Update zum größten deutschen Finanzskandal Ortex-Analyst schlägt Alarm: „Für alle, die dachten, die Wirecard-Saga sei vorbei, ist jetzt klar, dass die Leerverkäufer noch nicht fertig sind"

02.07.2020, 16:22  |  34046   |   |   

Die Ermittlungen im Fall der Wirecard-Insolvenz weiten sich aus. Beamte haben das Haus von Ex-Chef Markus Braun – der inzwischen von Wirecard fristlos entlassen worden ist – durchsucht. Auch in der Konzernzentrale bei München war die Staatsanwaltschaft zu Besuch. Dort stehen jetzt unter anderem die Vorstandsmitglieder Alexander von Knoop und Susanne Steidl im Fokus.

Unterdessen erklärte das Amtsgericht München in einer Pressemitteilung, dass weitere Firmen des Wirecard-Konzerns Insolvenz angemeldet haben - Wirecard Acceptance Technologies GmbH, Wirecard Sales International Holding GmbH, Wirecard Service Technologies GmbH, Wirecard Issuing Technologies GmbH und die Wirecard Global Sales GmbH.

Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffè haben sich bereits „zahlreiche Interessenten weltweit für den Erwerb von Geschäftsbereichen gemeldet“. Inzwischen häufen sich jedoch Berichte, dass zahlreiche Kunden und Geschäftspartner die Zusammenarbeit aufkündigen. Das dürfte den Verkauf von Unternehmensteilen erschweren.

Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge plant die japanische Softbank Group, eine im vergangenen Jahr gestartete Kooperation mit Wirecard zu beenden. Der Deal mit dem prestigeträchtigen japanischen Fonds sowie ein indirektes Softbank-Investment in Höhe von einer Milliarde US-Dollar hatte seinerzeit große Euphorie ausgelöst. Jetzt distanzieren sich die Japaner von dem skandalgeplagten Zahlungsdienstleister.

Ein prominenter und wichtiger Wirecard-Kunde war bisher der Discounter-Riese Aldi Süd. Nach Informationen von Finanz-Szene.de will das Unternehmen Kreditkartenzahlungen künftig über den Wirecard-Konkurrenten Ingenico abwickeln. Die Franzosen betreiben gemeinsam mit den deutschen Sparkassen das Zahlungssystem Payone.

Die US-Tochter der Aschheimer „Wirecard North America“ hatte sich zum Verkauf angeboten und betont, dass sie weitgehend autark vom Mutterkonzern sei. Solche Alleingänge will Insolvenzverwalter Jaffe jedoch eigentlich vermeiden. Man wolle bei der Zerschlagung einen „von der Muttergesellschaft konzertierten Transaktionsprozess“ anstreben.

Unterdessen geht die Achterbahnfahrt der Wirecard-Aktie weiter. Nachdem der Kurs am Anfang der Woche auf fast sieben Euro geklettert war, war ein Wirecard-Anteil am Donnerstagnachmittag nur noch rund 3,20 Euro wert.

Laut Daten von Ortex Financial Analytics haben einige Hedgefonds seit Beginn des Insolvenzverfahrens ihre Short-Positionen noch erhöht. Insgesamt werden derzeit über 10 Millionen Wirecard-Aktien (8,5 Prozent des Free-Floats) geshortet. „Für alle, die dachten, die Wirecard-Saga sei vorbei, ist jetzt klar, dass die Leerverkäufer noch nicht fertig sind", sagt Peter Hillerberg, Co-Gründer von Ortex.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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