Wasserstoffaktien droht das gleiche Desaster wie damals Solar, Wind und 3D-Druck

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
29.06.2020, 11:45  |  4668   |   |   

Dass Wasserstoff ein gigantischer Markt wird, daran kann angesichts der jüngsten Dynamik eigentlich kaum noch jemand ernsthaft zweifeln. Jetzt kommt alles zusammen: Die Technologie ist reif und die Massenfertigung steht vor dem Hochlauf. Gleichzeitig zieht die Großindustrie aller beteiligten Sektoren mit und die Politik setzt wichtige Impulse.

Auch die Begeisterung der Investoren kennt kaum Grenzen. Die Aktien fast sämtlicher Spezialisten rund um Brennstoffzelle, Druckbehälter und Elektrolyse haben sich über die letzten Quartale vervielfacht. Ähnliches haben wir jedoch bereits bei vergleichbaren Themen wie Solar, Wind und 3D-Druck erlebt. Der Vergleich könnte natürlich hinken, aber ich fürchte, dass es bei Wasserstoffaktien ähnlich ausgeht.

So erging es Solar-, Wind- und 3D-Druck-Aktien

Wind und Solar

Seit den 90er-Jahren wurden die Photovoltaik und die Windturbinentechnik in Ländern wie Japan und Deutschland intensiv gefördert. 2003 startete in Deutschland das 100.000-Dächer-Programm und 2008 wurde die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verabschiedet. Zu diesem Zeitpunkt fielen die Herstellungskosten und Preise sehr schnell, sodass die damalige Einspeisevergütung immer höhere Renditen versprach.

Aktien wie die von Vestas (WKN: 913769) oder First Solar (WKN: A0LEKM) stiegen vor zwölf Jahren innerhalb kürzester Zeit um 500 oder gar 1.000 %. Doch dann kam die Finanzkrise, die zuvor außerordentlich hohen Ölpreise brachen ein und die Förderprogramme wurden zusammengestrichen. Hinzu kam bei Solar, dass der Wettbewerb aus Asien erstarkte und immer mehr Marktanteile eroberte. 2012 standen die Aktienkurse tiefer als vor dem Boom und Q-Cells war insolvent.

Additive Fertigung

3D-Druck wiederum ist ein Thema, dass in den frühen 2010er-Jahren plötzlich in aller Munde war. Die Technologie wurde schon viele Jahre zuvor von Autoherstellern und Flugzeugbauern genutzt, vor allem im Prototypenbau. Aber dann erfanden die Ingenieure neue Anwendungsgebiete mit immer neuen Materialien. Gefühlt wurde jede Woche eine wegweisende Innovation vorgestellt. Selbst Organe, Lebensmittel und ganze Häuser sollten wie von Geisterhand von den Hightech-Maschinen hervorgezaubert werden können.

Die additive Fertigung schien das Schweizer Taschenmesser der Produktionstechnik zu sein und beflügelte die Fantasie der Investoren. Vom 30. September 2011 bis Anfang 2014 hat sich etwa die Aktie von Stratasys (WKN: A1J5UR) mehr als versiebenfacht. 3D Systems (WKN: 888346) war sogar ein 10-Bagger. Heute notieren beide Aktien unterhalb des Niveaus vom Herbst 2011. Ab 2014 hat sich Ernüchterung eingestellt.

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