Erste Sammelklage gegen Wirecard in den USA (FOTO)

Nachrichtenagentur: news aktuell
10.07.2020, 17:00  |  146   |   |   
Berlin (ots) - New Yorker Kanzlei wirft Zahlungsabwickler jahrelange
Falschangaben in Finanzberichten vor // Klage richtet sich gegen Konzern,
mehrere frühere und amtierende Topmanager und Wirtschaftsprüfer EY

Nach dem Zusammenbruch des Zahlungsabwicklers Wirecard ist in den USA die erste
Sammelklage eingegangen. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin CAPITAL
(Onlineausgabe) unter Berufung auf den Schriftsatz, den die auf Investorenklagen
spezialisierte New Yorker Kanzlei Rosen Law Firm am 7. Juli bei einem Gericht im
US-Bundesstaat Pennsylvania eingereicht hat. Die Klage richtet sich gegen das
Unternehmen, Topmanager sowie den langjährigen Wirtschaftsprüfer von Wirecard,
EY.

In der 31-seitigen Klageschrift, die CAPITAL vorliegt, werfen die US-Anwälte dem
Dax-Konzern und sechs früheren und amtierenden Topmanagern um den langjährigen
Vorstandschef Markus Braun wiederholte Verstöße gegen das US-Aktienrecht vor,
die zu einem massiven Vermögensschaden für die Aktionäre geführt hätten. Demnach
sollen die Beklagten im Zeitraum vom 17. August 2015 bis 24. Juni 2020 in
offiziellen Konzernmitteilungen wie Quartals- und anderen Finanzberichten
falsche Angaben zur Lage des Unternehmens veröffentlicht und die Aktionäre damit
getäuscht haben.

So habe Wirecard etwa seine Cashbestände zu hoch angegeben, indem es die
angeblich auf Treuhandkonten auf den Philippinen liegenden Guthaben in Höhe von
1,9 Mrd. Euro verbucht habe. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass diese
Guthaben vermutlich nicht existieren. Allgemein habe der Zahlungsdienstleister
über Jahre seine Finanzergebnisse falsch dargestellt und unter anderem zu hohe
Umsätze und Ergebnisse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA)
ausgewiesen, heißt es in der Klageschrift weiter. Der deutschen
Tochtergesellschaft von EY werfen die Kläger vor, die Abschlussprüfer hätten es
unterlassen, Wirecard gemäß den geltenden Auditing-Standards zu prüfen.

Wie hoch die Verluste für die Anleger sind, wird in der Klage nicht ausgeführt.
Der Schaden müsse im Rahmen eines Verfahrens vor einer Geschworenenjury
ermittelt werden, heißt es in dem Schriftsatz. Fest stehe aber, dass die Angaben
zur Finanzlage und den Geschäftsaussichten des Konzerns für den Zeitraum der
Klage ohne belastbare Basis gewesen seien. Dadurch sei der Preis der Wertpapiere
"künstlich aufgebläht" worden.

Wirecard ließ eine Anfrage von CAPITAL unbeantwortet. Ein EY-Sprecher teilte
mit, bei dem Unternehmen seien "keine Klagen eingegangen". Daher könne man keine
Stellungnahme abgeben.

Pressekontakt:

Thomas Steinmann
Redaktion CAPITAL
Telefon: 030/220 74-5119
E-Mail: steinmann.thomas@capital.de http://www.capital.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/8185/4649024
OTS: Capital, G+J Wirtschaftsmedien


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