FOREX-Report Nächstes „Five-Eyes“ Narrativ? – Kontinentaleuropa quo vadis?

Gastautor: Folker Hellmeyer
01.07.2020, 09:44  |  526   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1227 (06:24 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1189 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107.62. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120,80. EUR-CHF oszilliert bei 1,0626.

Nächstes „Five-Eyes“ Narrativ?

Politik bestimmt immer stärker die Ökonomie. Damit wird Politik ständig determinierender für Kapitalmarktentwicklungen. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, uns mit nachfolgendem Thema auseinanderzusetzen.

Analyse setzt auf mindestens zwei Ebenen an. Die erste Ebene ist die der Historie und der anekdotischen Evidenz. Die andere Ebene bewegt sich in der Aktualität. Dabei sind dann die Erkenntnisse der Historie Hilfsmittel (u.a. Glaubwürdigkeit, Trackrecord), um Klarheit aus den Umständen der aktuellen politischen Maßnahmen gewinnen zu können. Daraus lassen sich im weiteren Verlauf Ergebnisse ableiten.

Narrative sind wie Geschwüre. Man braucht sie nicht wirklich. Im neuen Jahrtausend gab es davon leider schon zu viele!

Geheimdienste arbeiten geheim. Wenn Sie es nicht tun, handelt es sich um eine markante Anomalie. Anomalien auf dieser Ebene haben nichts mit Zufällen zu tun. Wenn also Geheimdienste an die Öffentlichkeit gehen, heißt es, Obacht zu geben. Sie liefern dann regelmäßig Munition, um öffentliche Meinung zu manipulieren. Dabei könnte es im aktuellen Fall „Russisches Kopfgeld“ um US-Wahlen gehen, um Trump zu belasten. Das war bereits bei dem Narrativ Russiagate der Hintergrund.

Das gängige Mittel für Geheimdienste sind Narrative. Auch wenn sie zerplatzen, bleibt immer etwas hängen, leider trotz verübter Verbrechen an Mensch und Wahrheit zu wenig an den Geheimdiensten selbst.

Die Gedanken gehen zurück an das Lügengebilde seitens der Geheimdienste ob des Irakkriegs (Basis für westliches Kriegsverbrechen (Angriffskrieg), das nie gesühnt wurde). Sie gehen weiter zu dem Thema Russiagate, das längst in sich zusammengebrochen ist.

Nun wird das Narrativ Kopfgeld von Russen für Taliban auf US-Soldaten in Afghanistan seitens der „Five Eyes“ bemüht, um faktisch Innen- aber auch Außenpolitik ohne demokratisch verankertes Mandat seitens der Geheimdienste zu betreiben.

Fakt ist, dass die USA im übertragendem Sinn Kopfgeld auf Soldaten der Sowjetunion in Afghanistan aussetzten, indem sie den Taliban seinerzeit Logistik und Waffen mitsamt Geheimdiensten zur Verfügung stellten. „Food for a lot of thought!“ Das sind Fakten – was „Five Eyes“ bisher anbieten, ist einmal mehr nur ein Narrativ!

Teilung der Welt – Kontinentaleuropa quo vadis?

Die Politik aus den Zentren London und Washington zielt seit Jahren gegen Russland und gegen China. Man will offensichtlich wieder eine Teilung der Welt forcieren. Dass dabei im internationalen Umgang genau die Regeln und Werte verletzt werden, die den Westen im Theorem von anderen Ländern abhoben, ist bemerkenswert.

Das aktuelle Narrativ als auch die der Vergangenheit zahlen auf dieses Thema ein. Ob das Verhalten aus London und Washington Ausdruck innerer Stärke oder des Gegenteils ist, überlassen wir Ihnen unter dem Verweis auf die hier häufiger vorgenommene Strukturanalyse (u.a. öffentliche Haushalte).

Die „Corona-Krise“ lenkt den Fokus von dem geopolitischen Thema ab. Sie zeigt aber auch auf, dass die Welt eigentlich Kooperation und keine Konfrontation braucht.

Kontinentaleuropa braucht als Konsequenz aus dem geopolitischen Dilemma, das in London und Washington verursacht wurde, einen eigenen Weg für die Zukunft. Dieser Weg ist ein Weg der Emanzipation gegenüber den USA. Es ist ein Weg, der Augenhöhe mit China und Russland bieten muss.

Dieser Weg lässt sich aus meiner Sichtweise ultimativ nur im Rahmen einer tieferen Integration der Eurozone (nicht EU!) erreichen. Dieses Europa sollte ein Moderator zwischen den Blöcken sein und mit allen so gut es geht Handel treiben, denn Handelspolitik war und ist Friedenspolitik (Hanse).

Sollten wir diesen Weg in Richtung der Vereinigten Staaten von Europa nicht einschlagen, würde die Kleinstaatlichkeit zu weiteren politischen Bedeutungsverlusten führen, die sich negativ auf den Kapitalstock auswirkten, denn „Business of Scale requires Politics of Scale“.

