Media and Games Invest im Interview "Wir wollen weiter dynamisch wachsen"

Nachrichtenquelle: Nebenwerte Magazin
14.07.2020, 10:10  |  634   |   |   
Scale | Media and Games Invest im Interview:

In unserem heutigen Interview konnten wir unsere Fragen an Remco Westermann, CEO und Vorstandsvorsitzender der Media and Games Invest PLC (ISIN: MT0000580101), stellen.

Herr Westermann, Sie haben ein Upgrade der Börsennotierung vorgenommen und die Aktien der Media and Games Invest notieren nun im Scale Segment. Was sind die Hintergründe dafür?

Remco Westermann: Mit dem Upgrade in das Scale-Segment haben wir nicht nur dem Wunsch von Investoren entsprochen, sondern auch einen logischen nächsten Schritt vollzogen. Für uns ist Transparenz am Kapitalmarkt wichtig und wir sehen die Börsennotierung auch als einen Teil unserer Wachstumsstory und auch durch die engere Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse und unserem Capital Markets Partner die Möglichkeit, unsere Kapitalmarktaktivitäten weiter zu optimieren. Insbesondere Institutionelle Anleger haben uns zu einem Uplisting aus dem Basic Board geraten. Einige konnten z.B. aufgrund der Anlagerichtlinien ihrer Fonds nicht investieren. Durch den Wechsel in das Scale Segment erhoffen wir uns deshalb gerade bei den institutionellen Investoren eine noch höhere Aufmerksamkeit sowie eine breitere Investorenbasis.

Was genau verbirgt sich hinter der Media and Games Invest plc?

Remco Westermann: Die Media and Games Invest plc, MGI, ist in den Bereichen digitale Medien und Games tätig, beides substantielle Märkte mit jeweils über 10 % jährlichem Wachstum und hohem Synergiepotential. MGI wächst sogar noch schneller als der Markt und verzeichnete in den vergangenen 5 Jahren durchschnittlich ein Jährliches Umsatzwachstum von 43 % sowie ein Ebitda Wachstum von 54 %. Wir erwarten auch in den kommenden Jahren ein jährliches Umsatzwachstum von über 30 %. Dieses starke Wachstum basiert auf der Kombination von organischem Wachstum und Übernahmen. In den vergangenen Jahren hat MGI über 30 Unternehmen oder Assets von Gesellschaften übernommen. Dabei profitiert MGI von einer Konsolidierung im Markt und den fehlenden Perspektiven kleiner Gesellschaften. Hierdurch können die Gesellschaften günstig erworben werden und durch eine zügige Integration in die MGI-Gruppe werden bereits nach kurzer Zeit Synergien gehoben und die Effizienz deutlich gesteigert.

Wie sieht Ihre Börsengeschichte aus? Seit wann ist Ihr Unternehmen wo notiert? Was war der ursprüngliche Grund/Zielsetzung für das Listing? Wurde dieses Ziel erreicht?

Remco Westermann: MGI ist durch die Übernahme einer börsennotierten Gesellschaft, die damals im Immobilienbereich tätig war, an den Kapitalmarkt gekommen. Für die heutige Gesellschaft war dann die Übernahme der gamigo im Jahr 2018 sicher ein besonderer Meilenstein. gamigo verfügt über eigene etablierte Spieleplattformen mit einer starken Spielerbasis. 88 % der Gaming-Umsätze werden durch Spieler generiert, die über unsere eigenen Plattformen kommen und nur 12 % über Drittanbieter wie Steam. Hier können wir also durch die Anbindung weiterer Spiele durch Übernahmen sehr schnell zusätzliche Deckungsbeiträge erreichen, weshalb wir auch weiter Zukäufe auf der Agenda haben. Zusätzlich werden nun auch Unternehmen und Assets im Medienbereich übernommen und integriert. Ein starkes Mediensegment innerhalb der MGI Gruppe verbessert nicht nur die Effizienz der Kundenakquisition für bestehende Spiele sowie bei der Veröffentlichung neuer Spiele, es weist auch stand-alone hohe Wachstumsraten und Margen auf. Mit der Börsennotierung haben wir eine bessere Sichtbarkeit bei Investoren und ein flexibles Kapitalmarktinstrument. Genutzt haben wir den Kapitalmarkt z.B. auch bei der Platzierung unserer in Schweden notierten Anleihe im Volumen von 50 Mio. Euro sowie unserer MGI Anleihe von bis zu 25 Mio. Euro in Deutschland. Kurz gesagt, wir sind mit der Notierung sehr zufrieden, wünschen uns aber natürlich noch mehr Aufmerksamkeit.

