Deutsche Small- und Mid Caps Warren Buffetts Aktien-Profiling passt nahezu perfekt auf IVU und Grenke

10.07.2020, 13:03  |  20263   |   |   

Ohne Warren Buffett wäre wohl kein Artikel zum Thema Value Investing komplett. Der inzwischen fast 90-Jährige ist eine lebende Legende. Zusammen mit seinem kongenialen Mitstreiter Charlie Munger hat er das Prinzip des Value Investing über Jahrzehnte perfektioniert. Warum ausgerechnet die Aktien von IVU und Grenke gut in seine Anlagephilosophie passen würden, erklärt Marcus Wessel im Smart Investor.

Dabei baute Warren Buffett auf Grahams Theorie und dessen Studien auf. Das ist kein Zufall – immerhin lernte er Graham Anfang der 1950er-Jahre an der University of Columbia persönlich kennen. Am Ende wurde Graham zu Buffetts Lehrmeister. Doch statt Grahams Ideen eins zu eins zu übernehmen, entwickelte Buffett schon damals seine eigene Value-Strategie, die zugleich das Fundament seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway bildete.

Anstatt auf sehr günstige Aktien zu setzen, so wie es Graham tat, baute er auf Qualitätsunternehmen. Diese lassen sich anhand mehrerer Kriterien herausfiltern: So sollten sie bereits über einen längeren Zeitraum positive Ergebnisse erzielt haben, was klassische Turnarounds ausschließt. Buffett bevorzugt Firmen mit einem verständlichen Geschäftsmodell, hohen Renditen auf das Eigenkapital, einer geringen Verschuldung und einem erfahrenen Management.

Wichtig sind überdies Wettbewerbsvorteile, die im Bild des „Burggrabens“ (englisch: „Moat“) zum Ausdruck kommen. Zur Berechnung des inneren Werts greift Buffett auf die „Owner Earnings“ zurück. Dabei handelt es sich – stark vereinfacht – um Abschreibungen und alle nicht um cashwirksame Änderungen bereinigten Gewinne. Auch Änderungen im Nettoumlaufvermögen haben einen Einfluss auf die Owner Earnings. Buffett schaut somit nur auf die Gewinne, die auch tatsächlich zur Ausschüttung zur Verfügung stehen.

Nebenwerte mit Buffett-Siegel

Nehmen wir einmal an, Buffett würde sich unter deutschen Small- und Mid Caps nach Investmentgelegenheiten umsehen – die Wahrscheinlichkeit wäre recht hoch, dass der Verkehrstelematikanbieter IVU (IK) für ihn infrage käme. Seit der Gründung im Jahr 1976 haben sich die Berliner eine führende Position im Bereich Software und IT-Lösungen für den ÖPNV und die Transportlogistik erarbeitet.

Aus Buffetts Sicht besonders wichtig: Der für IVU relevante Markt wächst verlässlich und weitgehend konjunkturunabhängig, da Trends wie die Digitalisierung der Verkehrsbetriebe und der geförderte Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität erst an ihrem Anfang stehen.

IVU Traffic Technologies

Bei Ausschreibungen tritt die Gesellschaft meist nur noch gegen einen oder zwei Wettbewerber an. Gerade dies deutet auf besagten Burggraben hin. Zuletzt erhielt man den Zuschlag für einen Großauftrag der Basler Verkehrsbetriebe und für ein Großprojekt in Slowenien. Auch für Elektrobusse hat IVU eine Komplettlösung im Angebot. Für einen Laien wie Buffett mag dabei nicht immer jedes Detail verständlich sein – darauf kommt es aber auch nicht an. Vielleicht sollten sich Anleger lieber das von Vorstandschef Martin Müller-Elschner auf der Hauptversammlung gewählte Beispiel ins Gedächtnis rufen.

Danach sorge IVU bei vielen Verkehrsbetrieben für die „Ablösung von Papier und Bleistift und Excel“. Schließlich dürfte Buffett Gefallen an IVUs blitzsauberer Bilanz und am weiterhin hohen finanziellen Engagement der Gründer finden. Angesichts dessen erscheint die Bewertung der Aktie (KGV: 19) noch moderat.



Eine große Schwäche hat Buffett auch für Finanzwerte. Aber nicht allein deshalb passt der MDAX-Titel Grenke in sein Beuteschema: Als Leasinganbieter vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen sowie Selbstständige hat sich die Gesellschaft in den vergangenen Jahren eine führende Marktposition in Europa aufgebaut. Neben Büroausstattung wie Notebooks und Kopierer bietet man aber auch Medizintechnik und andere Maschinen/Anlagen zum Leasing an. Längst ist Grenke auch weltweit aktiv.

GRENKE

Die recht risikoarme Gründung neuer Landesgesellschaften nach dem Prinzip der „Zellteilung“ hat sich dabei bewährt. Für Buffett ist die Verlässlichkeit der Ergebnisse von großer Bedeutung. Grenkes Return on Equity liegt seit vielen Jahren beständig im prozentual zweistelligen Bereich, und als Marktführer profitiert man zusätzlich von Skaleneffekten und seiner effizienten Kostenstruktur – beides sorgt für den von Buffett gewünschten Wettbewerbsvorteil. Auch das Versprechen einer stabilen Ausschüttung hielt der erfahrene Vorstand trotz Corona ein.

Fazit

Ganz egal, welche Value-Philosophie man verfolgt – ein eigenes Research und eine detaillierte Fundamentalanalyse sind stets notwendig für den Erfolg. Wie Buffett und Graham beweisen, sind darüber hinaus Geduld und Selbstbewusstsein gefragt. Nur dann lassen sich frühzeitig Werte entdecken, die von den meisten Anlegern übersehen werden.

Autor: Marcus Wessel

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Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 07/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 19.06.2020 erfasst wurden.

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