundenschlaf fällt, leicht von der Fahrbahn abkommt und dann erschrocken das Steuer in die Gegenrichtung reißt. Natürlich sind unsere Notenbanker während des Kursaufschwungs der vergangenen Jahre nicht eingenickt; aber sie steuern eben auch kein Auto, das direktes Feedback auf ihr Lenkverhalten geben würde.

Die Gefahr des Übersteuerns ist in einer solchen Ausnahmesituation – wie schon in der Finanzkrise 2008 – erheblich. Obwohl das einzig verbliebene Instrument der Notenbanken die (elektronische) Druckerpresse ist, lassen sich mit mehr Geld bzw. mehr Schulden genau die Probleme nicht lösen, die sich aus einer ohnehin exorbitanten Verschuldung ergeben (vergleiche Interview mit Egon von Greyerz, im Smart Investor 6/2020 auf Seite 58). Letztlich betreiben die Notenbanken nicht nur eine teure, sondern gar eine tödliche Form der Kosmetik, mit der sie der Politik zwar erneut Zeit kaufen, die diese aber nach den Erfahrungen der Vergangenheit erneut nicht nutzen wird.

Den Spruch des Bundesverfassungsgerichts zum EZB-Anleihekaufprogramm wird EZB-Chefin Lagarde allein deshalb ignorieren, weil sie keine andere Wahl hat, möchte sie die Stunde der Wahrheit noch ein wenig hinauszögern. Der logische Endpunkt einer solchen Entwicklung ist aber so oder so eine Währungsreform.

Inflation voraus!

Die Grundthese lautet also, dass die Notenbanken trotz – nein: wegen der bereits vorhandenen Verschuldung eher zu viel als zu wenig tun werden, um die erheblichen deflationären Wirkungen des Corona- beziehungsweise Lockdown-Crashs zu bekämpfen.

Nur durch ein solches Übersteuern kann es überhaupt zu einem Crack-up-Boom kommen. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 ist die Gefahr diesmal allerdings größer, dass sich die Effekte nicht allein bei den Vermögenspreisen, sondern auch an den Gütermärkten zeigen werden. Der internationale Warenverkehr wurde durch den Lockdown ebenso beschädigt wie einzelne Güterproduktionen, die über Monate hinweg stillgelegt waren.

Wenn mehr Geld auf weniger Güter trifft, wirkt das eigentlich per se preistreibend. Allerdings kommt das meiste von diesem Geld gar nicht bei den Konsumenten an, die aufgrund von Arbeitslosigkeit ihren Konsum auf das Notwendige reduzieren werden (Angstsparen bzw. Attentismus), weshalb Preissteigerungen vor allem bei jenen Gütern des täglichen Bedarfs zu beobachten sein werden – und bereits zu beobachten sind –, die von Produktionsausfällen und Lieferengpässen betroffen sind.

Wo die Politik das Angebot durch Hygieneauflagen verteuert (Restaurants, Friseure), dürfte es bei den nicht-elementaren Gütern zu deutlichen Nachfrageeinbrüchen kommen – bei vermutlich gleichzeitigen Preissteigerungen. Auch das massenhafte Ausscheiden von Konkurrenten (zum Beispiel jüngst des US-Autovermieters Hertz) wird preistreibend wirken, da es den verbliebenen Anbietern Preiserhöhungsspielräume eröffnet. Rückläufige Preise sind dagegen bei langlebigen Wirtschaftsgütern (Autos, Haushaltsgroßgeräte) wahrscheinlich, deren Anschaffung jetzt erst einmal auf die lange Bank geschoben wird.

In der Endphase einer solchen Entwicklung werden die Preise in Fiatgeld ohnehin keine zuverlässigen Indikatoren mehr für relative Knappheiten sein. Wir erwarten, dass Preise dann vermehrt in anderen Medien ausgedrückt oder zumindest umgerechnet werden. Historisch dürfte hier Gold wieder eine wichtige Funktion übernehmen – aber auch ein Flaggschiff der Kryptoszene wie der Bitcoin könnte als Recheneinheit und möglicherweise als Zahlungsmittel an Bedeutung gewinnen.

Chaotische Zustände

Auf der politischen Bühne sind während eines Crack-up-Booms vergleichsweise chaotische Zustände zu erwarten. Die gesellschaftlichen Gräben werden tiefer, und auch neue politische Bewegungen sind höchstwahrscheinlich. So ist mit Widerstand2020 aus dem Nichts eine im Mainstream angestrengt beschwiegene Partei entstanden, die laut eigener Auskunft schon mehr Mitglieder als FDP, Grüne, Linke oder die AfD zählt. Letztere war ursprünglich bekanntlich selbst das Kind einer Krise: nämlich der Eurokrise.