Weshalb denken Sie, wird Ihr Unternehmen relativ wenig am Kapitalmarkt wahrgenommen?

Remco Westermann: Ich sehe hier vor allem zwei Gründe. Zum einen sind wir mit einer Marktkapitalisierung von circa 100 Mio. Euro für viele Investoren einfach noch zu klein, zum anderen gibt es in Deutschland auch keine wirkliche Peergroup im Bereich Spiele. Aber beides ist für uns natürlich Ansporn, hier eine Änderung durch eine aktive Kommunikation zu erreichen. Gerade kleinere Investoren und Family Offices sind inzwischen in der MGI-Aktie investiert und mit unserem geplanten weiteren Wachstum wollen wir natürlich auch an der Börse in eine neue Größenordnung wachsen.

Und gleichzeitig wird ihr Unternehmen von namhaften Banken gecovert – Hauck und Aufhäuser, Warburg und andere. Woher das große Interesse an ihrem Unternehmen?

Remco Westermann: Gerade weil die MGI im deutschen Aktienmarkt keine wirkliche Peergroup hat bedürfen der Markt und das Geschäftsmodell in diesem Bereich noch einem relativ hohem Grad an Erläuterung, nicht zuletzt aus Transparenzgründen. Wir freuen uns deshalb, das namhafte Banken bereit sind uns zu covern, sich intensiv mit den Märkten auseinanderzusetzen und ein Stück weit Education betreiben. Aus meiner Sicht geben die Researchberichte einen guten Überblick über unser Geschäftsmodell und über unsere Geschäftsaussichten.

Was denken Sie über die genannten Kursziele für Ihre Aktie?

Remco Westermann: Die genannten Kursziele liegen zwischen 1,80 Euro und 3,20 Euro je Aktie, also deutlich über unserer aktuellen Börsennotierung. Der große Unterschied der Kursziele basiert darauf, das einige Analysten unsere kontinuierlichen M&A – mit im Schnitt bis zu 5 Akquisen pro Jahr – in Ihre Prognosen aufnehmen, während bei den niedrigeren Bewertungen unsere zukünftig geplanten M&A nicht bzw. weniger berücksichtigt werden. Es freut mich als substanzieller Aktionär der Gesellschaft natürlich, wenn auch von Analystenseite erhebliches Potenzial in der Aktie gesehen wird. Ich jedenfalls freue mich auf die weitere Entwicklung der MGI.

Die Marktkapitalisierung ist bei 70.020.000 Aktien selbst bei einem aktuellen Kurs von 1,40 Euro relativ hoch oder relativ niedrig? Was sind Ihre wichtigsten Assets?

Remco Westermann: Wir verzeichnen ein kontinuierliches starkes Wachstum, mit einem CAGR von über 40 % in den vergangenen 5 Jahren. Dieses Wachstum spiegelt sich laut Analysten noch nicht wirklich in unserer Bewertung wider. In Zusammenhang mit unseren jüngsten Übernahmen sowie dem Auskauf von Minderheiten hat sich inzwischen die Aktienzahl auf ca. 92.000.000 Aktien erhöht, wobei sich davon ca. 20.000.000 Aktien noch im Listing Prozedere befinden. Durch unsere Plattformtechnologie können wir kleinere Wettbewerber und einzelne Spiele schnell aufschalten und so zusätzliche Deckungsbeiträge generieren. Dies sehe ich als unser größtes Asset, da wir dank dieser Lösung mit jeder weiteren Andockung von Spielen zusätzliche Synergien heben können. Im Spiele Bereich machen wir dies nun sieben Jahre und haben inzwischen über 20 Akquisitionen getätigt und integriert. Auch im synergetischen Medien Bereich verfolgen wir nun seit ca. 3 Jahren eine vergleichbare buy-and-build Strategie, mit inzwischen über 10 M&A-Transaktionen. Zudem wachsen beide Märkte stark und bieten damit auch gute organische Wachstumsmöglichkeiten. Wie gut wir aufgestellt sind, zeigen unsere Zahlen für 2019. Der Umsatz ist stark gestiegen auf 84 Mio. Euro. Auch in Q1 2020 hat sich der Umsatz mit 26,5 Mio. Euro nahezu verdoppelt. Dass das starke Wachstum setzt sich also fort. Dazu kommt, dass sich sowohl im Spiele- wie auch im Medienbereich sehr gute EBITDA’s erzielen lassen. Mit 5,3 Mio. Euro erzielte die MGI in Q1 2020 eine EBITDA Marge von 20 %.

