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Finanzgiganten: Deutschlands Unicorns

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Gastautor: Martin Brosy
07.07.2020, 10:55  |  2224   |   

Entgegen allgemeiner Annahmen existieren Einhörner nicht nur in Märchenbüchern und Feengeschichten, nein es gibt sie auch an den Finanzmärkten dieser Welt. Zuerst nur vereinzelt, an einigen wenigen artenfreundlichen Orten, doch die Herde wächst.

Was ist ein Unicorn?

Den Titel „Unicorn“ erhalten im Allgemeinen Unternehmen, die es schaffen vor ihrem Börsengang oder Exit, also wenn sie sich von ihren Geldgebern trennen, einen Marktwert von über einer Milliarde US-Dollar zu erreichen. Im engeren Sinne sind damit vor allem Startups der Tech-Branche gemeint. Stand Juni 2020 gibt es insgesamt mehr als 400 Einhörner in den Ländern dieser Welt. Insbesondere in den USA sind Unicorns längst keine Seltenheit mehr, das Silicon Valley ist voll von ihnen. Deutschland hat dagegen bis heute nur eine kleine Anzahl Einhörner vorzuweisen. Die wenigen, die es in Deutschland gibt, sind vor allem in Berlin und München zu finden – den Städten, in denen sich Finanzkraft und Innovationsgeist die Klinke in die Hand geben.

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Unicorns in Deutschland

Die deutschen Mitglieder des globalen Unicorn Clubs sind im Folgenden, nach Marktwert geordnet, aufgeführt:

Auto1 Group – 3,54 Mrd.

Der Auto-Großhändler mit Sitz in Berlin existiert seit 2012, damals noch als Händlerbörse für Gebrauchtwagen unter dem Namen PkW1.net. Nachdem Softbank 2018 460 Millionen Euro in das Unternehmen investiert hatte, wurde das Unternehmen mit 2,9 Milliarden Euro bewertet. Ein Unicorn ist es aber schon seit 2015.

Otto Bock Health Care – 3,5 Mrd.

Otto Bock Healthcare existiert bereits seit 1919. Das Unternehmen produziert orthopädische Produkte und Prothesen und ist in Duderstadt, Niedersachsen, angesiedelt.

N26 – 3,5 Mrd.

N26 wurde 2013 mit der Vision gegründet Banking digital auf der ganzen Welt zugänglich zu machen. Seit 2016 ist die Online-Bank im Besitz einer europäischen Vollbanklizenz und bietet inzwischen eine große Palette an Finanzprodukten an. 2019 wurde die Series D Finanzierungsrunde von 300 Millionen Euro, mit einer Erweiterung von 170 Millionen, bekannt gegeben. Mit einer Bewertung von 2,5 Mrd. Dollar gilt N26 als das am höchsten bewertete deutsche Startup.

Celonis – 2,5 Mrd.

Celonis arbeitet daran mit Process-Mining Technologie operationelle Reibungen in Unternehmen zu beseitigen und so Geschäftsprozesse effizienter und effektiver zu gestalten. Zu ihren Kunden gehören unter anderem L’Óreal, Siemens und Uber. Gegründet wurde das Unternehmen 2011 in München, 2015 gelingt ihnen der Coup: Software-Gigant SAP setzt die Software des Unternehmens auf die eigene Preisliste und vertreibt das Produkt ab sofort weltweit. 2018 erhält Celonis in der Serie B Investitionsrunde über 50 Millionen Dollar und schafft so den Sprung zum Unicorn. Ein Jahr später steigert das Unternehmen mit einer Serie C Finanzierung durch Arena Holdings seinen Wert auf 2,5 Milliarden Dollar.

Flixbus – 2,25 Mrd.

Flixbus ist ein Mix aus Tech-Startup, Internetunternehmen und klassischem Verkehrsbetrieb. Smarte Netzplanung und dynamisches Preismanagement haben es dem jungen Unternehmen erlaubt Reisepreise signifikant zu drücken und der deutschen Bahn ernsthaft Konkurrenz zu machen. Flixbus wurde 2013 in München gegründet und ist inzwischen in großen Teilen Europas vertreten. Nachdem ca. 283 Millionen Dollar an Investorengeldern, u.a. von Daimler, Holtzbrinck Ventures und Silverlake, in das Unternehmen flossen, ist es Ende 2016 zum Unicorn aufgestiegen.

NuCom Group – 2,2 Mrd.

Die Holdinggesellschaft NuCom Group ist ein Ableger von ProSieben/Sat1. Zu ihr gehören u.a. Amorelie, ElitePartner und Verivox. Seit 2018 ist auch General Atlantic einer der Investoren, die Anteile Deutschlands größtem TV-Netzwerk halten.

Wefox Group – 1,76 Mrd.

Die Wefox Group ist ein Insurtech-Startup, das 2015 gegründet wurde, seitdem hat sie ihr jährliches Umsatzniveau auf über 100 Millionen Euro gesteigert. Das Unternehmen ist mit dem Ziel gestartet eine Kundenschnittstelle zu schaffen, die es Maklern ermöglicht ihre Kunden online zu verwalten und zu beraten. Inzwischen befindet sich das Unternehmen in der B-Series Finanzierungsrunde, die 2019 mit 125 Millionen Dollar gestartet und dann Ende des Jahres um 110 Millionen erweitert wurde und zeichnet sich durch flexible Versicherungsprodukte  und weltweit vernetzte Distributionskanäle aus.

CureVac – 1,3 Mrd.