Der Name leitete sich seinerzeit von der postulierten „Alternativlosigkeit“ Merkel’scher Politik in Sachen Euro ab. Ein Graben, der sich schon jetzt sehr deutlich abzeichnet, ist der zwischen denen, die der Obrigkeit grundsätzlich misstrauen, ja diese zunehmend verachten, und jenen, die weiter auf eine wohlwollend ausgeübte Expertise der Politik zugunsten der Bürger vertrauen. Ein zweiter Riss wird sich zwischen den zahlreichen Verlierern der Krise und den wenigen, wenn auch nur relativen Gewinnern auftun. Die schon jetzt geführten Debatten über massive Steuererhöhungen oder gar Teilenteignungen wie eine Vermögensabgabe bzw. einen Lastenausgleich (vgl. Titelgeschichte in Ausgabe 5/2020) deuten auf einen künftig noch sehr viel raueren Ton in Steuerfragen hin. Dabei ist zu berücksichtigen, dass jede Steuer auf die Wertzuwächse angeblicher „Krisengewinnler“ in einem von Inflation geprägten Crack-up-Boom nichts anderes als eine konfiskatorische Scheingewinnbesteuerung darstellt.

Die vergangenen Monate haben jedenfalls gezeigt, dass die Politik jederzeit zu drakonischen Eingriffen in die Bürgerrechte und die (Meinungs-)Freiheit bereit ist – sie wird also selbstredend auch vor massiven Steuererhöhungen nicht haltmachen. Auch in einer anderen Hinsicht wird die Rolle des Staates spürbarer: Wenn ausgerechnet EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ankündigt, die Wirtschaft zur Chefsache machen zu wollen, muss einem in Anbetracht des Flurschadens, den sie bei der Bundeswehr angerichtet hat, angst und bange werden.

Das gilt allerdings generell, wenn die Politik auf Basis eines lediglich angemaßten Wissens steuernd in die Wirtschaft grätscht (Interventionismus). Schließlich ist der aus heiterem Himmel angekündigte 500-Milliarden-Euro-Merkel/Macron-Plan zur Unterstützung maroder EU-Mitgliedstaaten ein sicherer Hinweis darauf, dass Staatsbankrotte nur noch durch solch aufwendige „Kaninchen-aus-dem-Hut-Notmaßnahmen“ hinausgezögert werden können. Verhindert werden sie dadurch aber nicht.

Geldanlage im Crack-up-Boom und darüber hinaus

Mit dem Thema Anlagestrategie beschäftigen wir uns jeden Monat im Heft sowie jede Woche in unserem kostenfreien Newsletter „Smart Investor Weekly“, der immer mittwochabends erscheint. Unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Situation muss eine gute Anlage das Vermögen nicht nur halbwegs unbeschadet durch den Crack-up-Boom bringen, sondern auch über eine anschließende Währungsreform hinaus. Dass eine solche speziell im Euro schon auf absehbare Zeit anstehen muss, zeigen die kollabierenden Volkswirtschaften in den großen EU-Ländern Spanien und Italien, denen die massive Abhängigkeit vom darniederliegenden Tourismus zum Verhängnis werden wird.

Der Crack-up-Boom im weiteren Sinne ist allerdings ein Phänomen von eher kurzer Dauer und sollte, von jetzt gerechnet, maximal wenige Jahre andauern. Die finale exponentielle Aufwärtsphase ist ohnehin nur ein Thema weniger Monate. Aus diesem Blickwinkel bleiben physische Edelmetalle erste Wahl. Schon während des Corona-Crashs wurden für physische Ware zum Teil deutliche Aufgelder gegenüber dem offiziellen Goldpreis aufgerufen. Per Saldo schlug sich Gold in den Wochen des Crashs und während der nachfolgenden Erholung überzeugend. Aber Vorsicht: Es drohen auf absehbare Zeit Kapitalverkehrskontrollen, vermutlich auch Einschränkungen des Bargeldverkehrs sowie ein wie auch immer geartetes Gold(handels)verbot.

Solange sich der Mainstream – wie etwa im SPIEGEL – verwundert über die Aktienhausse zeigt, also entsprechende Skepsis vorherrscht, erwarten wir erst einmal keine größeren Korrekturen. Solche Skepsis unter den Marktbeobachtern und Investoren kann derzeit vielerorts erkannt werden. Auch die Einschätzungen unserer drei Gastanalysten (siehe Smart Investor 6/2020 auf Seite 43 und 44) unterstreichen diesen vorherrschenden Pessimismus.



