„Alltagsrassismus“ So werden wir alle zu Rassisten gemacht

Gastautor: Rainer Zitelmann
24.06.2020, 19:13  |  14110   |   |   

Die Inflationierung des Rassismus-Begriffes führt dazu, dass am Ende jeder Rassist ist – und damit zu einer Verharmlosung von wirklichem Rassismus.

In einer Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es:

„Vermeintliche Komplimente wie ‚Du sprichst aber gut Deutsch’ oder lobend gemeinte Verallgemeinerungen wie ‚asiatische Schüler_innen sind immer so fleißig’ sind weitere Beispiele für Alltagsrassismus.“ Ich selbst freue mich, wenn ich in den USA bin und Amerikaner loben mein Englisch. Und ich war lange mit einer Frau zusammen, deren Eltern aus Vietnam kamen und die sich freute, wenn der Fleiß von Asiaten positiv hervorgehoben wurde. Sie wäre niemals auf die Idee gekommen, darin „Alltagsrassismus“ zu sehen. Manchmal ärgerte sie sich ein wenig, etwa wenn ihre Lehrerin sie als „Chinesin“ ansprach, obwohl ihre Eltern nun einmal nicht aus China, sondern aus Vietnam kommen. Solche Erfahrungen hätte sie aber bestimmt niemals als Ausrede benutzt, wenn sie weniger erfolgreich gewesen wäre (was auch nicht der Fall war).

Kaum eine Talkshow vergeht, in der nicht als Beispiel für Alltagsrassismus die – meist sicherlich harmlos-neugierig gemeinte Frage – „woher kommen Sie?“ angeführt wird. Vermutlich ist damit meistens gemeint, woher die Eltern einer Person mit Migrationshintergrund kommen, aber harmlose Neugier wird umgedeutet zu einem schlimmen Beispiel von Alltagsrassismus. Wird damit nicht wirklicher Rassismus verharmlost?

Wenn der Name falsch ausgesprochen wird

Wenn ich in den USA bin, wird mein Name fast immer falsch ausgesprochen, etwa: „Reena Seitelman“. Auf den Gedanken, mich darüber aufzuregen oder die Amerikaner gar deshalb als Rassisten zu beschimpfen, wäre ich indes nie gekommen. Melisa Ekurt sieht das ganz anders. Sie ist in Sarajevo geboren, lebt in Wien und schrieb vor einigen Tagen in der „taz“ einen Artikel unter der Überschrift: „Lernt, unsere Namen auszusprechen“. Früher, so erklärt sie, habe sie Menschen nicht korrigiert, wenn sie „Melisa“ wie Lisa ausgesprochen haben, obwohl das ihrer Meinung nach „schrecklich“ klingt. Heute jedoch korrigiere sie alle „schon beim leisesten Anflug eines Rose-‚s’“. Melisa, so schreibt sie, sei wohl der leichteste „ausländische“ Name, den es gibt, trotzdem falle es den Menschen, auch nach mehrmaliger Korrektur schwer, ihn wie Melissa auszusprechen.

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