Wie sind in diesem Zusammenhang folgende Angaben auf Ihrer Homepage zu verstehen:

300.000.000 Aktien „authorized“? Wann und zu welchen Bedingungen würde von dieser Authorisierung Gebrauch gemacht werden?

Remco Westermann: Wir haben im Rahmen unserer Wachstumsstrategie derzeit die Möglichkeit, bis auf 300 Millionen Aktien aufzustocken. Dies gibt uns Flexibilität, die wichtig ist für unser weiteres Wachstum, weil Aktien bei M&A eine wichtige Währung darstellen. Aber wir achten natürlich darauf, dass Aktien nur ausgegeben werden, wenn dies für die bestehenden Aktionäre zu einem klaren Mehrwert führt. Bevorzugt finanzieren wir unser Wachstum aus unserem starken Operativen Cashflow und Fremdkapital. Aktuell verfügen wir über einen substantiellen Bestand an Barmitteln.

Und die 22.053.507 Inhaberaktien „in the process of issuance“ kommen zu den bereits emittierten 70 Mio. Aktien und vermindern die 300 Mio. genehmigten Aktien oder wie sieht es aus?

Remco Westermann: Es gibt in der Tat noch ca. 22 Mio. Aktien, die bald zum Handel zugelassen werden sollen. Wenn wir Aktien als Kaufwährung einsetzen, wie z.B. beim Kauf von Firmen oder dem Auskauf von Minderheiten, dann werden die meist als eine Art Leihaktien vom Großaktionär zur Verfügung gestellt, worauf die Aktien nach erfolgter Schaffung von der MGI wieder an den Aktionär zurückgeliefert werden. Wenn diese Aktien vollständig registriert sind beläuft sich unsere Aktienzahl auf ca. 92 Mio. Aktien.

In Deutschen Aktiengesellschaften ist ein derartiges Verhältnis „authorized“ Aktien zu ausgegebenen Aktien nicht möglich – ist es für eine PLC üblich? Warum ist die Anzahl so hoch?

Remco Westermann: Wir empfinden es als positiv, dass wir die Möglichkeit haben, flexibel und zügig zusätzliche Aktien auszugeben, weil das zu unserem M&A Modell gut passt und nicht so restriktiv ist. In vielen anderen Ländern, in denen unsere Mitbewerber sitzen wie beispielsweise Schweden, ist es ebenfalls möglich, das Management mit entsprechender Flexibilität auszustatten. Es handelt sich aber wie gesagt nur um die Möglichkeit, weitere Aktien auszugeben. Diese Zahl heißt nicht, dass auch wirklich in der Größenordnung weitere Aktien ausgegeben werden sollen. Wir wollen weiter stark wachsen und dabei spielt auch die Möglichkeit mit Aktien zu zahlen eine Rolle. Wir sind uns aber klarerweise sehr wohl bewusst, dass es nur Sinn macht Aktien auszugeben, wenn dies auch zu zusätzlichen Shareholder Value führt.

Und nun zurück zur Gegenwart: In dem aktuellen Umfeld stellt sich da natürlich die Frage, inwieweit Ihr Geschäft von der Corona-Krise betroffen ist?

Remco Westermann: Unser Bereich Gaming hat deutlich von der eingeschränkten Bewegungsfreiheit profitiert. Wir haben so zahlreiche neue Nutzer, zudem längere Nutzungszeiten und auch höhere Umsätze in den vergangenen Monaten gesehen. Dieses veränderte Nutzungsverhalten zeigt sich dabei weltweit, wobei wir einen deutlichen Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen und den Spiele-Aktivitäten in den einzelnen Regionen feststellen konnten.

Welche Trends haben sich denn besonders herauskristallisiert?

Remco Westermann: Unsere Auswertungen haben ergeben, dass gerade Multiplayer-Spiele vom Lockdown stark profitiert haben. Mit anderen Worten, wenn jemand zu Hause schon wenig soziale Kontakte haben darf, dann möchte der oder diejenige auf andere Weise mit den Menschen in Kontakt kommen und viele haben dafür das Online-Spielen mit anderen genutzt. Also Spielen gegen die Isolation und das ohne Infektionsrisiko. Dabei zeigen die bisherigen Zahlen, dass viele der neuen Spieler auch dabei bleiben, wir also von einem langfristigen Effekt sprechen können. Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass Wirtschaftskrisen generell eher positiv zum Geschäft beitragen. In Krisensituationen werden eher die größeren Ausgaben zurückgestellt, während man sich trotz allem die kleinen Freuden, wie zum Beispiel Ausgaben für Spiele, gönnt.