Wenn die wirtschaftliche Stabilität und Prosperität dann abnähmen, gäbe es dann politische Stabilität? Kontinentaleuropa quo vadis?

Aktuelle Corona-Lage gemäß der Johns-Hopkins-Universität

Wir weisen darauf hin, dass die Darstellung der Johns-Hopkins-Universität nur eine Annäherung an die reale Lage liefert. Insbesondere das fehlende Nachhalten diverser Länder bei den Genesungszahlen vermittelt eine Überzeichnung der Situation der aktiven Fälle.

Um die Divergenz zu verdeutlichen, haben wir die Daten bearbeitet. Dabei wurde unterstellt, dass 90% der Infizierten nach 3 Wochen genesen sind. Demnach stellte sich die Zahl der akuten Infektionen in Frankreich nicht auf 95.818, sondern läge bei circa 13.000. Im UK wären es nicht 268.975, sondern circa 30.000. Spanien stünde nicht bei 70.540, sondern bei circa 13.000. „Food for a lot of thought!“

In Asien setzt sich die Entspannung (und die wirtschaftliche Erholung) fort. In China liegen 513 akute Infektionen vor. In Südkorea stellt sich die Zahl auf 955. In Japan liegt sie bei 1.185. In Singapur sind es 5.381.

In Kontinentaleuropa ist die Lage stabil. Einige Länder liefern keine aktuellen Genesungszahlen laut Johns-Hopkins, so dass wir uns hier nur auf ausgewählte Länder fokussieren, die ihren Aufgaben nachkommen. In Deutschland liegt die Zahl der akuten Infektionen bei 8.328. Österreich liegt bei 583 Fällen. Die Schweiz bringt es auf 551. In Italien sind es noch 15.563. Irritierend und partiell grotesk sind u.a. die Genesungszahlen aus den Niederlanden, Belgien, Spanien, Frankreich und Schweden.

Die Problemländer sind vor allen Dingen die USA (1.786.391), Brasilien (554.129) und Indien (215.125) bezüglich Tendenz und Amplitude der Ausbreitung. In Russland beginnt sich die Situation zu beruhigen (225.650).

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden: Bis auf Japan recht erfrischend!

Eurozone: Insgesamt positiv

Die Verbraucherpreise stiegen per Juni laut Erstschätzung im Jahresvergleich um 0,3% (Prognose 0,1%) nach zuvor 0,1%. Maßgeblicher Hintergrund waren steigende Energiepreise. Die Kernrate legte um 1,1% (Prognose 1,1%) nach zuvor 1,2% zu.

In Irland sank die Arbeitslosenquote per Berichtsmonat Juni von zuvor 5,6% auf 5,3%. Der Markit PMI für das Verarbeitende Gewerbe Irlands legte per Juni von zuvor 39,2 auf 51,0 Zähler zu.

Per Berichtsmonat Mai kam es zu einem Anstieg der deutschen Einzelhandelsumsätze im Monatsvergleich um 13,9% (Prognose 3,9%) nach zuvor -5,3%. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 3,8% (Prognose -3,5%) nach zuvor -6,4%.

USA: Positive Tendenzen divergenter Natur

Laut dem 20 Städtevergleich nahmen die Hauspreise per April gemäß Case/Shiller im Monatsvergleich um 0,3% (Prognose 0,5%) zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 4,0% (Prognose 4,0%) nach 3,9%.

Der Einkaufsmanagerindex aus Chicago legte per Juni von zuvor 32,3 auf 36,6 Punkte (Prognose 45,0) zu.

Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart des Conference Board stieg per Juni von 85,9 (revidiert von 86,6) auf 98,1 Zähler (Prognose 91,8).

Japan: Tankan Report: Verarbeitendes Gewerbe enttäuscht

Per Mai fielen die Bauaufträge im Jahresvergleich um 6,1% nach zuvor -14,2%.

Neubaubeginne verzeichneten per Mai einen Rückgang um 12,3% (Prognose -15,9%) nach zuvor 12,9%.

Der Tankan Index für große Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sank per 2. Quartal von -8 auf -34 Punkte (Prognose -31).

Der Tankan Index für kleine Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes fiel per 2. Quartal von zuvor -15 auf -45 Zähler (Prognose -39).

Der Tankan Index für große Dienstleister ging per 2. Quartal von zuvor +8 auf -17 Punkte zurück (Prognose -18).

Der Tankan-Index für kleine Dienstleister sank per 2. Quartal von -1 auf -26 Zähler (Prognose -30).

China: Caixin PMI setzt positiven Akzent

Der von Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg per Juni unerwartet stark von zuvor 50,7 auf 51,2 Punkte (Prognose 50,5).

ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0850 – 70 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!

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