Egbert Prior Lufthansa: Kommt es zum Showdown?

Gastautor: Egbert Prior
22.06.2020, 11:40  |  1250   |   |   

Auf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag könnte es zum Showdown kommen.  Milliardär Heinz Hermann Thiele, der achtreichste Deutsche, hat seinen Anteil von 10 auf 15% ausgebaut. Bei der üblichen schwachen Präsenz auf den LH-Aktionärsversammlungen könnte der Unternehmer das staatliche Rettungspaket torpedieren. Wahrscheinlicher ist aber, daß der Selfmademan, der als zäher und ausgeschlafener Verhandler gilt, noch im Vorfeld der HV von den anderen Beteiligten (Vorstand, Bundesregierung, Gewerkschaften) Zugeständnisse herausschlagen könnte. Der Wahl-Münchener möchte verhindern, daß der Staat direkten Einfluß auf das Unternehmen nimmt. Was Thiele vorschwebt, ist offensichtlich eine knallharte Sanierung der Lufthansa. Mit eiserner Hand hat der Unternehmer Knorr-Bremse, Weltmarktführer bei Industriebremsen,  an die Börse geführt. Zusammen mit Vossloh, einem Anbieter von Bahninfrastruktur, hält Thiele zwei mehrheitliche Beteiligungen an börsennotierten Konzernen. Er weiß also, worum es geht und könnte bei der Kranich-Airline weiter aufstocken. Der 79jährige gilt als knallharter Sanierer. Die Pläne von Carsten Spohr gehen ihm noch nicht weit genug. Der LH-Vorstandschef verhandelt mit den Gewerkschaften über einen Personalabbau. Von den aktuell 137.000 Mitarbeitern sollen nach seinen Vorstellungen 26.000 gehen. Geplant ist auch ein Verkauf von Beteiligungen wie zum Beispiel die Catering-Tochter LSG. Immer noch steht ein großer Teil der 763 Flugzeuge der Flotte am Boden, geparkt zum Beispiel auf einer derzeit nicht benötigten Landebahn des Frankfurter Flughafens. Trotz der rigiden Kosteneinsparungen verbrennt das Unternehmen monatlich 800 Millionen Euro. Spohr droht seinem Widersacher Thiele, daß die Airline ohne das staatliche Rettungspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro schon in wenigen Tagen nach dem Aktionärstreffen pleite gehen könnte. Doch soweit will es Thiele nicht kommen lassen. Er betont die Langfristigkeit seines Engagements, sein Zeithorizont mindestens fünf Jahre. CEO Spohr rechnet mit einer nur zähen Erholung der Einnahmeseite. Kommendes Jahr sollen noch 300 Flugzeuge auf dem Boden bleiben, langfristig soll die Flotte mindestens 100 Maschinen kleiner sein. Dennoch rechnet der Milliardär offenbar damit, daß der Kranich früher oder später wie Phoenix aus der Asche aufsteigen wird, sonst machte sein Engagement wohl keinen Sinn. Corona wird zu einer massiven Konsolidierung der Branche führen. Nur die stärksten Player dürften überleben. Dazu zählt die Lufthansa mit ihrem weit verzweigten Streckennetz. Bei der letzten HV betrug die Präsenz 33%. Sollte die Beteiligung am Donnerstag auch vergleichbar niedrig bleiben, könnte Thiele die für eine Blockade nötige Zweidrittelmehrheit erreichen. Sein „Wohlverhalten“ wird er sich bezahlen lassen. Fazit: Thiele nimmt im Cockpit Platz. Der Kurs aktuell 9,89 Euro kann langfristig davon profitieren.



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