Das scheinen ja auch die Investoren so zu sehen, jedenfalls notiert ihre Aktie aktuell sogar über dem Vorkrisenniveau.

Remco Westermann: Nachdem unsere Aktie zunächst mit dem Gesamtmarkt nach unten gegangen ist, haben Investoren sehr schnell wahrgenommen, dass Spiele von der Entwicklung profitieren. Dabei möchte ich aber auch betonen, dass wir auch vor der Corona-Krise über mehrere Jahre deutlich und profitabel gewachsen sind. Wir haben hier aber durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit dann noch einen zusätzlichen positiven Effekt in dem Bereich gesehen.

Sie haben in der Vergangenheit gemäß ihrer Buy & Build-Strategie gleich mehrere Übernahmen getätigt. Soll das in den kommenden Quartalen so weitergehen?

Remco Westermann: Ja, Übernahmen gehören klar weiter zu unserer Wachstumsstrategie. Dabei bevorzugen wir aber unverändert Gesellschaften, die eine Finanzierungslücke aufweisen oder nur über einzelne gute Spieleassets verfügen, die aber durch die Anbindung an unsere Plattform schnell in die Profitabilität geführt werden können. In diesem Bereich gibt es übrigens sehr viele potentielle Targets.

Was sind die die langfristigen Treiber Ihres Geschäfts?

Remco Westermann: Der Spielemarkt wird 2020 auf über 165 Mrd. US-Dollar geschätzt, damit ist er größer als die Märkte für Musik, Film und Bücher. Und der Spielemarkt wächst weiter. In den vergangenen Jahren lag die jährliche Zuwachsrate bei rd. 10 %. Wir reden hier also über einen sehr großen Markt, der sich dynamisch weiterentwickelt. Und wir reden über einen fragmentierten Markt, in dem es relativ wenige große Player, dafür aber sehr viele kleine Gesellschaften gibt. Wir wollen sowohl die Marktentwicklung weiter nutzen, als auch die Möglichkeit, günstig interessante Ergänzungen für unsere Plattform zu erwerben. Aber jetzt haben wir sehr viel über das Gaming gesprochen, nicht vernachlässigen möchte ich auch unseren zweiten Bereich digitale Medien. Auch hier sehe ich weiteres Wachstumspotenzial und zudem gibt es substantielle Synergien zwischen beiden Bereichen, die wir verstärkt nutzen werden.

Denken Sie an Übernahmen? Beteiligungserwerb?

Remco Westermann: Auch im Bereich digitale Medien haben wir ja bereits zugekauft und das wollen wir auch weiter tun. Auch hier gilt es, Gesellschaften zu erwerben und durch die Einbindung in die MGI-Unternehmensgruppe schnell Synergien zu heben und die Gesellschaften in die Profitabilität zu bringen.

Bei welchen Spiele-Genres ist die MGI besonders stark?

Remco Westermann: Bei den Spielen liegt unser Fokus klar auf Spielen mit langfristigen und loyalen Spielern, wie unseren Massive Multiplayer Online Spielen (MMOs werden von mehreren tausend Spielern gleichzeitig gespielt) oder Casual Game Abo`s (Gelegenheitsspiele). Durch die lange Spieler- Lifetime verfügen diese Spiele über langfristige Umsätze und sind entsprechend sehr wertvolle Assets. Bezüglich der Spielegenres sind wir im MMO Bereich besonders stark in den Bereichen Strategie-; Aufbau-; und Rollenspiele tätig.

Welche Bedeutung spielt das Handy inzwischen bei den Spielen?

Remco Westermann: Der größte Teil unserer Spiele sind PC-, Browser- und Konsolen Spiele. Bei den von uns favorisierten Massive Multiplayer Online Games und Casual Games sehe ich da besonders starke Wettbewerbsvorteile und viel Potenzial, da die Margen hier deutlich besser sind. Während wir 8-10 % Paymenkosten haben, müssen Betreiber von Mobile Games 30 % vom Umsatz an die App Stores abgeben, weshalb deren Margen deutlich schlechter sind. Auch ist die Kundenakquisition aufgrund des hohen Wettbewerbs für Mobile-Spieler deutlich teurer. Aber, auch im Mobile Games Bereich wollen wir in den kommenden Jahren klar wachsen und haben hier einige Akquisitionskandidaten auf unserer Shortlist und programmieren bspw. Desert Operations derzeit um für mobile Endgeräte.