Besonders gut sollten in diesem Umfeld klassische Krisenaktien funktionieren, etwa von Unternehmen, die mit der Grundversorgung zu tun haben: Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Wohnen, Energie, Telekommunikation et cetera. Allerdings zeigen sich hier bereits jetzt Tendenzen der Politik, einzelne Branchen einer noch weiter gehenden Regulierung zu unterwerfen – zunächst zum Nachteil der Unternehmen, in der Folge aber auch zum Nachteil der Verbraucher.

Spezielle Krisengewinner

Besondere Beachtung in einer Pandemie verdienen die Bereiche Healthcare und Biotechnologie, wobei im letzteren schon eine echte Expertise vonnöten ist, etwa um frühzeitig die Entwickler eines Impfstoffs auf dem Radar zu haben (siehe Smart Investor 6/2020 auf Seite 16). Sektoren wie die (digitale) Infrastruktur und alles, was sich unter dem Titel „Green New Deal“ subsumieren lässt, könnten ebenfalls zu den Profiteuren zählen. Die Politik ist nur allzu bereit, die von ihr selbst heruntergefahrene Wirtschaft mit Konjunkturpaketen wieder anzukurbeln. Allerdings dürfte dieses Geld bevorzugt dort eingesetzt werden, wo es den vorherrschenden politischen Lieblingsideen entspricht – oder wo Lobbyisten die Politik von ihren Lieblingsideen „überzeugen“.

Eine Sondersituation, die viele Beobachter überrascht hat, ist die Stärke der sogenannten FAANG-Aktien. Allerdings sind die Geschäftsmodelle der Giganten Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Alphabet (vormals Google) um einiges krisenstabiler als jene vieler traditioneller Unternehmen. Sie profitieren sowohl von der voranschreitenden Digitalisierung als auch von Krisenphänomenen wie Social Distancing. Abbildung 4 zeigt, dass einige von ihnen zu außergewöhnlich dominanten Aktien geworden sind, was nicht zwangsläufig ein negativ zu interpretierendes Fehlen von Marktbreite darstellt.

Möglicherweise sehen wir in diesen Technologietiteln auch die Solitäre einer neuen Wirtschaftsära. Zudem ist die Konzentration auf wenige Titel durchaus kompatibel mit dem Leitgedanken eines Crack-up-Booms. Welche Themen sich letztlich konkret – und sei es auch nur phasenweise – durchsetzen, dürfte in diesem tendenziell chaotischen Umfeld eher ein Fall für Trendfolger sein, während die Fundamentalanalyse mehr die Erklärung für einzelne Bewegungen nachreichen wird.

Psychologie der Krise

Ein etwas quer liegendes Thema, das in einer Großkrise wie dieser aber dennoch nicht unterschätzt werden sollte, sind die psychologischen Wirkungen. Angst, transportiert über den Dauerbeschuss mit Bildern und Schlagzeilen, ist dominant geworden – zum Teil auch, weil sie bewusst geschürt worden ist, etwa um Maßnahmen durchzusetzen oder einfach nur ein gutes Geschäft zu machen, wie es beispielsweise Versicherungen seit Generationen tun.

Und diese Angst erstreckt sich mittlerweile auf die unterschiedlichsten Bereiche: Angst um Leib und Leben aufgrund des Virus selbst, Angst um Einkommen und Vermögen aufgrund der Wirtschaftskrise, Angst um Freiheit und Bürgerrechte aufgrund der politischen Maßnahmen. Lassen wir die Kirche im Dorf: Angst war noch nie ein guter Ratgeber, Panik erst recht nicht. Machen Sie sich bewusst, dass Angst unsere kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt. Zum Umgang mit Ängsten gibt es viele gute Ratschläge. Einer der besten erscheint uns, direkt darauf zuzugehen – denn oft genug sind Ängste bloße Scheinriesen, die kleiner werden, wenn man sie konfrontiert.

Wer sich dagegen von seiner Angst davontragen lässt, tut weder sich noch seinem Immunsystem und schon gar nicht den Menschen in seiner Umgebung einen Gefallen. Apropos Immunsystem: Es ist fast schon eine Binsenweisheit, dass Angst einer der größten Killer der menschlichen Abwehrkräfte ist – neben einem Mangel an Sonnenlicht, Bewegung und sozialen Kontakten.

All das bewirken die Panikmache und der Lockdown. Vielleicht beschäftigen Sie sich auch einmal mit den unsterblichen Texten der Stoiker und deren Gedanken zu den Themen Angst und Tod. Epikur und Seneca sind da ein guter Ausgangspunkt, um auch in der aktuellen Situation eine angstfreiere Perspektive zu gewinnen.

