Exklusiv MBB-CEO Christof Nesemeier: "Gut gefüllte Kriegskasse" - "Habe zuletzt nennenswert MBB-Aktien gekauft"

02.07.2020, 15:45  |  10163   |   |   

Dr. Christof Nesemeier, CEO der Beteiligungsgesellschaft MBB, exklusiv von Smart Investor interviewt: Wie MBB durch die Corona-Krise navigiert und welche Börsengänge er sich demnächst vorstellen kann. Einblicke für Anleger.

Smart Investor: Herr Dr. Nesemeier, können Sie bereits abschätzen, wie hoch der „Schaden“ für MBB durch COVID-19 sein wird?

Dr. Nesemeier: Bei aller gebotenen Vorsicht kann ich sagen, dass wir die Auswirkungen als recht gering einschätzen. Zum einen verfügen wir in der Holding über eine Netto-Cashposition von 180 Milionen Euro. Zum anderen schützt uns unser breit diversifiziertes Portfolio. Während Unternehmen wie DTS und Vorwerk praktisch nicht von Corona betroffen sind, spüren andere – wie Hanke – die negativen Folgen bislang nur in recht eingeschränkter Form.

So konnte Hanke die Rückgänge im Serviettengeschäft durch eine Verlagerung auf andere Produkte wie Toilettenpapier abfedern. Deutlich schwerer schlägt die Krise dagegen auf unsere Automotive-Beteiligungen durch. Firmen wie Aumann, OBO und Delignit stehen in diesem Umfeld natürlich vor großen Herausforderungen.

Smart Investor: Sie haben 2019 gleich drei Zukäufe getätigt. Mit Friedrich Vorwerk kam sogar der neue Geschäftsbereich Energieinfrastruktur dazu – ein Lucky Buy?

Dr. Nesemeier: Die Beteiligung ist Ergebnis unserer opportunistischen M&A-Tätigkeit und nicht einer gezielten Suche in der Branche. Wir wurden im Zuge einer Nachfolgeregelung angesprochen. Der Verkauf an einen Wettbewerber war aufgrund der besonderen Kultur von Friedrich Vorwerk, die unbedingt erhalten bleiben sollte, keine Option. Schließlich haben wir uns mit den Strukturen dieses Familienunternehmens näher beschäftigt. Wir sind hier durch Glück auf eine echte Goldmine gestoßen. Nahezu zeitgleich mit unserem Einstieg entschied die Politik zudem noch den Kohleausstieg. Später dann war die Add-on-Akquisition Bohlen & Doyen die perfekte Ergänzung.

Smart Investor: Erwarten Sie angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage zusätzliche Übernahmeopportunitäten?

Dr. Nesemeier: Davon gehe ich fest aus. Mit unserer gut gefüllten Kriegskasse sind wir für ein solches Szenario sehr gut aufgestellt. Dabei können wir uns Zukäufe in verschiedenen Branchen vorstellen. Besonders attraktiv finden wir Märkte mit einer robusten lokalen Nachfrage und weniger globaler Konkurrenz.

Smart Investor: Auf welche langfristigen Trends setzen Sie mit Ihren Beteiligungen?

Dr. Nesemeier: Der Trend zur Digitalisierung, von dem unsere Tochter DTS IT profitiert, bedient ein strukturelles Wachstumsthema. Hier gibt es in Deutschland noch Nachholbedarf. Auch die Energieinfrastruktur bietet vor dem Hintergrund der Energiewende eine nachhaltige Wachstumsstory. Dort treffen milliardenschwere Investitionsvolumina – Stichwort Südlink – auf eine nur begrenzte Kapazität. Entsprechend gut gefüllt sind die Auftragsbücher bei Vorwerk. Corona hat zudem im Bereich Consumer Goods die Bedeutung regionaler Produktionsstrukturen aufgezeigt, wie wir sie bei Hanke (Hygieneprodukte) und CT Formpolster (Matratzen) anbieten.

MBB

Smart Investor: Wohin geht die Reise der MBB?

Dr. Nesemeier: Ich blicke optimistisch in die Zukunft. Das sieht man auch daran, dass ich zuletzt nennenswert MBB-Aktien gekauft habe. Unsere aktuelle Aufstellung bietet alle Chancen. So wird sich eine Aumann, die im Kern ein deutsches Technologieunternehmen ist, flexibel an die neue Situation anpassen können. Perspektivisch kann ich mir auch einen Börsengang von DTS IT oder Vorwerk vorstellen. Dass wir ein IPO erfolgreich durchführen können, haben wir mehrmals bewiesen. Auf der Umsatzseite ist die Milliarde inzwischen ein realistisches Ziel.

Smart Investor: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Marcus Wessel, Gastautor bei Smart Investor

Über MBB

Die Beteiligungsgesellschaft MBB ist seit dem Jahr 2006 an der Börse notiert. Seitdem haben die Berliner ein durchschnittliches Umsatz- und Ertragswachstum von über 20 Prozent pro Jahr verzeichnet. Der Beteiligungsfokus liegt auf mittelständischen Unternehmen mit „Technologie- und Ingenieurskompetenz“ aus dem deutschsprachigen Raum. Mit dem Automobilzulieferer Delignit und dem Spezialanlagenbauer Aumann haben bereits zwei MBB-Beteiligungen einen Börsengang absolviert. Im Jahr 2019 kletterte der Umsatz der Gruppe auch dank Zukäufen auf einen neuen Rekordwert von 592 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der Reingewinn auf 26,9 Millionen Euro (2018: 15,4). Zuletzt erreichte MBB einen Börsenwert von rund 350 Millionen Euro.

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Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 06/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 23.05.2020 erfasst wurden.

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