Die MGI hat ihren Firmensitz auf Malta, warum ist das so und gibt es Pläne, den Firmensitz zu verlegen?

Remco Westermann: Der Firmensitz ist historisch begründet, da wir über einen Mantel an die Börse gegangen sind und die Mantelgesellschaft schon immer ihren Firmensitz auf Malta hatte. Malta ist Mitglied der Europäischen Union, hat aber insbesondere bei Deutschen Investoren immer noch ein etwas negatives Image. Angelsächsische und skandinavische Investoren haben keine Probleme damit bzw. kennen die Strukturen genau und investieren sogar lieber in maltesische als in deutsche Firmen. Wir schließen aber einen zukünftigen Umzug in ein anderes EU-Land nicht aus und prüfen in dem Zusammenhang auch bereits die Umwandlung in eine SE, was der erste logische Schritt für eine Sitzverlagerung wäre.

Sie sind nach wie vor der größte Aktionär mit rund 40% der Anteile (fully diluted, indirekt über die Bodhivas GmbH). Ist hier eine Veränderung geplant?

Remco Westermann: Ich bin von den Chancen der MGI weiter absolut überzeugt und freue mich, Großaktionär der Gesellschaft zu sein und möchte das auch bleiben. Ich habe in den vergangenen Wochen ja, nachdem unsere Q1 Zahlen veröffentlicht wurden, Aktien zugekauft.

Wie sieht sonst Ihre Aktionärsstruktur aus? Gibt es neben Ihnen Aktionäre, die sich langfristig gebunden sehen?

Remco Westermann: Ca. 35 % der Aktien sind echter Free Float und ca. 25 % liegen bei Fonds und langfristigen Ankerinvestoren. Rund 40 % halte ich, wie Sie schon anmerkten, über eine Holding selber.

Ihre wichtigste Beteiligung, die gamigo AG, hat in Schweden einen Bond über insgesamt 50 Mio. Euro platziert. Warum gerade in Schweden? Zu welchen Konditionen? Was sollte mit dem Geld gemacht werden?

Remco Westermann: Investoren in Schweden sind mit dem Bereich gaming viel vertrauter als die Investoren in Deutschland. Dies war der Grund, warum wir dort unsere Anleihe platziert haben. Der Bond hat einen Zinssatz von 7,75 %, wird aber derzeit OTC zwischen 103 bis 105 % gehandelt. Wir nutzen die finanziellen Mittel vom Bond für die Umsetzung unserer Buy & Build-Strategie und investieren die Mittel in unser profitables Wachstum.

Können Sie bitte zu einigen Stichworten Stellung beziehen, bevor wir zu einer Gesamtbetrachtung kommen:

Corona: Für die Menschen ein deutlicher Einschnitt mit vielen Belastungen, MGI aber konnte vom veränderten Nutzungsverhalten profitieren.

Übernahme: Wir wollen weiter zukaufen und planen drei bis fünf Übernahmen pro Jahr und sehen gerade durch Corona einen deutlich erhöhten Deal Flow. Dass aber MGI übernommen wird, ist nicht geplant. Wir haben uns für eine Börsennotiz entschieden, um eigenständig zu wachsen.

Kapitalbedarf: Wachstum muss auch finanziell unterlegt sein. MGI stehen hierfür grundsätzlich zwei Möglichkeiten offen. Zum einen sind wir profitabel und generieren so Cash, den wir für organisches Wachstum und für Übernahmen nutzen, zum anderen können wir bei zusätzlichem Bedarf natürlich auch unseren Kapitalmarktzugang nutzen.

Konkurrenz: Der Markt ist in den Geschäftsbereichen Medien wie auch Games sehr groß und wächst. Auf beiden Märkten gibt es jeweils zahlreiche kleine und wenige große Player. Konkurrenz sehe ich daher als belebend für das Geschäft und nicht als belastend an. Zudem sind Konkurrenten im Gaming Bereich unsere Kunden im Medienbereich.

