Abgasskandal Das Thermofenster als illegale Abschalteinrichtung im Dieselskandal

01.07.2020, 12:01  |  255   |   |   

Das sogenannte Thermofenster ist eine weit verbreitete Abschalteinrichtung, die deutsche Autobauer in Dieselfahrzeugen installiert haben. Die Schummelsoftware manipuliert die Abgasreinigung entsprechend der Umgebungstemperatur. Pikant: Die Abgasreinigung wird dabei nur bei realitätsfernen Temperaturen durchgeführt, die in Deutschland eher selten herrschen – auf dem Prüfstand der Zulassungsbehörden aber der Standard sind.

Mit dem Abgasskandal der deutschen Autoindustrie wurde bekannt, wie die Fahrzeughersteller mit verschiedenen Mitteln versuchen, die Abgasreinigung im Normalbetrieb zu drosseln – und dennoch die Zulassung für die Autos zu erhalten. Eine Methode ist das sogenannte Thermofenster. Diese Abschalteinrichtung kommt in den Motoren der Dieselfahrzeuge der Autobauer Opel, Daimler und Volkswagen sowie weiterer Hersteller zum Einsatz.

Thermofenster manipuliert je nach Außentemperatur

Wie bei den meisten anderen Abschalteinrichtungen wird die Abgasreinigung auch beim Thermofenster mithilfe einer Software manipuliert. In diesem Fall orientiert sich die Schummelsoftware an der Umgebungstemperatur und steuert dann die Reinigung der Abgase während der Fahrt. Normalerweise werden die entstehenden Abgase nicht sofort über den Auspuff freigesetzt, sondern erneut in den Motor zurückgeführt. Diese Abgasrückführung bewirkt, dass die Menge an umwelt- und gesundheitsschädlichen Stickoxiden reduziert wird, da eine zweite Verbrennung stattfindet. Die Abgase, die dann ausgepustet werden, sind also weniger schädlich und liegen unter den gesetzlichen Emissionsgrenzwerten.

Aufgrund des Thermofensters findet die Abgasrückführung jedoch nur innerhalb eines bestimmten Temperaturrahmens statt – und der liegt zwischen 20 und 30 Grad. Nur wenn die Umgebung diese paradiesischen Temperaturen aufweist, wird die Abgasreinigung in vollständigem Umfang durchgeführt und die Grenzwerte werden damit eingehalten. Außerhalb dieser Temperaturspanne wird die Reinigung der Abgase gedrosselt oder gänzlich abgeschaltet. Die Durchschnittstemperatur in Deutschland liegt jedoch nur an drei Monaten im Jahr bei über 15 Grad. Das bedeutet: Neun Monate lang fährt das Dieselauto von Daimler, Volkswagen und Co. mit geminderter Abgasreinigung – und stößt weit mehr ungefilterte Stickoxide aus als gesetzlich erlaubt.

Lediglich auf dem Prüfstand der Zulassungsbehörden liegt die Temperatur bei um 25 Grad. Unter diesen Bedingungen reinigt das Fahrzeug die Abgase dank aktiviertem Thermofenster. Das Auto hält die Emissionsgrenzwerte ein und wird für den Straßenverkehr zugelassen, darf also verkauft werden. Die Autobauer haben damit ihr Ziel erreicht.

Thermofenster als billige Alternative zu hochwertigen Bauteilen

Daimler und Volkswagen rechtfertigen den Einsatz des Thermofensters mit dem Bauteilschutz. Würde die Abgasrückführung während der Lebenszeit des Autos dauerhaft stattfinden, könnte der Motor schneller Schaden nehmen. Die preiswerteste Lösung ist eine Abschalteinrichtung wie das Thermofenster, das die Abgasreinigung die meiste Zeit verhindert. Die Verbraucher- und umweltfreundlichste Lösung wären etwas teurere Bauteile, die belastbarer sind und eine kontinuierliche Abgasreinigung aushalten. Die Autobauer wollten sich das Geld für die hochwertigeren Bauteile aber sparen und entschieden sich für eine Schummelsoftware wie das Thermofenster.

EuGH und BGH entscheiden über Thermofenster

Die Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), Eleanor Sharpston, hält die Abschalteinrichtungen in Dieselmotoren für illegal. Der Motorschutz sei, so Sharpston, kein ausreichender Grund für den Einsatz von Abschalteinrichtungen wie dem Thermofenster. Das Urteil der EuGH-Richter steht noch aus – meist folgen sie den Schlussanträgen ihrer Generalanwälte.

Der Bundesgerichtshof (BGH) – Deutschland oberstes Gericht – wird sich im Herbst 2020 mit dem Thermofenster von Daimler beschäftigen. Hält der BGH das Thermofenster für unzulässig, werden auch alle Landes- und Oberlandesgerichte in Rechtsstreits zwischen Verbrauchern und Autobauern so entscheiden.

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