Geflügelwirtschaft verzichtet auf Werkverträge - Arbeitnehmerüberlassung muss nötige Flexibilität sichern

Nachrichtenagentur: news aktuell
26.06.2020, 15:00  |  146   |   |   
Berlin (ots) - Die deutsche Schlachtgeflügelwirtschaft will kurzfristig ab
spätestens Anfang 2021 auf Werkverträge in der Schlachtung, Zerlegung und
Verpackung verzichten, worauf sich die im Zentralverband der Deutschen
Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) organisierten Unternehmen verständigt haben.
Dringend erforderlich ist für die Branche indes das arbeitsrechtliche Instrument
der Arbeitnehmerüberlassung: "Unsere Unternehmen sind auf eine gewisse
Flexibilität bei der Zahl der Mitarbeiter zwingend angewiesen, um auf die
Nachfragesituation des Lebensmitteleinzelhandels angemessen reagieren zu
können", stellt ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke klar. "Grillsaison,
Urlaubszeit, Weihnachtsgeschäft - es gibt einen klaren saisonalen Bedarf an
zusätzlichen Arbeitskräften in den Schlachtereien. Wir brauchen die
Arbeitnehmerüberlassung, um diesen Bedarf auffangen zu können." Um für mehr
Sicherheit und Transparenz zu sorgen, wird die Dokumentation der Arbeitszeit der
Leiharbeitnehmer durch eine verpflichtende digitale Zeiterfassung
sichergestellt.

Klar ist aber auch: Die Überführung der Werkverträge in feste
Arbeitsverhältnisse wird zu steigenden Kosten in der Erzeugung und entsprechend
höheren Preisen für Geflügelfleischerzeugnisse führen. "Wir erwarten, dass
Lebensmitteleinzelhandel und Verbraucher die Bereitschaft zeigen, diese Kosten
zu übernehmen", sagt ZDG-Präsident Ripke. "Es darf nicht sein, dass die
Mehrkosten an der Erzeugungskette und unseren Tierhaltern hängen bleiben, die
gerade engagiert auf dem Weg zu mehr Tierwohl sind." Unbedingt vermieden werden
muss, dass günstiges Fleisch aus dem Ausland die heimische Erzeugung verdrängt.
Ripke: "Trotz höherer Erzeugungskosten muss die Tierhaltung in Deutschland mit
ihren im europäischen Vergleich höheren Tierschutzstandards erhalten bleiben!"

Für die faire und sichere Ausgestaltung der Vertragsverhältnisse hat sich die
deutsche Geflügelwirtschaft auf konkrete begleitende Maßnahmen verständigt:

- Verpflichtende digitale Zeiterfassung - Die Dokumentation der Arbeitszeit wird
in der Geflügelwirtschaft bereits seit längerem durch eine digitale
Zeiterfassung sichergestellt. Dies sollte verpflichtend sein. Auf diese Weise
wird ein Missbrauch auch im Einzelfall unterbunden.
- Erhöhung der Bußgelder und Schaffung einer Beschwerdestelle - Die deutsche
Geflügelwirtschaft unterstützt die angemessene Erhöhung der Bußgelder bei
Verstößen gegen geltendes Recht. Befürwortet wird eine neutrale, bundesweit
agierende Informationsstelle, an welche sich Beschäftigte im Fall von
Verstößen über eine Hotline wenden können.
- Transparenz und Sicherheit bei den Unterkünften - Um einen gesicherten
Standard bei der Wohnsituation zu realisieren, gilt das vom
nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales
erarbeitete und mit dem Verband der Ernährungswirtschaft e. V. in seiner
Funktion als sektorspezifischem Arbeitgeberverband und der
Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe abgestimmte Hygiene- und
Arbeitsschutzkonzept mit Empfehlungen für die korrekte Unterbringung der
Arbeitskräfte in Gemeinschaftsunterkünften. Dieses definiert verbindliche
Vorgaben zu Zimmergröße und -belegung sowie klare Hygienestandards.

Gesetzliche Informationspflicht erforderlich | Höhere Strafen für Mietwucher

Während der Hochphase der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass die Behörden
teils nur mit Mühe die Wohnorte der Beschäftigten im Sinne des
Infektionsschutzes nachvollziehen konnten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass
ein großer Teil der Beschäftigten sich privat eine Unterkunft mietet. In diesem
Fall gibt es für die Unternehmen keine rechtliche Möglichkeit, die privaten
Wohnungen zu kontrollieren. Daher ist hier die Politik gefordert, die Grundlagen
für eine gesetzliche Informationspflicht zu schaffen, die es dem Unternehmer
erlaubt, Wohnorte der Beschäftigten an die zuständigen Behörden zu übermitteln.

Darüber hinaus müssen die Vermieter der privat angemieteten Unterkünfte in die
Pflicht genommen werden und dafür Sorge tragen, dass Hygienestandards, die
Belegung der Wohnräume, bauliche Anforderungen und der Mietpreis geltenden
Gesetzen entsprechen. Für Mietwucher sollten deutlich höhere Strafen eingeführt
werden.

Über den ZDG

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. vertritt als
berufsständische Dach- und Spitzenorganisation die Interessen der deutschen
Geflügelwirtschaft auf Bundes- und EU-Ebene gegenüber politischen, amtlichen
sowie berufsständischen Organisationen, der Öffentlichkeit und dem Ausland. Die
rund 8.000 Mitglieder sind in Bundes- und Landesverbänden organisiert.

Pressekontakt:

ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.
Christiane von Alemann
Claire-Waldoff-Str. 7 | 10117 Berlin
Tel. 030 288831-40 | Fax 030 288831-50
E-Mail: c.von-alemann@zdg-online.de | Internet: http://www.zdg-online.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/32363/4635522
OTS: Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.


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