Wichtigstes Ereignis im letzten Jahr: Wir haben in 2019 drei größere Übernahmen getätigt und waren auch mit dem Tripple A Launch des Spiels ArcheAge Unchained sehr erfolgreich; dies waren neben vielen anderen guten Entwicklungen unsere Highlights.

Zielmärkte: Unsere Hauptmärkte sind Europa und Nordamerika. Hier sehe ich auch weiter erhebliches Wachstumspotenzial, aber natürlich sind wir auch in weiteren Märkten, wie z.B. in Südamerika, aktiv.

Glücksspielgesetz: Spielt für uns nicht wirklich eine Rolle, wir haben uns entschieden, nicht im Glücksspielbereich tätig zu sein.

Worst Case für MGI: Ein sehr theoretischer Worst Case; wenn Spielen verboten wird. Aber das ist sicher nicht zu erwarten, Menschen spielen einfach gerne.

Wachstum: Wir wollen auch in den kommenden Jahren weiter deutlich mit im Schnitt über 30 % pro Jahr wachsen, dabei haben wir aber die Profitabilität unverändert im Blick.

Investor Relations: Bei unserer Unternehmensgröße ist es besonders wichtig, nicht nur transparent, sondern auch aktiv zu kommunizieren. Das tun wir.

Dividende: Erst einmal wollen wir weiter dynamisch wachsen, noch sehe ich das Geld als Investment in der MGI besser angelegt.

Börse: Die Börse ist nach wie vor ein guter Platz für Wachstumsunternehmen und deshalb haben wir uns auch bewusst für eine Börsennotierung der MGI entschieden.

Danke für die Einschätzungen. Wenn Sie die Entwicklung der MGI anschauen, gibt es etwas, was Sie aus heutiger Sicht anders gemacht hätten?

Remco Westermann: Natürlich gibt es immer einzelne Entwicklungen, die man im Nachhinein anders gemacht hätte. So hatten wir bei den 30 getätigten Zukäufen 3, die sich als nicht wertsteigernd herausgestellt haben, was aber immer noch eine sehr gute Quote ist. Aber, die Richtung stimmt und mit der Entwicklung der Gesellschaft bin ich sehr zufrieden.

Wie sehen denn Ihre Planungen für das Gesamtjahr und darüber hinaus aus?

Remco Westermann: Wir wollen 2020 weiter dynamisch und profitabel wachsen. In den vergangenen fünf Jahren haben wir über 40 % durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum gezeigt. Dabei wirkt sich die Corona-Krise eher positiv auf unser Geschäft aus, auch wenn die weitere Entwicklung der Pandemie nicht abgeschätzt werden kann. Auch für die kommenden Jahre gehen wir von einer Fortsetzung der dynamischen Entwicklung aus, dabei wollen wir weiter durch internes und externes Wachstum zulegen.

Damit kommen wir zu ihrer Vision, wie wird die MGI in 5 Jahren aussehen?

Remco Westermann: Unsere Vision ist es, ein deutlich größeres und sehr profitables Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 1 Milliarde Euro aufzubauen. In 5 Jahren sollte sich dieses schon abzeichnen.

Und wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Ich sehe MGI auf einem guten Weg und freue mich, als Vorstand und Großaktionär die Gesellschaft weiterentwickeln zu dürfen. Im Moment kann ich mir nichts anderes vorstellen.

Herr Westermann, vielen Dank für das Interview.


Chart: Media and Games Invest PLC | Powered by GOYAX.de

Remco Westermann | CEO und Vorstandsvorsitzender

remco westermann media and gamesRemco Westermann verfügt als Manager, Unternehmer und Investor über mehr als 25 Jahre Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen. Bei mehreren Gesellschaften im Bereich Technologie und Medien war Westermann maßgeblich bei der Gründung tätig bzw. auch für die Reorganisation und das Wachstum verantwortlich.


Kurzinfo zum Unternehmen

Media and Games Invest plc, MGI ist ein schnell und profitabel wachsendes Unternehmen in den Bereichen digitale Medien und Games. Dabei kombiniert das Unternehmen organisches Wachstum mit wertschöpfenden Übernahmen. Die MGI-Gruppe hat in den vergangenen 6 Jahren über 30 Unternehmen und Assets erfolgreich übernommen. Die übernommenen Firmen und Assets werden konsequent integriert und unter anderem wird Technologie eingesetzt, um Effizienzverbesserungen und Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Media and Games Invest ist an der Frankfurter Börse sowie auf XETRA gelistet.

 
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