Aktien-Perle abseits der Trampelpfade Günstig, großzügig und wenig Schulden: Kazatomprom ist mehr als eine Rohstoff-Marionette Russlands

08.07.2020, 11:10  |  14325   |   |   

Seit dem erfolgreichen Börsendebüt ist das kasachische Uranbergbau-Unternehmen auf Europas Kurszetteln zu finden. Was es so erfolgreich macht und warum es sich nach dem Crash so gut erholte, schreibt David Waschnig, Autor des Blogs deep-value.com, im Smart Investor.

Das ehemalige Staatsunternehmen aus Kasachstan wurde im Jahr 1997 gegründet und ging im Jahr 2018 an die Londoner Börse. Spätestens ab diesem Zeitpunkt musste Kazatomprom wie ein westliches Unternehmen geführt und bilanziert werden. Wer die Aktie nicht über die Hauptbörse London handeln will, kann sie auch im deutschen Freiverkehr erwerben.

Konkurrenzlos rentabel

Kazatomprom ist nicht nur der größte, sondern auch der mit Abstand günstigste Uranproduzent der Welt. Während die Konkurrenz zum rentablen Wirtschaften einen Uranpreis von 50 bis 60 US-Dollar pro Pfund benötigt, kann die Gesellschaft aus Nur-Sultan, der Hauptstadt Kasachstans, bereits bei 12 US-Dollar pro Pfund mit Gewinn arbeiten. Dies spiegelt sich auch in der Rentabilität des Unternehmens wider: Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte man trotz niedriger Uranpreise bei einem Konzernumsatz von 1.110 Millionen Euro einen Nettogewinn von etwas mehr als 310 Millionen Euro ausweisen.

Davon wurden zwei Drittel als Dividende ausgeschüttet, was der langfristigen Dividendenpolitik des Unternehmens entspricht. Beim aktuellen Kurs ergibt sich eine Dividendenrendite von 5,6 Prozent. Kein anderes Uranbergbau-Unternehmen schüttet auch nur ansatzweise so großzügig aus.

Die Welt steht still

Der Uranbergbau blieb von COVID-19 nicht verschont: Aufgrund der akuten Ansteckungsgefahr mussten weltweit Minen auf unbefristete Zeit stillgelegt werden, auch von Kazatomprom. Am Höhepunkt der Krise standen beinahe 50 Prozent der weltweiten Uranproduktion still – und das in einem Markt, der ohnehin von einem Angebotsdefizit geprägt ist.

Laut CEO Galymzhan Pirmatov wird das Unternehmen erst dann wieder seine Produktion hochfahren, wenn die Ansteckungsgefahr für die beinahe 20.000 Mitarbeiter deutlich gesunken ist. Da Russland und Kasachstan erst später vom Virus getroffen wurden, könnten bis dahin noch einige Monate ins Land gehen. Kazatomprom dürfte den operativen Stillstand aber gut meistern, da man kaum verschuldet ist und über ein großes Uraninventar verfügt.

Corona sei Dank

Seit dem Ausbruch des Virus zählt das gelbe Pulver, auch bekannt als Yellowcake, zu den am besten performenden Rohstoffen. Zuvor stand der Kurs noch bei 24 US-Dollar pro Pfund – mittlerweile hat er bereits 33 US-Dollar erreicht.

National Atomic Company Kazatomprom



Kazatomprom kann dank seiner speziellen Lieferverträge sofort vom Preisanstieg profitieren. Während der Großteil der Konkurrenz langfristige Lieferverträge zu Fixpreisen abschließt, geht Kazatomprom in der Regel nur langfristige Verträge ein, die sich am aktuellen Spotpreis orientieren. Diese Strategie macht sich aktuell bezahlt – sie kann jedoch auch nur von extrem günstig produzierenden Unternehmen verfolgt werden.

Eine Marionette Russlands?

Kazatomprom steht wegen mehrerer Joint Ventures mit dem russischen Staatsunternehmen Uranium One immer wieder in der Kritik. Den Nur-Sultanern wird vorgeworfen, man sei eine Marionette Russlands. Beschäftigt man sich jedoch genauer mit dem Konzern, dann wird sehr schnell klar, dass nicht nur mit der russischen Uranium One, sondern auch mit Unternehmen aus China, Frankreich und Kanada Joint Ventures bestehen. Man ist somit nicht in den Händen von Russland, sondern hat mehrere
starke Partner.

Fazit

Kazatomprom ist nicht nur der weltweit größte Uranproduzent, sondern auch mit Abstand derjenige mit den niedrigsten Produktionskosten. Während die Konkurrenz aktuell ums nackte Überleben kämpft, ist das kasachische Unternehmen hochprofitabel. Als wäre dies noch nicht genug, setzt sich auch noch der Uranpreis in Bewegung – was zukünftig zu exponentiell steigenden Gewinnen und einer noch höheren Dividende führen könnte.

Gastbeitrag von David Waschnig

David Waschnig (Foto) ist Autor des Blogs www.deep-value.com, in dessen Rahmen er Investments abseits der ausgetretenen Pfade vorstellt. Aktuell beschäftigt er sich intensiv mit den Sektoren Uran, Edelmetalle und Schifffahrt.

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Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 07/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 19.06.2020 erfasst wurden.

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