Tarifrunde am Bau – Gegensätzliche Wahrnehmung

Nachrichtenquelle: PLATOW Verlag
06.07.2020, 11:10  |  8099   |   |   

Schon zu Jahresbeginn war abzusehen, dass es in der Tarifrunde 2020 am Bau hoch her gehen würde. Corona nun mit am Tisch sitzend, verschärft das komplizierte Verhältnis zwischen IG BAU, den Arbeitgeberverbänden ZDB (verhandlungsführend) und HDB noch.

Nach drei ergebnislosen Tarifverhandlungen ohne ein nennenswertes Angebot der Betriebe hat Verhandlungsführer Carsten Burckhardt am 25.6. den Abbruch angekündigt und so den Weg in die Schlichtung eröffnet. Es wäre für das Bauhauptgewerbe die dritte in Folge seit 2016. Doch wann die Tarifparteien beim auserkorenen Schlichter, Bundessozialgerichtspräsident Rainer Schlegel, vorsprechen, war zum Wochenende noch offen. Es fehlt das formell erklärte Scheitern durch die Gewerkschaft, sagt uns Heribert Jöris, Geschäftsführer für Sozial- und Tarifpolitik beim ZDB.

Somit ist auch der Schlichtungsanruf in Kassel noch nicht erfolgt. Die Arbeitgeber tappen, was den Zeitplan der Gegenseite angeht, im Dunkeln. Feststeht nur: Sobald die IG BAU den Prozess in Gang setzt, wird es schnell gehen. Maximal 14 Tage haben die Sozialpartner nach Beginn der Schlichtung Zeit, um zum Abschluss zu kommen. Jöris wünscht sich ein tragfähiges, der Situation der Bauwirtschaft entsprechendes Ergebnis, erklärt er uns. Hier liegt jedoch der Hund begraben, blicken die Tarifpartner doch seit Anbeginn der Gespräche völlig gegensätzlich auf die Lage auf den Baustellen.

Während die Gewerkschaft auf Basis der (noch) guten Umsätze auf kräftigen Lohnzuwächsen (+6,8% bzw. mind. 230 Euro mehr) und die verpönte Wegezeitentschädigung beharrt, verweisen die Arbeitgeber auf den sich am Bau mit Corona drehenden Wind in Form nachlassender Neuaufträge. Die Branche sei nicht coronaresistent wie die IG BAU es sehe, konstatiert Jöris. Auf Schlegel kommt also viel Arbeit zu. Schon 2018 hatte der damalige Schlichter, Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), seine liebe Mühe mit den Streithähnen – einen Tarifabschluss gab es dennoch.

Die Erfahrung aus früheren Schlichtungen stimmt Jöris denn auch positiv, dass auch diesmal ein für beide Seiten akzeptables Ergebnis möglich ist. Dafür müssen sich am Bau aber Wahrnehmungen verschieben. Danach schaut es bei Gewerkschaftsverhandler Burckhardt bislang nicht aus. Er sei „kampfeslustig“, versichert er den Mitgliedern in einer Videobotschaft. Wie viel davon Taktik ist, wird sich zeigen.

Dieser Bericht ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Für Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird keine Haftung übernommen.





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