CureVac ist im Rahmen der Corona Pandemie als Entwickler eines potenziellen Impfstoffs bekannt geworden. Inzwischen befindet sich der Impfstoff in der Testphase und CureVac bereitet seinen Gang an die amerikanische Börse Nasdaq vor. Gegründet wurde das medizinische Unternehmen 2000 von Dr. Ingmar Hoerr, der entdeckt hatte, wie das Biomolekül mRNA als therapeutischer Impf- oder Wirkstoff eingesetzt werden kann. Seinen jetzigen Wert von 1,3 Milliarden Dollar hat das Unternehmen erreicht, weil sich die deutsche Bundesrepublik mit 300 Millionen eingekauft hat, um zu verhindern, dass es in ein anderes Land abwandert.

Deposit Solutions – 1,12 Mrd.

Das FinTech-Startup Deposit Solutions wurde 2011 mit dem Ziel gegründet Open Banking als neuen Standard des Einlagengeschäfts zu etablieren. Die Plattform verbindet Banken aus insgesamt 20 europäischen Ländern und verwaltet ca. 25 Milliarden an Einlagen.

About You – 1 Mrd.

About You ist ein Tochterunternehmen der Otto-Group, das 2013 gegründet wurde und online Produkte im Bereich Mode und Technologie vertreibt. 2018 investierte Heartland 300 Millionen Dollar in das Unternehmen, so stieg seine Bewertung auf eine Milliarde Euro und About You wurde zum Unicorn. Unternehmensstandort ist Hamburg.

Omio – 1 Mrd.

Omio ist eine Online-Plattform, die es Nutzern ermöglicht verschiedene Reisearten zu vergleichen. 2013 wurde das Startup unter dem Namen GoEuro gegründet, 2019 wurde es in Omio umbenannt. Es wird mit insgesamt 300 Millionen Euro von verschiedenen Investoren unterstützt und hat seinen Firmensitz in Berlin. Die letzte Finanzierungsrunde brachte dem Unternehmen 150 Millionen und den Unicorn-Status.

GetYourGuide – 1 Mrd.

Get Your Guide ist ein Reiseratgeber, der es Nutzern ermöglichen soll, auf Basis von persönlichen Vorlieben den perfekten Urlaub zu buchen. Gegründet wurde die Online-Plattform 2009 und ist seitdem mit 650 Millionen Dollar an Investorengeldern auf globale Größe angewachsen.

Lilium Aviation – 1 Mrd.

Das wohl spannendste Einhorn: Lilium Aviation entwickelt elektrische Flugtaxis, deren Services bereits 2025 in diversen Städten dieser Welt verfügbar sein sollen. Das Startup wurde 2015 in München gegründet und hat seitdem die B-Series Finanzierungsrunde hinter sich gebracht und insgesamt Investorengelder in Höhe von 375 Millionen Dollar eingefahren. Es wurde auf LinkedIn zu einem der besten Startups Deutschlands gewählt.

Zu weiteren Unicorns, die ihren Börsengang inzwischen hinter sich haben, gehören zum Beispiel Zalando, das zu seinem Börsengang mit 6 Mrd. Dollar bewertet wurde, trivago, 2,9 Milliarden Marktwert zum Zeitpunkt des Börsengangs, und Scout24, das mit einer Bewertung von 3,2 Milliarden an die Börse ging.

Warum gibt es so wenige Unicorns in Deutschland?

Dass es in Deutschland im Vergleich zu den USA so wenige Unicorns gibt, hat mehrere Gründe. Zum einen profitiert Deutschland nicht von der gleichen Gründerkultur wie die USA. Die Menschen in Deutschland sind weniger risikobereit und gründen dementsprechend seltener. Darüber hinaus zahlen die Innovationsgiganten im Silicon Valley wesentlich besser und ziehen so Fachkräfte aus aller Welt an, auch aus Deutschland und genau diese Fachkräfte fehlen dann den deutschen Unternehmen. Außerdem herrscht in amerikanischen Unternehmen ein anderes Verständnis von Work-Life Balance - um nicht zu sagen kein Verständnis. Während sich deutsche Büros gegen 17 Uhr leeren, geht im Silicon Valley niemand vor 21 Uhr nach Hause.

Unicorns sind auch deswegen so selten in Deutschland, weil die finanziellen Lebensbedingungen hier nicht optimal sind. Amerikanische und chinesische Konzerne expandieren selten in europäische Märkte, während europäische Investoren selbst mit der Finanzkraft dieser Giganten nicht mithalten können. Folglich fehlt deutschen Startups schlicht das Kapital um sich schnell vergrößern und weiterentwickeln zu können. Das liegt auch daran, dass deutsche Kapitalgeber häufig vorsichtiger mit ihren Investments sind - und so wandern deutsche Startups ins Ausland ab und suchen dort ihr Glück.

Wie wird ein Unternehmen zum Unicorn?

Um ein Unicorn zu werden ist Vision nötig - und ein gewinnorientiertes Geschäftsmodell. Das haben aber auch viele Firmen, die es nie zum Unicorn bringen. Wer in den Big Leagues mitspielen möchte, muss vor allem eines: herausstechen. Was alle Unicorns eint ist eine Idee, die sie am Markt einzigartig macht – entweder weil sie einen Weg geschafft haben ein bestehendes Produkt signifikant zu optimieren oder weil sie ein Produkt entwickelt haben, das es so noch nicht gibt. In beiden Fällen geht es darum Nachfrage zu erzeugen, denn wenn kein Bedarf für das Produkt besteht, wird das Unternehmen scheitern. Stimmt die Idee, muss sie „nur noch“ finanziert werden. Investoren lassen sich am besten über einen ausgefeilten Businessplan und Pitch, der die richtigen Investoren überzeugt. Wenn ein einzigartiges Produkt, ein gut durchdachter Geschäftsplan und potente Investoren zusammenkommen, schaffen es Startups den richtigen Start hinzulegen. Und dann geht es darum zu testen, sich weiterzuentwickeln und zu skalieren – bis zum Unicorn.

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