Marktkommentar: Karen Ward (J. P. Morgan AM): Warum sind die Brexit-Risiken wieder Thema?
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Marktkommentar Karen Ward (J. P. Morgan AM): Warum sind die Brexit-Risiken wieder Thema?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
16.07.2020, 09:30  |  474   |   |   

Das Vereinigte Königreich (UK) ist zwar am 31. Januar aus der Europäischen Union (EU) ausgetreten, wegen der elfmonatigen Übergangsfrist hat sich für die Wirtschaft aber tatsächlich nichts geändert.

Ein amerikanischer Kollege nahm kürzlich mit mir gemeinsam an einem Meeting teil und war perplex, dass ich über den Brexit sprach. „Ist der Brexit denn nicht erledigt?“, fragte er mich. Nein, ist er nicht. Das Vereinigte Königreich (UK) ist zwar am 31. Januar aus der Europäischen Union (EU) ausgetreten, wegen der elfmonatigen Übergangsfrist hat sich für die Wirtschaft aber tatsächlich nichts geändert. In diesem Zeitraum sollten sich die UK und die EU auf ein zukünftiges Handelsabkommen einigen, das am 1. Januar 2021 in Kraft treten sollte.

Die Bedingungen für den Austritt der UK aus der EU wurden rechtlich im Austrittsabkommen verankert. Darin wurde auch festgehalten, dass die UK eine Verlängerung des Übergangszeitraums beantragen könnte, wenn seiner Ansicht nach mehr Zeit für Verhandlungen erforderlich sei. Dies müsste jedoch bis zum 30. Juni diesen Jahres beantragt werden. Und deshalb spricht man jetzt wieder über den Brexit.

Bei den Verhandlungen wurden anscheinend keine großen Fortschritte gemacht. Und das liegt nicht nur an den physischen und kapazitätsmäßigen Einschränkungen infolge von Covid-19. Die grundlegende Ursache des Problems ist dasselbe Thema, das die Gespräche während der gesamten letzten vier Jahre erschwert hat. Die UK möchte die Kontrolle zurückerlangen und wirklich selbstbestimmt werden, indem es eigene, von britischen Gerichten durchgesetzte Regeln und Vorschriften erlässt. Die EU hingegen ist zur Gewährung eines nennenswerten Zugangs zum EU-Binnenmarkt nur gegen die Abgabe von Garantien bereit, dass ihre Standards nicht für das Erreichen von Wettbewerbsvorteilen unterlaufen werden.

Was geschieht also als nächstes? Die britische Regierung scheint fest entschlossen zu sein, keine Verlängerung zu beantragen. Das wird allem Anschein nach zu einem Knackpunkt gegen Jahresende führen: Entweder wird in den nächsten sechs Monaten ein Durchbruch in Form eines Freihandelsabkommens erreicht, oder das Vereinigte Königreich tritt aus und wird Handelspartner nach den Regeln der Welthandelsorganisation WTO.

Der Handel nach WTO-Regeln gilt als Synonym für einen „harten Brexit“. Was genau bedeutet das eigentlich? Die kurze Antwort lautet: Möglicherweise Zölle, mehr Zollformularien für Unternehmen, die mit der EU handeln möchten, und eventuell die Notwendigkeit, das Vereinigte Königreich von EU-Lieferketten auszuschließen, wenn keine regulatorische Konformität gewährleistet werden kann. Diese nicht-tarifären Barrieren werden unserer Ansicht nach die größten Auswirkungen auf wirtschaftlicher Ebene haben. Auch für Finanzfirmen könnten sich erhebliche Konsequenzen ergeben, weil Großbritannien nicht mehr Teil des Passporting-Systems wäre, durch das EU-Kunden von Niederlassungen im Vereinigten Königreich betreut werden können. Fürsprecher eines harten Brexit argumentieren, dass ein sauberer Bruch der UK mehr Flexibilität für das Aushandeln von künftigen Handelsabkommen mit anderen Handelspartnern gäbe. Allerdings würden sich jegliche Vorteile dieser Abkommen erst zeigen, wenn sie umgesetzt sind, was häufig ein sehr langer Prozess ist.

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