Corona als Abrissbirne

Die Corona-Krise bzw. die zu deren Bekämpfung eingeleiteten Maßnahmen stellen aus unserer Sicht bildlich gesprochen die Abrissbirne für die Weltwirtschaft dar. Die völlig überschuldeten Staaten, aber auch vielfach Unternehmen („Zombies“ wie zum Beipiel der jüngst pleitegegangene größte US-Autovermieter, Hertz) oder Konsumenten (vor allem in den USA) werden durch die Lockdowns in einen Abwärtsstrudel gezogen, der nicht mehr umkehrbar ist. Mehr zum Thema Zombiewirtschaft finden Sie im Smart Investor 6/2020 auf Seite 24.

Vermutlich wird man sich mit neuem und sehr vielem Fiatgeld noch etwas Zeit erkaufen können – mehr aber auch nicht. Das Handeln der Staaten und Zentralbanken wird in der kommenden Zeit von hyperaktiven und nur vordergründig hilfreichen Aktionen geprägt sein. Das Finanz-, Wirtschafts-, aber auch Gesellschaftssystem, wie wir es bisher kannten, wird sich dramatisch wandeln – leider nicht zum Positiven. Die weitaus meisten Menschen werden dabei die Verlierer sein – so hat sich beispielsweise die Arbeitslosigkeit in den USA innerhalb von drei Monaten mehr als vervierfacht! Die Wirtschafts- und Politeliten werden dabei zumindest an Macht hinzugewinnen. Ob diese Krise dabei inszeniert und orchestriert oder einfach nur instrumentalisiert wurde, soll an dieser Stelle nicht unser Thema sein. Einige Gedanken hierzu finden Sie in unserem Newsletter „Smart Investor Weekly“.

Die zeitliche Dimension

„Auf lange Sicht sind wir alle tot“, sagte einst der bekannte Ökonom John Maynard Keynes. Er kombinierte also eine präzise Prognose, „tot“, mit einer unpräzisen Zeitangabe, „Auf lange Sicht“. Damit ist Keynes’ Aussage zwar richtig, aber wenig zielführend. Natürlich kennen wir nicht die Zukunft, aber grob lässt sich die zeitliche Ausdehnung eines Crack-up-Booms doch abschätzen.

Ein Blick in Abbildung 2 kann dabei vielleicht einen Hinweis geben: Der schockartige Aktiencrash im Vorgriff des damaligen deflationären Schocks fand um das Jahr 1920 sein Ende. Die anschließende Aktienhausse erstreckte sich bis Ende 1923 (Weltwirtschaftskrise). Die Dauer des damaligen Crack-up-Booms im weiteren Sinne betrug also etwa vier Jahre. Der Crack-up-Boom im engeren Sinne, gemeint ist die „finale Senkrechte“, dauerte nur wenige Monate. Wäre die damalige Entwicklung als Blaupause für die heutige zu sehen, also ziemlich exakt 100 Jahre später, so wäre das ganze Schauspiel Ende 2023 vorbei.

Nach Einschätzung unseres Smart Investor Teams sollte dies allerdings eher die maximale Dauer darstellen. Wahrscheinlicher dürfte eine schnellere Entwicklung sein, nämlich ein vorzeitiges Abweichen vom historischen Vorbild aufgrund einer weltweiten oder wenigstens „Europäischen“ Währungsreform. Je nach Dauer wäre aus unserer Sicht ein deutlicher Anstieg bei den Aktienindizes zu erwarten, der je nach Zeitpunkt der Währungsreform durchaus bei 50, 100 Prozent oder noch mehr liegen könnte.

Fazit

Die Corona-Krise wird fast zwangsläufig zu einem Deflationsschock in der Wirtschaft führen, der durch neue Staatsschulden und die Gelddruckpresse schon bald gestoppt werden dürfte. Die Folge wird eine Zeit des Kaufkraftschwundes sein. Als Reflex auf die Aktionen der Politik und Zentralbanken dürfte die Wirtschaft sich wieder erholen. Doch dies wird nur eine Scheinblüte sein, denn die Preise von vielen Gütern sollten in noch stärkerem Maße steigen. Aus Sicht von Smart Investor hat nun ein Crack-up-Boom an den Börsen gestartet, der diese Scheinblüte antizipiert. In den kommenden Heften werden wir auf die dementsprechenden aktuellen Entwicklungen und auf weitere Details des Crack-up-Booms eingehen.

Autoren: Ralf Flierl und Ralph Malisch, Smart Investor

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Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 06/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 23.05.2020 erfasst wurden.

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